Sexting

02. Mai 2014 08:13; Akt: 02.05.2014 11:18 Print

Schüler-Handys sind voll mit Pornografie

Die Zahl der Anzeigen gegen Jugendliche wegen Sexting nehmen stark zu. Bei Ermittlungen müssen teils halbe Schulklassen ihre Handys abgeben.

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Die Straftaten aufgrund von Sexting haben in der Schweiz stark zugenommen. (Bild: Pro Juventute)

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Wer Sexbilder übers Internet oder Mobiltelefon verbreitet, kann sich strafbar machen, erst recht, wenn Jugendliche unter 16 Jahren involviert sind. Die kantonalen Justizbehörden hatten deshalb im vergangenen Jahr viel zu tun: 54 Verurteilungen wegen Pornografie wurden 2013 im Kanton Bern ausgesprochen – zwischen 2009 und 2012 waren es noch 6 bis 14 pro Jahr gewesen. Doch auch in Schwyz, Luzern und Solothurn haben die Straftaten im Bereich Pornografie zugenommen. «Wir hatten im vergangenen Jahr 60 Anzeigen betreffend Sexting», sagt auch Cornelia Schuoler von der Kantonspolizei Zürich. «Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine beträchtliche Zunahme.»

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Befinden sich pornografische Inhalte auf ihrem Handy?
31 %
60 %
9 %
Insgesamt 14898 Teilnehmer

Im Kanton Aargau hat sich die Anzahl der Straftaten wegen Pornografie mehr als verdoppelt. Ein grosser Teil davon entfällt auf das sogenannte Sexting, erklärt Bernhard Graser von der Kantonspolizei Aargau. Gezielte Massnahmen gegen den neuen Trend fehlen jedoch. «Wir richten unseren Fokus derzeit auf die Bereiche Einbruchdiebstahl, Trick- und Taschendiebstahl, wo ebenfalls grosser Handlungsbedarf besteht», erklärt Graser. «Angesichts begrenzter Mittel müssen wir unsere Präventionsmassnahmen auf diesen Kriminalitätsbereich beschränken.»

Beträchtliche Dunkelziffer

Ermittlungen in Sexting-Fällen lösen bei Beamten immer wieder Kopfschütteln aus, wie Graser sagt. «Manchmal müssen die Handys einer halben Schulklasse eingezogen und ausgewertet werden. Was bei Schülern aus jüngeren Klassen zum Teil für Inhalte auf den Smartphones zu finden sind, ist manchmal schon bedenklich.» Die Rede ist von Bildern und Filmen mit zum Teil extremen pornografischen Inhalten. Und wenn Minderjährige von sich selbst oder von Gleichaltrigen Nacktbilder schiessen, machen sie sich der Kinderpornografie schuldig.

Sexting ist also keineswegs harmlos. Graser hat eine Vermutung, weshalb Jugendliche immer mehr Sexbilder verschicken: «Die starke Zunahme dieses leidigen Phänomens dürfte in gesellschaftlichen Veränderungen zu suchen sein – Stichwort soziale Medien.» Die Jugendlichen hätten Zugang zu entsprechenden Geräten, was die Voraussetzung für den Trend erst schaffe. Und längst nicht jeder Sexting-Fall wird der Polizei gemeldet. «Es gibt sicher eine beträchtliche Dunkelziffer», so Graser. «Ein Grund dafür ist wahrscheinlich, dass Repressalien von Mitschülern befürchtet werden.»

Täglich meldet sich ein Opfer

Auch die St. Galler Jugend verschickt viele Sexbilder. Bei der Kantonspolizei habe man eine Zunahme von Anzeigen wegen Sexting festgestellt, sagt Sprecher Gian Andrea Rezzoli. «Das Problem ist die Sorglosigkeit der Jugendlichen.» Ein Sexting-Bild entstehe oft während einer Beziehung. Ist damit Schluss, könne mit den Bildern Druck ausgeübt werden, es doch noch einmal zu versuchen. Ausserdem würden die Fotos aus Rache an andere verschickt. «Sobald sie einmal im Netz sind, bleiben sie für immer drin.»

Um dem Trend entgegenzuwirken, macht die Kantonspolizei St. Gallen an Schulen und Messen Jugendliche auf die Gefahr von Sexting aufmerksam. Auch in Zürich versuchen die Behörden, die Zunahme mit Sensibilisierungs- und Präventionsarbeit aufzuhalten. Pro Juventute versucht ebenfalls, mit einer Kampagne auf die Problematik aufmerksam zu machen . Der Bedarf sei gross. Fast täglich meldet sich laut der Organisation ein Sexting-Opfer bei der
Beratungsstelle 147.

