Skullbreaker-Challenge

21. Februar 2020 04:46; Akt: 21.02.2020 04:46 Print

Schülerin (16) muss nach Tiktok-Challenge ins Spital

von Julia Ullrich - Im Internet kursiert die Skullbreaker-Challenge. Eine Schweizerin (16) landete deswegen auf der Notfallstation. Ärzte warnen vor der «lebensgefährlichen Challenge».

Georg Salloum, Notarzt und Wirbelsäulen-Chirurg im Helios Klinikum Leipzig, erklärt die Scullbreak-Challenge und ihre möglichen Folgen. (Video: Helios Park-Klinikum Leipzig/Tiktok: @helioshospital)
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Medien betiteln die neue Skullbreaker-Challenge – auf Deutsch «Schädelbrecher-Challenge» (siehe Box) – als «der dümmste Weg zum Sterben». Weltweit soll es durch das Wegziehen der Beine während des Aufspringens schon zahlreiche Verletzte gegeben haben. Erst kürzlich warnte eine Mutter aus den USA vor den schwerwiegenden Folgen – ihr Sohn nahm an der Challenge teil, schlug auf dem Asphalt auf und landete im Spital.

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Die Challenge hat nun auch die Schweiz erreicht: Wie eine 16-Jährige aus dem Kanton Aargau zu 20 Minuten sagt, wurde sie am vergangenen Mittwoch «Opfer» des Spiels: «Ich war mit zwei Schulkameradinnen in der Stadt, als sie mich aufforderten, zu springen. Ich dachte mir nichts dabei und machte es einfach», sagt die 16-Jährige.

Hier sieht man die Challenge. (Video: Youtube/20 Minuten)

«Ich bin froh, dass ich keine bleibenden Schäden habe»

Nach dem Aufprall sei ihr schwarz vor Augen geworden. «Ich habe gemerkt, dass ich auf dem Boden lag. Nach einiger Zeit konnte ich dann auch wieder aufstehen, doch ich hatte starke Kopfschmerzen, mir war übel und schwindelig», sagt die Jugendliche. Bis Freitag ging es ihr nicht besser, weshalb ihre Mutter sie ins Spital brachte. «Dort wurde mir gesagt, dass ich eine Gehirnerschütterung habe und Bettruhe halten muss», erzählt die Aargauerin. 20 Minuten liegen die Unterlagen des Spitals vor.

Dass es sich bei dem Scherz um die Skullbreaker-Challenge handelt, wusste die 16-Jährige nicht. «Hätte ich das vorher gewusst, wäre ich nie hochgesprungen.» Die beiden Mädchen hätten sich zwar bei ihr für die Aktion entschuldigt, verzeihen könne sie ihnen aber nicht. «Ich bin einfach froh, dass ich keine bleibenden Schäden habe», sagt sie. Gefilmt wurde die Challenge laut der Jugendlichen nicht.

Schulleiter will Augen offen halten

Den Vorfall nahm Tiktokerin Alessia Steffen (19) zum Anlass, vor der Challenge zu warnen. In einem Video erklärt sie, dass die Challenge bereits auf den Schweizer Pausenhöfen angelangt sei. Auch bei 20 Minuten meldeten sich mehrere Schüler aus den Kantonen Zürich und Bern, die die Challenge schon auf dem Schulhof gesehen haben wollen. Auch Mitschüler der kleinen Schwester der 19-Jährigen hätten an der Skullbreaker-Challenge teilnehmen wollen.

«Deshalb habe ich den Schulleiter aufgesucht», sagt Alessia. Dieser bestätigt auf Anfrage das Gespräch. «Wir halten die Augen offen, und sollten wir so etwas beispielsweise auf dem Pausenhof feststellen, würden unsere Lehrkräfte sofort dazwischengehen.» Er betont aber, dass es an der Schule bisher noch nicht zu einem solchen Zwischenfall gekommen sei.

Arzthelferinnen des Helios Klinikums in Berlin-Buch warnen vor der Challenge.

Tiktok löscht die Videos

Das Inselspital Bern schätzt die Challenge als sehr riskant ein: «Bei Stürzen können die schlimmsten Verletzungen auftreten», sagt Sprecher Adrian Grob. Die Art der Verletzungen seien vielfältig und in der Schwere nicht vorhersehbar, «sodass in jedem Fall von dieser Challenge abzuraten ist». Insbesondere riskiere man schwerste Schädel-Hirn-Verletzungen, heisst es seitens des Kantonsspitals St. Gallen. Was sonst noch passieren kann, sehen Sie oben im Video.

Auf Tiktok sind nur noch wenige Skullbreaker-Challenge-Videos zu finden. Ein Sprecher von Tiktok sagte gegenüber Gulf News: «Die Sicherheit und das Wohlbefinden unserer Benutzer haben bei Tiktok oberste Priorität. Wie wir in unseren Community-Richtlinien klarstellen, erlauben wir keine Inhalte, die gefährliche Herausforderungen verherrlichen oder fördern und die zu Verletzungen führen können. Wir werden alle gemeldeten Inhalte entfernen.»

«In der richtigen Stimmung kann die Sicherheit vergessen gehen»

Laut Social-Media-Experte Philippe Wampfler geht es Usern auf Social Media immer darum, mit Inhalten wahrgenommen zu werden. «Wenn man in der richtigen Stimmung ist und genügend Adrenalin hat, kann die eigene Sicherheit vergessen gehen.» Kinder und Jugendliche, die sich der Challenge anschliessen würden, seien aber nicht dumm.

«Es ist normal, dass junge Menschen Dinge tun, auf die sie als Erwachsene nie kämen.» Oft gehe es ums Dabeisein. Er habe zudem den Eindruck, dass Erwachsene dazu tendierten, vor Challenges übertrieben zu warnen. «Die Mehrheit kann gut abschätzen, wie hoch das Risiko tatsächlich ist.»