Hitze

25. Juni 2019 04:48; Akt: 25.06.2019 07:35 Print

Schüler fordern drei Monate Sommerferien

von B. Zanni - Wegen der hohen Temperaturen verlangen die Schüler eine längere Sommerpause. Damit stossen sie auch beim Lehrerverband auf offene Ohren.

Bildstrecke im Grossformat »
Das Durchhalten bis zu den Sommerferien macht vielen Schülern zu schaffen. Auch die Lehrer litten unter der Hitze, sagt Schüler Sebastian. «Viele beenden den Unterricht dann früher und gehen mit uns eine Glace essen oder sie verlegen den Unterricht in den Park, was aber nur ablenkt.» Statt im Schulzimmer zu schwitzen, wollen sich die Schüler schon früher im See abkühlen können. «Die Sommer sind heisser geworden. Wie in Schulen in südlichen Ländern sollten deshalb auch an Schweizer Schulen dreimonatige Sommerferien eingeführt werden», sagt Mihailo Kinkela von der Union der Schülerorganisationen USO. Beim Lehrerverband trifft die Forderung auf Verständnis. «Wenn 30 Grad im Juni normal werden, ist es in Schulhäusern nicht mehr auszuhalten. Dreimonatige Sommerferien wären zu diskutieren», sagt Beat W. Zemp, Präsident des Lehrerverbands. Es sei ein Fakt, dass die Sommer in der Schweiz durch den Klimawandel denjenigen im Süden ähnelten, sagt Luzian Franzini, Co-Präsident der Jungen Grünen. Dass die Schüler in den langen Sommerferien nur auf der faulen Haut liegen, ist jedoch nicht die Idee. Damit das Gelernte nicht vergessen gehe, müssten die Schüler den Stoff in einer Form repetieren, sagt Beat W. Zemp. Auch auf politischer Ebene werden verlängerte Sommerferien diskutiert. SP-Nationalrat und Bildungspolitiker Corrado Pardini findet: «Wenn eine Schülerorganisation ein Systemwechsel bei den Sommerferien verlangt, muss die Politik dies ernst nehmen. Die Schüler sind direkt betroffen.» Keinen Anpassungsbedarf sieht FDP-Nationalrat Hans-Ulrich Bigler. «Ein gewisser Rhythmus zwischen Schule und Ferien ist wichtig, was dreimonatige Sommerferien verunmöglichen würden», sagt der Bildungspolitiker.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Über 38 Grad heiss wird es die nächsten Tage in der Schweiz – trotzdem müssen bis auf die Tessiner und die Walliser alle Schüler bis im Juli die Schulbank drücken. In Italien, Albanien oder in der Türkei steht der Schulbetrieb dagegen schon längst still. Dort startet die Sommerpause bereits im Juni und endet erst Mitte September. Das Durchhalten bis zu den Sommerferien macht vielen Schülern zu schaffen.

Umfrage
Braucht es längere Sommerferien?

«Bei 28 bis 30 Grad im Schulzimmer mit 20 Leuten kann man nicht mehr arbeiten», klagt Fachmittelschüler Sebastian (18)*. Auch die Lehrer litten unter der Hitze. «Viele beenden den Unterricht dann früher und gehen mit uns eine Glace essen oder sie verlegen den Unterricht in den Park, was aber nur ablenkt.»

«Am besten stellt man den Schulbetrieb ein»

Eine Lösung sähe Sebastian in früheren Sommerferien. «Dann müsste man auch nicht die Umwelt mit klimatisierten Räumen belasten.» Auch Schülerin Nina (18) sagt: «Wenn es heiss ist, sind meine Mitschüler müde, träge und weniger produktiv und auch nicht mehr so aufnahmefähig.» Sie würde es toll finden, wenn der Unterricht im Sommer nur morgens stattfände.

Für Mihailo Kinkela, Medienverantwortlicher der Union der Schülerorganisationen USO mit über 40'000 Mitgliedern, steht deshalb fest: «Die Sommer sind heisser geworden. Wie in Schulen in südlichen Ländern sollten deshalb auch an Schweizer Schulen dreimonatige Sommerferien eingeführt werden.» Selber wechselt der Wirtschaftsmittelschüler im folgenden Schuljahr an ein Gymnasium nach Serbien, wo die Sommerferien drei Monate dauern.

Die jetzigen Wochen vor den Sommerferien würden abgesehen von Prüfungen nicht mehr sinnvoll genutzt, sagt Kinkela. «Effektiv nötig sind Alternativprogramme nicht. Am besten stellt man den Schulbetrieb im Sommer ganz ein.»

Schulzeit müsste verlängert werden

Beim Lehrerverband trifft die Forderung auf Verständnis. «Wenn 30 Grad im Juni normal werden, ist es in Schulhäusern nicht mehr auszuhalten. Dreimonatige Sommerferien wären zu diskutieren», sagt Beat W. Zemp, Präsident des Lehrerverbands. Dies bedinge aber etwa, dass man die Schulzeit um ein Jahr verlängere. «Ansonsten müsste man auf sämtliche Ferien unter dem Jahr verzichten.»

Auch auf politischer Ebene werden verlängerte Sommerferien diskutiert. Es sei ein Fakt, dass die Sommer in der Schweiz durch den Klimawandel denjenigen im Süden ähnelten, sagt Luzian Franzini, Co-Präsident der Jungen Grünen. «Schweizer Schüler können sich in der Hitze genauso wenig konzentrieren wie etwa italienische. Eine Anpassung des Schulsystems für die heisseren Sommer ist deshalb nötig.»

