Güterzüge

28. Juli 2014 12:43; Akt: 28.07.2014 12:43 Print

Schrott verkehrt auf Schweizer Schienen

Güterzüge in der Schweiz sind häufig mangelhaft. Was Kontrolleure aber letzte Woche im Tessin entdeckten, übertrifft alles bisher Dagewesene.

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Güterzüge auf Schweizer Schienen weisen häufig Mängel auf. (Bild: Wandschmuck Basel)

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Die Kontrolle eines Güterzugs sollte normalerweise 30 bis 40 Minuten dauern. Was sich letzte Woche aber in Chiasso ereignete, kann keineswegs als Normalfall bezeichnet werden: Fast dreimal so lange mussten die Kontrolleure des Bundesamts für Verkehr (BAV) die 23 Wagen eines Zuges aus Italien kontrollieren. Beinahe an allen Wagen entdeckten sie Mängel – über die Hälfte musste sogar sofort aus dem Verkehr gezogen werden.

«So viele Beanstandungen hatte ich noch nie», sagte BAV-Auditor Roger Schüpfer zum «Tages-Anzeiger». Jedes Jahr führt er an verschiedenen Standorten drei Monate lang unangemeldete Kontrollen bei Güterzügen durch, vergleichbar mit Polizeikontrollen im Strassenverkehr. Dabei findet er in letzter Zeit immer mehr beschädigte Wagen, denn der Güterverkehr auf der Schiene wächst.

Branche ist hart umkämpft

Derzeit sind in der Schweiz rund 2000 Güterzüge pro Tag unterwegs und transportieren allein durch den Gotthard pro Jahr 25,2 Millionen Tonnen Waren. Nach der Eröffnung des Basistunnels 2016 wird sogar mit einer knappen Verdopplung dieser Zahl gerechnet.

Die Güterzug-Branche ist hart umkämpft. Die Liberalisierung des Verkehrs hat zu einem Preiswettbewerb und enormem Kostendruck geführt. Das erhöht auch die Gefahr, dass die Sicherheit der Züge aus Kostengründen vernachlässigt wird. Branchen-Insider sprechen von «Rappenspalterei».

Das BAV hat die Kontrollen der Güterzüge in den letzten Jahren deutlich erhöht. Eine schwarze Liste von Unternehmen mit Schrott-Zügen führe man aber nicht. «Statt Schwarzpeterspielen oder Hetzkampagnen pflegen wir lieber die Sensibilisierung und den Dialog mit den Unternehmen», sagt Hanspeter Egli, Sektionschef Sicherheitsüberwachung.

Unfälle mit Güterzügen.

Mängel an Güterzügen sind keine Bagatellen. 2011 löste sich eine Blache eines Wagens im Simplon. Es kam zu Schäden in Höhe von 15 Millionen Franken, der Tunnel musste über mehrere Monate gesperrt werden.

Im italienischen Viareggio führte ein entgleister Güterwagen 2009 zu einer Gasexplosion, bei der 32 Personen starben. Wer die Verantwortung dafür trägt, ist bis heute ungeklärt.

(nsa)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fritz Kramer am 28.07.2014 13:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn schon, denn schon

    Wie wäre es, auch hier hart durchzugreifen, in der Art wie die Italiener es mit den Autos machen (kein CH, Winterpneus etc.) Auch bei den anderen Länder strikte vorgehen. es gibt doch sicher Gesetze von Brüssel, die wären wichtiger als bei den Autos Licht und Kindersitze bis erwachsen, Böllerprüfungen etc.

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  • Tobi T. am 28.07.2014 13:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ach das EU-System

    Schon klar gibt es kein Geld mehr für Investitionen in Infrastruktur, wenn die jeweiligen wirtschaftlich angeschlagenen Länder auch noch Nettozahler für die EU sind sprich die Steuern für Unternehmen erhöhen müssen! Die noch "starken" werden noch mehr gemolken und die Schwachen werden nie lernen richtig zu wirtschaften! Oder lernt jemand mit Geld umzugehen, dass er ständig in den A...geschoben bekommt? Wohl kaum!:)

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  • Hans Dampf am 28.07.2014 13:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liberalisierung sei Dank

    Es herrschen bald Zustände wie beim Güterverkehr auf der Strasse. Gespart wird nicht zuletzt beim Unterhalt und solange die zu tiefen Bussen locker aus der Kaffeekasse bezahlt werden können, wird sich daran auch nichts ändern.

Die neusten Leser-Kommentare

  • User79 am 29.07.2014 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    Null Toleranz

    Mit Unternehmer die absichtlich bei der Sicherheit sparen und bewusst Menschen in Gefahr bringen, sollte man überhaupt nicht verhandeln.

  • Rolf Kupferschied am 29.07.2014 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    CH Güterwagons Finanzierung

    Zusammen mit der Neat-Portalfinanzierung könnte man den Italienern doch auch noch neue Güterwagons finanzieren. Nur damit der Cargo-Schienenverkehr via NEAT schlussendlich auch rentabel betrieben werden kann...

  • Leo am 29.07.2014 06:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schienen Schrott (auf der Strasse???)

    Bei den Bahnen wird halt alles tolleriert. Ob Auslands oder Ch-wagons. Mit Bussen oder Fahrausweisendzug müssen die Lokführer ja nie rechnen. Der Lkw Fahrer der wird beim kleinsten nicht einhalten von Fahrzeugmängelchen oder sonsigem bestraft und das geht bis Verweigerung der weiterfahrt und horenden Bussen oder sogar mit Fahrausweisentzug. Ja die Bahn (Lobi) darf sich alles erlauben.

  • NoFx am 28.07.2014 21:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    20min..

    Macht bitte mal eine doku über die NOFX Crew ihr werdet begeistert sein was die jungs so draufhaben ;-)

  • Renato B am 28.07.2014 21:35 Report Diesen Beitrag melden

    und dann ein graffiti vermalter wagen..

    war ja klar dass man die mängel nur mit einem bemalten wagen darstellen kann... ;)

    • Echo vom Bärli am 29.07.2014 08:38 Report Diesen Beitrag melden

      Alternativen fehlen

      Es ist schwierig andere Güterwagen zu finden!

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