Politiker fordern

30. April 2013 18:38; Akt: 02.05.2013 10:16 Print

Schüler sollen miteinander Mundart sprechen

von Arno Meili - Vorstoss im Grossrat Basel-Stadt: SP-Politikerin Sibylle Benz will, dass mindestens dreissig Prozent der Schüler in einer Klasse Schweizerdeutsch sprechen. Unterstützung erhält sie von der SVP.

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Im Kanton Basel-Stadt sollen pro Klasse mindestens ein Drittel der Schüler Schweizerdeutsch als Muttersprache haben – dies fordert SP-Polikerin Sibylle Benz. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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In Basel gibt es immer mehr Schulklassen, in denen kaum noch Schweizerdeutsch gesprochen wird. Laut der «Basler Zeitung» existiert sogar eine Einführungsklasse, in der kein einziges Schweizer Kind mehr sitzt. Dies ist nicht nur Eltern, sondern auch vielen Politikerin ein Dorn im Auge. Deshalb hat SP-Bildungspolitikerin Sibylle Benz im Grossrat Basel-Stadt einen Vorstoss eingereicht. Darin fordert sie, dass in jeder Schulklasse mindestens ein Drittel der Schüler Schweizerdeutsch als Muttersprache spricht. «Wenn Kinder mit verschiedenen Muttersprachen in der gleichen Klasse sind, sprechen sie untereinander automatisch Schweizerdeutsch», so Benz.

Im Grossrat Basel erhält sie breite Unterstützung für ihre Idee. So unterzeichneten neben ihren Parteikollegen auch Politiker der GLP, CVP, der Grünen, der FDP und der SVP den Vorstoss. Diese breite Zusammenarbeit freut die Politikerin. «Es erstaunt mich nicht, dass bei diesem Vorstoss so viele Parteien an einem Strang ziehen. Eine Durchmischung würde sich ja offensichtlich positiv auf die Entwicklung der Schulkinder auswirken», erklärt Benz.

Kinder aus verschiedenen Quartieren sollen in gleiche Klassen

Auch SVP-Grossrat Oskar Herzig, ebenfalls Unterzeichner des Vorstosses, ist froh, dass man in diesem Fall mit den Sozialdemokraten zusammenarbeitet: «Anscheinend hat man bei der SP einen Lernprozess durchgemacht. Man muss nun endlich die Situation der Kinder in den Schulen verbessern.» In eine ähnliche Richtung zielt Lorenz Nägelin, Fraktionschef der SVP im Grossrat Basel-Stadt: «Es ist wirklich schön, dass auch die Linke das Problem endlich erkannt hat.» Laut Nägelin hat man es bisher verpasst, etwas zu unternehmen und die Problematik jahrelang vertuscht.

Trotzdem unterstützt er den Vorstoss nicht. Denn dieser sieht vor, dass Kinder aus verschiedenen Quartieren in gleiche Klassen eingeteilt werden. Dies stösst dem SVP-Mann sauer auf: «Die Kinder sollen in dem Quartier zur Schule gehen, in dem sie leben. Kurze Schulwege und der Freundeskreis im Quartier sind enorm wichtig.»

Projekt in den USA gescheitert

In den USA hat man sich bereits an einem ähnlichen Projekt versucht: So wurden Schüler aus komplett anderen Stadtteilen in die gleiche Klasse eingeteilt, um eine Durchmischung von schwarzen und weissen Kindern zu schaffen. Das Projekt scheiterte – viele weisse Familien zogen einfach um. Für Bildungsexperte Jürgen Oelkers ist deshalb auch die Arbeit der Schule und der Lehrer der Schlüssel zum Erfolg. «Mit der Durchmischung allein ist noch nichts geschafft. In Deutschland gibt es auch Klassen mit 70 Prozent Türken, die gut funktionieren», so Oelkers.

Bei der SP der Stadt Bern ist man indes skeptisch, dass eine Flexibilisierung der zugeteilten Schulstandorte die optimale Lösung für das Problem darstellt. Laut Co-Präsident Stefan Jordi kann eine sinnvolle Durchmischung besser durch andere Massnahmen erreicht werden. Langfristig soll eine schlaue Städteplanung die Ballung von fremdsprachigen Familien in einzelnen Quartieren verhindern. Auch die SP Zürich geht das Problem anders an. «Wir legen den Fokus bei der Sprachförderung auf eine breite Integration im vorschulischen Bereich», sagt Präsident Daniel Frei.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Aber dann bitte auch die Lehrer im Unterricht und beim Elternabend! Ich habe mich immer geärgert, wenn an Elternabenden die erste Frage war: verstehen alle Dialekt? Und "Hochdeutsch" ist eh eine falsche Bezeichnung... Das sollte Schriftsprache heissen und die wird in der CH eben nur geschrieben. Man sollte in der Schule mehr Gewicht auf den korrekten schriftlichen Ausdruck legen. "Schriftsprache" hören sie genug am TV: Mich stört auch, dass z.B. bei Sportübertragungen usw. im schweizer TV nur die Co-Kommentatoren Dialekt sprechen dürfen. Ich hoffe, Schwiizerdüütsch ist kein Auslaufmodell! – Dan_Mami

Meines Erachtens ist das alles die Ernte unserer seit Jahren gesäter Fehlpolitik. Es beginnt schon damit, dass man versucht die Leute zu "integrieren" und nicht zu assimilieren. Das wäre mit ein wenig mehr Patriotismus und dem öffentlichen zur Schau stellen der Vorteile eines Schweizers sicher gut möglich. Die USA haben auch durchmischte Völker in ihrem Land und trotzdem ist jeder stolzer Amerikaner. Warum sollte das bei uns nicht funktionieren ? – L.B.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • yviamora am 03.05.2013 09:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kuderweldsch

    Mammi i ga schnell dtreppen ufe go der pferd ga hole damit es karotte cha esse.... was soll ich davon halten???