Auch SP-Nationalrat und Bildungspolitiker Corrado Pardini findet: «Wenn eine Schülerorganisation einen Systemwechsel bei den Sommerferien verlangt, muss die Politik dies ernst nehmen. Die Schüler sind direkt betroffen.» Werde die Diskussion weitergeführt, reiche er beim Bundesrat ein Postulat ein. «Der Bundesrat sollte aufzeigen, welche Vor- und Nachteile eine dreimonatige Ferienzeit in Bezug auf den Lernprozess, den Lehrplan und die Betreuung hat.»

Italiener vergessen Schulstoff

Dass die Schüler in den langen Sommerferien nur auf der faulen Haut liegen, ist jedoch nicht die Idee. Damit das Gelernte nicht vergessen gehe, müssten die Schüler den Stoff in einer Form repetieren, sagt Beat W. Zemp. Damit teilt er die Vorstellungen der Befürworter. Sie schlagen etwa vor, dass die Schüler in der Sommerpause Aufgabendossiers lösen oder in betreuten Lernateliers zu kühleren Tageszeiten lernen.

Keinen Anpassungsbedarf sieht FDP-Nationalrat Hans-Ulrich Bigler. «Ein gewisser Rhythmus zwischen Schule und Ferien ist wichtig, was dreimonatige Sommerferien verunmöglichen würden», sagt der Bildungspolitiker. Zudem würden verlängerte Sommerferien das ganze Bildungssystem auf den Kopf stellen. «Der Lehrbeginn und die weiterführenden Schulen sind alle auf den Kalender der vorhergehenden Schulen abgestimmt.»

Dass lange Sommerferien Fluch und Segen sind, zeigt auch Italien. Seit einigen Jahren formiert sich dort gegen den «Alptraum Sommerferien» Widerstand: Die Betreuung der Schüler während der langen Sommerferien sei kaum mit den Arbeitszeiten der Eltern vereinbar und im September müssten die Schüler jeweils mit dem Stoff von vorne beginnen, klagen die Italiener.

*Name der Redaktion bekannt

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel am 25.06.2019 05:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und die, die arbeiten?

    Und diejenigen, die arbeiten? Auf dem Bau, auf der Autobahnbaustelle, in der Landwirtschaft, die Bauern?

    einklappen einklappen
  • nicole am 25.06.2019 05:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    noch mehr ferien...

    oder früher am morgen anfangen wenn es noch kühl ist, und um 14 uhr schule beenden...

    einklappen einklappen
  • V.B. am 25.06.2019 05:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausbildung vs. Ferien

    Wie wäre es damit der Ausbildung Priorität zu geben? Das Leben ist kein Ponyhof!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Edi Metzger am 03.07.2019 22:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ferien

    Einfach 2 Wochen vom September streichen, dafür in den Sommerferien anschliessen!

  • Graf, Aimée am 01.07.2019 22:33 Report Diesen Beitrag melden

    3 Monate Sommerferien? Ich sage nein!

    Was macht man während 3 Monaten Sommerferien? Lernen für die Schule ist sicher ein wichtiger Aspekt, Jedoch wird die gegebene Zeit auch wirklich dafür genutzt? Oder doch Ferien? Fährt oder fliegt man weg, dann verschlimmert man die ökologischen Probleme - eine endlose Spirale. Vielleicht ein Ferienjob? Wer garantiert, dass es da kühler ist? Oder gar nichts tun? Wenn man lange frei hat, ist man sich nicht mehr gewöhnt, in die Schule zu gehen. Bei einer so grossen Pause ändert sich der Alltag und man wird träge. Und das soll für mehr Produktivität sorgen? Das kann ich mir nicht vorstellen.

  • Simon am 01.07.2019 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    Ferien verlagern

    Wäre doch machbar, 8 wochen Ferien und dann dafür keine Herbst ferien mehr, oder 9 wochen und dafür nur noch 1 frühlingsferien. Dafür mehr ferien hergeben sehe ich keinen sinn. Sonst hitze frei ab 32 grad.

  • S.Sp am 30.06.2019 20:08 Report Diesen Beitrag melden

    OMG

    Oh mein gott was machen die dann in der Arbeitswelt wenn es nur noch 5 Wochen Ferien gibt. Noch schlimmer in der Arbeitswelt kann man dann aich nicht mehr den ganzen Tag am Handy sein und nur Wochen Ferien. Da werden Sie wohl überfordert sein

  • Tulip82 am 29.06.2019 11:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Willkommen in der Realität

    Mein Büro hat auch keine Klimaanlage, wofür ich dankbar bin (wegen allfälliger Zugluft). Konzentrieren kann und muss ich mich trotzdem und das geht auch. Die lieben Kinder müssen lieber früher wie später lernen, dass das Leben kein Wunschkonzert ist.

    • Deutscher aus D am 04.07.2019 13:27 Report Diesen Beitrag melden

      Eine Rede für die Schüler

      Der grosse Unterschied zwischen dir und den Schülern ist, dass du zum grossen Teil unabhängig bist ... ein Schüler jedoch nicht. Du legst ein kleine Pause ein, läufst mal zum Waschbecken, trinkst mal und denkst mal langsamer. Schüler hingegen stehen permanent unter Kontrolle und meist noch unter einem Leistungsstress. Und wehe, die Lehrperson hat Hitzeprobleme und/oder schlechte Laune. Das Militär klagt über die Probleme infolge der Hitze - und unisono hat man Mitgefühl. Doch ist die Situation eines Schülers eine ähnliche ... nur das man beim Militär rein körperlich beansprucht wird --- als

    einklappen einklappen