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Radikk am 02.05.2014 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    Ich kanns nicht mehr lesen...

    Sexting da... sexting dort. Hört doch endlich auf mit diesem Mist! Jeder ist SELBER dafür verantwortlich welche Fotos in Umlauf kommen. Nur wer gegen seinen Willen gezwungen wurde, von sich entblösste Fotos zu schiessen und sie zu verschicken darf sich dann beschweren. Meine Meinung: Eltern sollten wieder mal ihre Kinder besser erziehen und ihnen etwas mehr Weitsichtigkeit beibringen! Jedoch bei dieser Gesellschaft heut zu Tage ist Weitsichtigkeit sogar bei den Eltern zu viel verlangt.

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  • Roland Kämpe am 02.05.2014 09:38 Report Diesen Beitrag melden

    Kehrtwende - bin jetzt dagegen

    Wenn bspw. eine Minderjährige zu aufreizende Bilder von sich verschickt, macht sie sich also der Herstellung, des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornographie schuldig. Der (höchstwahrscheinlich) gleichaltrige Empfänger zumindest des Besitzes. Sie müssen, wenn die momentan zur Debatte stehende Initiative angenommen wird, mit einem lebenslänglichen Berufsverbot für "Tätigkeiten mit Minderjährigen oder Abhängigen" belegt werden. Gleichzeitig dürfen die beiden nach geltendem Recht aber legal miteinander schlafen (bei maximal drei Jahren Altersunterschied). Wo bleibt da die Logik?

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  • Yamato am 02.05.2014 10:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wo das eigentliche Problem liegt...

    ...ich (17) bin grundsätzlich dagegen dass man den Kindern den Umgang mit den Medien verbietet. Allerdings ist es wirklich erschreckend dass schon Kinder (ja, auch schon 8 jährige) zum Teil ein Handy besitzen. Denn das ist devinitiv unnötig...ich selbst hatte mein erstes handy (ein Notfallhandy, kein facebook oder whatsapp nur sms und telefon mit prepaid) zu meinem 14.Geburtstag bekommen. Natürluch war ich oftmals wütend auf meine Eltern wenn alle ausser ich ein Handy hatten, aber ich hatte eine richtig gute Kindheit, wir kamen nach dem Spielen mit aufgeschlagenen Knien aber glücklich nach hause...und es war eine schöne zeit...Um soetwas können uns Kinder die das nie erlebt haben beneiden...Und um jetzt noch den Bogen zum Sexting zu schliessen sollten die kinder/jugendlichen vor dem 1. handy sensibilisiert werden...danke fürs lesen :)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ein halbkleiner Junge am 02.05.2014 15:50 Report Diesen Beitrag melden

    Noch nie

    Ich, M (bald 19) habe noch nie solche Fotos gemacht und wollte solche auch nie. Habe einige zugeschickt bekommen (oft von Freundinnen) aber habe diese nachher gelöscht! Wieso? Es ist blöd, wenn ich jemanden mein Handy gebe und er findet ein halbnacktes Foto von meiner Freundin, ehh hallo? Darum: Denken VOR handeln! :)

  • Anonymer Schüler am 02.05.2014 12:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Normal (fast)!!!!!

    das ist an meiner Schule ( leider) fast normal! Einfach krank!

  • koby am 02.05.2014 12:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jugend

    Wie tief sind wir gesunken. Mit 13,14 schon Sex haben. Ich bin 15 und schaue auch keine Pornos. Wieso wollen Kinder nicht einfach Kinder sein. Man wird früh genug erwachsen und Sex haben.

  • Herlich am 02.05.2014 12:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seht doch mal tv usw.

    Keine anderen probleme.. Ihr förderts ja schon im kindergarten

  • Oldie am 02.05.2014 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Mal ehrlich sein

    Man kann das mit den Pornos auf den Handys sicher kritisieren aber dann muss man selbst auch mal in sich gehen. Ich für meinen Teil, kann mich noch daran erinnern, dass zu meiner Schulzeit es üblich war, dass einzelne Pornohefte aus Papas Pornosammlung von vielen Mitschülern direkt mit in die Schule gebracht wurden und alle verschämt und interessiert sich die angeschaut haben. Also, damals wie heute. Nur keine falsche Moral heucheln.