  • Steven E am 01.05.2013 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    Werdet doch mal selbsbewusst!

    Darf ich als Deutscher mal eine Frage stellen? Warum habt ihr Schweizer eigentlich immer so Minderwertigkeitskomplexe? Nur weil an Schulen Hochdeutsch unterrichtet wird, habt ihr Angst euer Dialekt ginge verloren....werdet doch mal ein wenig offener und selbstbewusster! In letzter Zeit dreht ihr voll am Rad....

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  • Holländerin am 03.05.2013 08:32 Report Diesen Beitrag melden

    Wunderbare Sprache

    Ich als Holländerin höre lieber Schweizerdeutsch als Hochdeutsch. Als ich vor 16 Jahren das erste Mal in der Schweiz gearbeitet habe, habe ich sofort versucht Schweizerdeutsch zu lernen. Schweizerdeutsch hat ein gewisser Charme, wenn jemand Schweizerdeutsch spricht tönt es wie ein Lied. Also von lernt Hochdeutsch in die Schule aber spricht doch bitte mit einander Schweizerdeutsch.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Paddy am 05.05.2013 07:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deutsch lernen...

    Deutsch lernen, Dialekt behalten! War das nicht früher schon so? Und hat super funktioniert! Aber der Schweizer passt sich lieber an als stolz zu sein. Schade!

  • Marco Weber am 03.05.2013 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Mann oh Mann!!

    Haben den diese Linken keine anderen Probleme. Lasst doch die Kinder miteinander kommunizieren, so wie wir es auch getan haben. Wir haben nichts verloren. Wir können Hochdeutsch und Schweizerdeutsch. Mann oh Mann!!

  • Sonusfaber am 03.05.2013 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Willst du mit mir - Tessiner - reden?

    Willst du dich, lieber Deutschschweizer, mit mir - einem Tessiner - unterhalten? Obwohl ich zu Hause Tessiner Dialekt rede, komme ich dir gerne entgegen und bemühe mich, mit dir Hochdeutsch zu reden: Bist du auch bereit, mir entgegenzukommen, also ebenfalls Hochdeutsch zu reden (war dir übrigens leichter fallen dürfte als mir)? Meiner Erfahrung nach bist du es nicht, du erwartest, dass ich als Tessiner dein CH-Deutsch nicht nur verstehe, sondern auch spreche - sonst bist du beleidigt! Am liebsten würdest du alle Sprachen der Welt abschaffen - bis auf deinen Dialekt!

    • Urs Meyer am 03.05.2013 14:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Totaler Blödsinn!!!

      Totaler Blödsinn!!! Ich war die letzten 4 Jahre im Tessin in den Ferien und habe mich mit meinen 2 Schuljahren Italienisch (welche über 20 Jahre zurückliegen) versucht mich zu unterhalten. Die 'Missverständnisse' habe ich in Hochdeutsch und Englisch geklährt. 'Echte' Schweizer mit langjährigen Schweizer Wurzeln passen sich dem Gegenüber mehrheitlich an und sei es 'nur' mit dem Hochdeutsch.

    • Fritz am 04.05.2013 17:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Mit

      Dir, lieber Tessiner probiere ich sogar italienisch zu sprechen,obwohl ich es kaum kann. genau wie ich mit Welschen Französisch spreche!(das kann ich). Was ist dein Problem mit den Deutschschweizer? Ich habe deine hasserfüllten Kommentare gegen Deutschschweizer schon bei anderen Themen mitverfolgt! Was hast du gegen die Deutschschweizer???

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  • laguigne am 03.05.2013 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Kommunikation

    Die hauptsache ist die Kommunikation und sich richtig zu verstehen.

  • Sonusfaber am 03.05.2013 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Ich rede, um verstanden zu werden!

    Als Tessiner habe ich im Elternhaus stets Dialekt gesprochen, sonst entweder Italienisch oder Dialekt, je nachdem, was mein Tessiner Gegenüber lieber spricht bzw. besser versteht - im Unterricht spricht man nur Italienisch. Ich bin sehr froh, dass dem so gewesen ist. Da ich rede, UM VERSTANDEN ZU WERDEN, möchte ich vor allem eine Sprache lernen, die möglichst viele Menschen verstehen - also eine Standardsprache. Warum Deutschschweizer so ungern Hochdeutsch sprechen, werde ich nie verstehen. Ich rede jede Sprache, die ich kann, genauso so gern.