Sexualkunde-Lehrbuch

21. Juni 2016 05:49; Akt: 21.06.2016 08:07 Print

Schüler sollen Analsex in Theaterstück darstellen

Ein Praxisbuch zur Sexualkunde sorgt mit expliziten Übungen für Empörung – in der Schweiz wird es offiziell empfohlen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Es ist noch nicht lange her, da verursachte ein Sexkoffer mit Plüschvaginas und Holzpenissen für den Sexualkundeunterricht eine Protestwelle. Nun aber sorgt ein anderes Lehrmittel für rote Köpfe: das Praxisbuch «Sexualpädagogik der Vielfalt», das in den Kantonen Zürich und Basel für den Sexualkundeunterricht empfohlen wird. Darin thematisiert werden unter anderem Analsex, Darkrooms oder Sadomasochismus. Empfohlen werden auch pädagogische Methoden: So sollen 14-Jährige in einem Theaterstück Praktiken wie Analsex darstellen oder Spielzeug für das Liebesleben zweier Lesben oder eines Rentnerpaares ersteigern. Hilfsmittel für die jungen Schauspieler: Dildos und Vaginalkugeln.

Umfrage
Wie weit darf Sexualkunde-Unterricht gehen?
13 %
53 %
26 %
6 %
2 %
Insgesamt 25710 Teilnehmer

Auch sollen die Schüler ein «Puff für alle» bauen, wo sexuelle Praktiken wie der «Blowjob» oder «Cunnilingus» dargestellt werden sollen. Das Unterrichtsmaterial richtet sich an Sekundarschüler, der Kanton Zürich empfiehlt es ab 14 Jahren. Evaluiert wurde es von der Pädagogischen Hochschule Zürich, der Fachstelle «Lust und Frust» und einer Gruppe von Lehrern und Schulleitern. Wie häufig die Empfehlungen tatsächlich von Lehrern umgesetzt werden, weiss man nicht. Fakt aber ist, dass Lehrer die Möglichkeit haben, auf das Material zuzugreifen.

«Schamfaktor hoch 10»

Dass ein solches Buch auch in der Schweiz offiziell empfohlen wird, stört SVP-Nationalrat Sebastian Frehner. «Dieses Buch hat nichts im Sexualkundeunterricht zu suchen, die entsprechenden Kantone müssen es schnellstens aus dem Verkehr ziehen.» Den Verfassern gehe es nicht mehr um die Aufklärung, sondern um die Sexualisierung der Jugendlichen. «Für manche Jugendliche mögen solche expliziten Inhalte normal sein, weil sie dies in Pornos gesehen haben, doch für andere wäre eine Simulation von Analsex die reinste Tortur, mit Schamfaktor hoch zehn.» Jugendliche könnten gar Schädigungen davontragen, wenn sie im Sexualkundeunterricht mit solchen Bildern und Rollenspielen konfrontiert seien. Im Zürcher Kantonsrat wurde das Buch ebenfalls thematisiert, die christliche Plattform «CitizenGO» sammelte in einer Online-Petition mehr als 18'000 Unterschriften gegen das Lehrmittel.

Auch die Präsidentin den Zürcher Lehrerverbandes, Lilo Lätzsch, findet: «Dieses Buch überschreitet eine Grenze, es würde mir nie im Leben einfallen, so etwas im Schulzimmer zu veranstalten.» Sie vertraut aber darauf, dass die Lehrkräfte diese expliziten Praktiken nicht verwenden würden. Seien die Jugendlichen heute durch Medien und Pornos desensibilisiert, wäre es besser, ihnen klarzumachen, dass die Realität oft anders aussehe und dass es verschiedene Vorstellungen von Sexualität gebe. Solle das Buch weiterhin auf den Empfehlungslisten der Kantone zu finden sein, müsse man sich überlegen, gewisse Passagen daraus zu streichen.

«Die Kantone haben sich etwas überlegt»

Der Schaffhauser Regierungsrat Christian Amsler, Präsident der Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz, vertraut auf die Lehrer: «Ich denke, Lehrkräfte und Fachpersonen für Sexualkunde können sehr wohl einschätzen, wann eine Übung angemessen ist und wann nicht.» Auch die Kantone hätten sich wohl etwas überlegt, als sie das Lehrbuch in die Liste der Empfehlungen aufgenommen hätten. Er sieht deshalb keinen Handlungsbedarf. «Ich kenne das Buch nicht. Die beschriebene Praktiken sind etwas gar speziell, doch es gibt sicherlich andere Gründe, warum das Buch als empfehlenswert eingestuft wurde.»

(the)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • PDvO am 21.06.2016 06:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nennt mich prüde,

    aber irgendwann geht es zu weit. Was kommt als nächstes? Pornos im Unterricht?

    einklappen einklappen
  • Chris__ am 21.06.2016 06:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mann...

    ....oh mann glsubt ihr etwa die Jugendlichen sind so blöd dass man jetzt schon das ganze spielerisch lernen musss? ..Meiner Generation und denen davor hat der ganz normale sexualkundeunterricht auch nicht geschadet. Die Eltern haben auch dazu beigetragen aufzuklären. Wüsste keinen Grund dass zu ändern.

    einklappen einklappen
  • Mutti am 21.06.2016 06:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Empfohlen?

    Geht's noch? Aber typisch: in der Schweiz wird es empfohlen. Wo führt das alles noch hin?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • strubeli1 am 22.06.2016 09:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zum Schmunzeln

    wenn ich so die Antworten lese und zum teil die vielen Finger nach unten zeigen muss ich doch lachen.Wie viele Träumen von Analsex können es aber mit der Partnerin nicht ausleben...Lügt euch nicht selber an

  • Kudi Tasse am 21.06.2016 21:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gegengewicht zum Internet

    Jugendliche orientieren sich oft im Internet. Das macht viel kaputt. Es ist daher heute extrem wichtig, dass die Sexualität realistisch thematisiert wird. Die Schule ist ein geeignetes Instrument

  • Wolf1967 am 21.06.2016 20:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hallo?!?

    Kranke Entwicklung der Gesellschaft. Was soll das? Erziehen wir unsere Kinder schon zur Sosomie usw. Offene Beziehung , Dreier usw. Echt krank! Liebe und Treue sind nicht mehr gefraht. Hauptsache schwach sein und von jedem Kuchen naschen.

  • strubeli1 am 21.06.2016 18:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo richtig so

    Also denke die heutigen Kits kennen noch einiges mehr als Analsex,wo ist dass Problem.Die wissen mehr heute vom Internet als wir Erwachsenen.Also aufwachen,die machen uns was vor

  • Bob-Design am 21.06.2016 17:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso?

    Aufklärung ok, doch irgendwo hat es Grenzen. Sollen sie das nicht selber erfahren oder lernen? So wie wir auch damals. Wenn sich jemand für spezielle Praktiken interessiert, gibt's ja unzählige Plattformen und Foren dazu.