Weniger Stress

08. März 2020 21:37; Akt: 08.03.2020 21:37 Print

«Das Coronavirus sorgt für Entschleunigung»

von B. Zanni - Die Corona-Krise hat nicht nur negative Effekte. Radikale Einschränkungen im öffentlichen Leben können auch eine Chance sein.

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Auf den Ausbruch des Coronavirus in der Schweiz reagieren manche Menschen panisch. Sie rollen Einkaufswagen voller Notvorräte durch die Läden, decken sich literweise mit Desinfektionsmittel ein und hamstern Atemschutzmasken. Die Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus oder einer Schliessung der Grossverteiler macht ihren Alltag zum Stress pur. Viele Menschen sehen im grassierenden Virus aber auch eine Chance zur Entschleunigung.

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Jemand schreibt auf Twitter, dass die Liste seiner «Begeisterungsargumente für das Coronavirus immer länger» werde: «Von Flugstornierungen über Ausfall von Helene-Fischer-Veranstaltungen, bis hin zum Yoga. Fantastisch. Mensch möchte fast dankbar sein.» Ein weiterer User findet: «Diese Absagen aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus sind vermutlich nicht für jeden ein Problem. Ich glaube, diese Situation kann unter Umständen zur temporären Entschleunigung unserer Gesellschaft führen.»

«Gehen jetzt öfter in den Wald»

Auch 20-Minuten-Leser sehen in den Folgen des Coronavirus Vorteile. «Netflix and Chill ist mein Motto fürs Wochenende», schreibt Kim (21). Auch Katja (30) nutzt die Situation, um zu entschleunigen. «Wir gehen öfter in den Wald und geniessen die Natur. Wir finden es nicht schlecht, dass alle mal einen Gang zurückschalten. Tut uns allen gut!», schreibt sie. Sandra (39) kommt mit einem wegen des Coronavirus abgesagten Festivals gut klar. «Jetzt machen wir uns halt wieder mal ein richtig romantisches Wochenende zu zweit.»

Fachpersonen beurteilen den Effekt des Coronavirus nicht nur als negativ für die Gesellschaft. «Das Coronavirus und seine Ausbreitung beherrscht unseren Alltag im Moment, was neben der gefährlichen Seite auch heilsame Folgen hat», sagt Sebastian Haas, Psychiater und stellvertretender Ärztlicher Direktor der Privatklinik Hohenegg in Meilen ZH. Seiner Meinung nach sollte die Gesellschaft aus den Folgen der Coronavirus-Epidemie Lehren ziehen.

«Krise lehrt: Es geht auch mit weniger»

Viele Berufstätige stehen laut Haas unter einem ständigen Druck und rasseln deswegen am Ende in ein Burnout. «Gerade passieren aber Dinge in der Wirtschaftswelt, die man sich vor einigen Wochen überhaupt nicht hätte vorstellen können.» Firmen-Events, Kongresse, Sitzungen und Geschäftsreisen würden abgesagt oder nur online durchgeführt und Arbeiten im Homeoffice erledigt. «Die letzten Jahre ging man von einer Wachstumslogik aus, dass alles immer schneller, grösser und dynamischer werden muss. Durch die Corona-Krise aber merkt man, dass es auch mit weniger funktionieren kann.» Das Coronavirus als externer, unkontrollierbarer Faktor zwinge nun Arbeitgeber zum Umdenken.

Auch Nathalie Buschor, Geschäftsführerin von Buschor Coaching & Consulting, betrachtet das grassierende Virus als Chance gegen den Stress. «Viele Leute stellen sich in Familie, Beziehung, Job und Freizeit extrem hohe Ansprüche», sagt sie. Wegen des Virus falle gerade auch in der Freizeit ein grosser Teil des Stresses weg.

Verlorene Zeit falle weg

«Man muss nicht mehr die perfekten Ferien organisieren, man muss nicht mehr auf allen Events super gestylt aufkreuzen», sagt Buschor. Das öffentliche Leben auf Sparflamme gebe den Menschen die Möglichkeit zum Durchatmen. «Die Leute sind auch mal froh, dass sie einfach zuhause sein können.» Durch die Massnahmen in der Firma könnten sie sich zudem wieder auf die Arbeit selber konzentrieren, was das Arbeitsleben wieder sinnhafter machen könne. «Die Zeit, die man mit Pendeln, unnötigen Konferenzen, dem Schmieden von Allianzen und sonstigen Leerläufen verliert, fällt weg.»

