Unruhestifter

28. April 2019 12:08; Akt: 28.04.2019 19:34 Print

Radau-Schüler bringen Lehrer an ihre Grenzen

Jeder fünfte Schüler ist verhaltensauffällig. Das Problem fängt schon im Kindergarten an.

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Lehrer haben im Klassenzimmer vermehrt mit Unruhestiftern zu kämpfen. Jeder fünfte Schüler ist verhaltensauffällig. Dies zeigen erstmals erhobene Zahlen für Zürich und Winterthur, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. 950 Schüler würden von den Lehrpersonen als auffällig eingeschätzt, was 22 Prozent entspreche, sagt Reto Luder, Professor an der Pädagogischen Hochschule Zürich. Weiter geht aus seiner Umfrage hervor, dass verhaltensauffällige Schüler für 60 Prozent der Klassenlehrer der grösste Belastungsfaktor sind.

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Die sogenannten Radau-Schüler sind renitent, werfen Mobiliar durch das Klassenzimmer, beschimpfen Lehrer und Mitschüler. Weniger Auffällige stören den Unterricht etwa durch Zwischenrufe und Umherlaufen. Das Problem zieht sich ab dem Kindergarten durch alle Schulstufen.

Haben Sie mit verhaltensauffälligen Kindergärtlern oder Schülern zu tun? Oder sind Sie Trainer in einem Sportverein und kämpfen mit demselben Problem? Dann melden Sie sich hier und berichten Sie uns von Ihren Erfahrungen:

Fluchen und freche Antworten

Besonders belastend für die Lehrer sind Schüler mit «emotionalem und sozialem» Förderbedarf: Sie verbringen den Tag unter dem Pult, fluchen, geben freche Antworten, legen den Unterricht mit nervtötendem Dauergelärm lahm oder quasseln ständig. Auch schrecken sie nicht davor zurück, wegen einer schlechten Note den Stuhl durch das Zimmer zu werfen und einfach davonzulaufen, wenn ihnen etwas nicht passt.

Seit 2004 gilt das Behindertengleichstellungsgesetz. Dieses fordert unter dem Stichwort «Inklusion», dass alle Kinder unabhängig von Behinderungen, psychischen Problemen, Lernschwierigkeiten und Verhaltensstörungen ins reguläre Schulsystem integriert werden.

Die Schulämter stellen fest, dass eine kleine Zahl von Kindern eine grosse Zahl von Erwachsenen beschäftigt. Die Folge sind eine explosionsartige Zunahme von Sitzungen mit den Eltern, Schulleitern, Psychologen, Logopäden und Schulsozialarbeitern.

Zu wenig betreut und zu viel Zeit vor Bildschirm

Auch Jean-Michel Héritier, Präsident der Basler Schulsynode, bestätigt: «Die Zahl der Vorfälle mit verhaltensauffälligen Kindern ist in den letzten Jahren stark gestiegen.» Bereits etwa ein Fünftel aller Schüler im Kindergarten und in der Primarschule sei sehr anspruchsvoll zu unterrichten.

Héritier führt die Zunahme auf die aufgehobenen Kleinklassen für verhaltensauffällige Schüler zurück. Es gebe aber auch mehr Kinder, die zu Hause zu wenig betreut würden. Laut Héritier verbringen vor allem Kinder aus bildungsfernen Familien aber auch zu viel Zeit vor dem Bildschirm und zu wenig mit Gleichaltrigen. Daher hätten sie eine geringe Frustrationstoleranz und Konzentrationsschwächen.

(bz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Donna M. am 28.04.2019 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Gewisse Leute sollten keine Kinder haben

    Das liegt ganz klar an der Unfähigkeit gewisser Eltern ihre Kinder zu erziehen. Die Verantwortung wird an die Lehrer abgeschoben, in der Erwartung, dass jene die Erziehung übernehmen. Solche Eltern sollen sich schämen.

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  • Tschörtschi am 28.04.2019 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Er ist ja so ein Schnügel

    Die süssen kleinen Rackerchen geniessen ja keine autoritäre Erziehung mehr.Da wird geschriehen und getäubelet was das Zeug hält.Wenn ich mich als Kind so benommen hätte,wäre ein anderes Windli aufgekommen...

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  • Martin am 28.04.2019 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Sinnvoller Artikel

    Die Aussagen zu den Kindern passen wie die Faust aufs Auge.. Kinder haben sollte für die Eltern Übernahme von Verantwortung heissen und nicht Lebensmasterplanerfüllung..

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sara32 am 22.05.2019 06:56 Report Diesen Beitrag melden

    Frust aushalten

    Wenn ganz kleine Kinder schon vor dem Bildschirm sitzen, ob Handy, Fernseher oder Tablet, erlernen sie keine Frusttolleranz. Langeweile auszuhalten ist wichtig. Leider werden Kinder immer sofort bespasst. Eltern weichen schnell zurück, halten ihrerseits nicht dagegen. Die Schulen sollen es ausbaden. Im Rollenspiel das Leben lernen, war früher normal. In der Schule sollen sie dann von einem Tag auf den anderen stundenlang brav stillsitzen und zuhören. Das ist das Resultat. Nehmt den Kindern die Handys weg!

  • Jandebang am 07.05.2019 20:47 Report Diesen Beitrag melden

    Zurück zu den 50ziger-Jahren...

    ...und diesem Gewächs die Grenzen aufzeigen notfalls mit Handanlegen...So einfach ist/wäre das...

  • Walter S am 02.05.2019 08:23 Report Diesen Beitrag melden

    Weniger Laissez-faire wäre sinnvoll

    Man möge nur die wohlstandsverwahrlosten Kids der Generation Antiautorität anschauen, die sich im Supermarkt auf den Boden werfen, zu toben beginnen und alle terrorisieren, wenn sie etwas nicht bekommen. Das gleiche Verhalten gibt's dann auch in der Schule. Nicht die Schule ist das Problem sondern das Umfeld der Kinder. Die Schule kann nicht korrigieren, wass vorher und zu Hause falsch läuft. Mehr Herz und Empathie, weniger Laissez-faire im Umgang mit Kindern. Und Antiautoritäres und Autoritäres müssen sich die Waage halten, damit die Kinder fit fürs Leben werden.

  • Peter Fidler am 01.05.2019 22:37 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Zensoren

    Es scheint, als dass Sie mich generell von der Kommentierung ausschliessen. Dabei interessiert nicht der Inhalt des Kommentars, als vielmehr meine Person an sich. Sie bemühen sich, Kommentare nach internen Richtlinien zu beurteilen. Diese basieren auf moralisch, ethischen Grundsätzen. Vergessen Sie aber nicht, dass auch Sie sich nach diesen Grundsätzen zu verhalten haben! Ansonsten wirken Sie unglaubwürdig und setzen sich dem Verdacht der Meinungsmanipulation aus.

  • ursulachristth@bluewin.ch am 30.04.2019 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    Videoüberwachung

    Warum wird die Schule nicht videoüberwacht. So könnten sich die Eltern über das Verhalten ihrer Kinder selbst ein Bild machen.