Händedruck-Affäre

06. April 2016 08:26; Akt: 06.04.2016 09:40 Print

Schüler teilten IS-Videos auf Facebook

von R. Landolt - Die Söhne von Ibrahim S. verweigern ihrer Lehrerin den Händedruck. Er selbst ist Imam in der saudi-arabischen Faysal-Moschee in Basel. Politiker üben Kritik.

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Zwei muslimische Brüder (14- und 15-jährig) geben ihren Lehrerinnen an einer Schule in Therwil BL die Hand nicht. Recherchen von 20 Minuten zeigen jetzt: Vater Ibrahim S. verbreitet sein Weltbild ungestört in der Basler König-Faysal-Moschee. Seit Jahren leitet der Imam das wichtige Freitagsgebet. Zuvor predigte er in den Vereinigten Arabischen Emiraten, nachdem er an der Al-Imam-Al-Ouzai-Universität in Beirut sein Diplom erworben hatte.

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Sollte die Finanzierung von Moscheen und Ausbildung von Imamen im Ausland verboten werden?
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Die Moschee war bereits mehrfach in den Negativschlagzeilen: 2013 berichtete die «Basler Zeitung», dass es zu Predigten gegen Ungläubige gekommen sei. Unter anderem sollen Koranverse und Bücher zitiert worden sein, die Kirchenglocken als Ding des Teufels verurteilen. An einer Wand in der Moschee habe eine Fatwa (Rechtsauskunft) «Verbrechen jedweder Art» an Menschen eines ungläubigen Staates legitimiert.

Video auf Facebook-Wall zeigt IS-Flagge

N.S., einer der beiden Buben, postete auf Facebook eine Propaganda-Botschaft der Terrormiliz Islamischer Staat: «Das ist ganz klar eine IS-Flagge», sagt Saïda Keller-Messahli, Gründerin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, gegenüber dem «Blick». Im Video hantiert eine vermummte Gestalt mit einer Kalaschnikow. N. S. kommentiert: «Jeder Muslim soll liken.» Ein anderes Video zeigt den Salafisten-Prediger Pierre Vogel.

Für die Politologin Elham Manea, Co-Präsidentin der Inclusive Mosque Initiative, war bereits die Händedruck-Verweigerung «ein Zeichen, dass eine fundamentalistische Interpretation des Islams im Spiel ist». Dass Ibrahim S. in Basel predigt, hält Manea für gefährlich: In der König-Faysal-Moschee werde ein salafistischer Islam gelehrt, der häufig am Anfang einer Radikalisierung stehe und die Integration verunmögliche. Die Leute müssten endlich merken, «dass salafistische Prediger alles andere als harmlos sind».

«Der salafistische Islam ist oft der Anfang einer Radikalisierung»

Es sei auch ein Problem, dass in der Faysal-Moschee auf Arabisch gepredigt wird. «Es entfernt die Leute noch mehr von der hiesigen Kultur, und Nicht-Arabisch-Sprechende haben keine Möglichkeit zu verstehen, was wirklich gepredigt wird.» Überhaupt brauche es eine Imam-Ausbildung in der Schweiz. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass die salafistischen Prediger Lehren verbreiten, die mit einem freiheitlichen Staat nicht vereinbar seien.

Manea fordert zudem, dass die Finanzierung der Moscheen und die Ausbildung von Imamen durch das Ausland verboten werden. Die Basler Moschee werde von der saudischen «Muslim World League (Islamische Weltliga)» unterstützt. Deren Ziel sei die Verbreitung eines salafistischen Islams. In dessen Lehren sei etwa enthalten, dass es in der Ehe kein Mindestalter gebe. Nach eigenen Angaben erhält die Stiftung inzwischen aber kein Geld mehr aus dem Wüstenstaat.

«Wo Radikalisierung auftritt, ist eine Grenze überschritten»

Der designierte CVP-Präsident Gerhard Pfister teilt die Auffassung, dass die Händedruck-Verweigerung «ein ernstzunehmendes Anzeichen einer Radikalisierung ist». Wo es solche Tendenzen gebe, sei eine Grenze erreicht. Die heutige gesetzliche Grundlage erlaube es einzugreifen, wenn die öffentliche Ordnung und Sicherheit gefährdet seien. «Offensichtlich müssen auch gewisse Moscheen und islamische Lehrer besser überwacht werden.» Die Schweiz komme nicht um eine Diskussion über das Verhältnis zwischen Rechtsstaat, Kultur und Religion herum.

Nabil Arab, der Verwalter der König-Faysal-Stiftung, wehrt sich: «Ibrahim S. ist ein offener Mann. Er weiss, dass er in Europa ist.» Er predige Toleranz und Anstand. So habe er während der beiden letzten Freitagsgebete davon gesprochen, dass man die Wahrheit sagen solle. Auch arbeite er überaus hart, um seine sechs Kinder zu versorgen. Dass in seiner Moschee schon gegen die «Kuffar» (Ungläubige) gehetzt worden sei, bestreitet Arab. Eine Person habe ein Baugesuch der Stiftung torpedieren wollen und deshalb Unwahrheiten verbreitet. Ibrahim S. selbst war für 20 Minuten nicht zu sprechen.

*Name der Redaktion bekannt