Die Fachpersonen machen aber auch auf allfällige negative Konsequenzen der virusbedingten Entschleunigung aufmerksam. «Es ist möglich, dass der Druck in gewissen Firmen zusätzlich steigt, wenn die Corona-Epidemie überwunden sein wird», sagt Sebastian Haas. Firmenverantwortliche könnten nach einer Phase der reduzierten Produktivität in den heruntergefahrenen Betrieben auf die Idee kommen, ihren Mitarbeitern danach etwa mittels Wochenendarbeit noch mehr aufzubürden, um ihre Leistungsziele doch noch zu erreichen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • dreamdriver am 08.03.2020 22:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Made in CH

    Und wir lernen wieder hoffentlich, uns selber besser zu versorgen, Schutzgegenstände selber zu produzieren etc. Gilt auch für Medikamente- nicht alles Made in China. Made in CH!

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  • S.m am 08.03.2020 21:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    .........

    Mein Stress fängt an,wenn ich keinen Lohn mehr bekomme.

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  • rosalie am 08.03.2020 21:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    demuth

    wie wäre es mit etwas Demuth und zwar in jeder Hinsicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • in Dankbarkeit für unsere am 10.03.2020 23:20 Report Diesen Beitrag melden

    Natur und alles was sie bietet,würdigen!

    Trotz einem unfallbedingten handicap gehe ich an den Waldrand und spaziere dort um gute Luft zu tanken; wir lehne uns an die Bäume, das sind wahre Kraftquellen. Einkaufen gehen wir wie immer und stocken Frisches und evtl. von Lidl auf. Dank dem Prinzip Eichhörnchen-Vorrat werden wir über Wochen keine Not haben. Selbst kochen und backen ist bei uns im Alltag integriert. Wir geniessen unsere Mahlzeiten in Dankbarkeit, dass die Natur für uns so viel bereithält.

  • Beat am 10.03.2020 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Weltuntergang?

    Ich vermute, dass die Coronakrise absichtlich hervorgerufen wurde. Wirklich gefährlich ist sie nicht. Man macht allerdings aus diesem Coronavirus eine Apokalypte. Will die Weltpolitik uns auf etwas in der Zukunft einstellen? Möchte die Weltpolitik selber hierbei etwas herausfinden? Man kann sagen was man will, aber dass man sich so vom Coronavirus abriegelt - und das ist harmloser als die bekannte Grippe - da muss etwas anderes dahinterstecken!

    • Joel am 10.03.2020 16:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Beat

      Lies Dich doch bitte genauer in das ganze Thema ein bevor du so etwas schreibst. Das Virus ist per se vielleicht nicht tödlicher als eine Grippe, es gibt jedoch viele andere Gründe, weshalb der Virus im Vergleich zu einer normalen Grippe viel verherrender werden kann.

    • andy fehlmann am 10.03.2020 16:21 Report Diesen Beitrag melden

      Man muss nicht

      Man muss nich alles glauben das geschrieben wurde.

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  • Herr Monte Signore neuer Bundesrat am 10.03.2020 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    an die 7 Schläfer in Bern

    die Session soll nicht abgebrochen werden wegen dem Lumpigen Geld doch nur.

    • Sie sind das Gelbe vom Ei?Ich bezweifle am 10.03.2020 23:08 Report Diesen Beitrag melden

      Ihr Respekt lässt zu wünschen übrig!

      No no, non e vero! Das sind Vorbilder um der Angst oder Panik welche im Volk grassiert, nicht noch weitere Nahrung zu geben. Wie diese es machen, es ist immer nicht recht.

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  • Madame am 10.03.2020 14:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Madame

    Ja und dann wollen wir hoffen dass man daraus lernt und die Firmen hören auf die ganzen Produktionen ins Ausland zu verlagern. Das wird sich auch positiv auf den Arbeitsmarkt auswirken. Es lebe die China. Nochmals Bravo an das chinesische Volk

    • Utta Ernst am 10.03.2020 15:21 Report Diesen Beitrag melden

      genau

      sind Sie es ?? Herrin???

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  • nico am 10.03.2020 13:25 Report Diesen Beitrag melden

    heheh netflix

    Seh ich genau so. Leider muss ich ehrlich sagen dass ich erst jetzt mal ohne schlechtes gewissen mich zu Hause mit mir selber beschäftigen kann und so zur ruhe komme. In der Natur spazieren, neue sachen lernen mit hilfe des internets oder mal ausmisten und danach einfach chillen. uuund apropos chillen, hat jmd bock auf ein netflix and chill abend? ;) bin 20.