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28. Mai 2019 04:45; Akt: 28.05.2019 07:32 Print

Schule nimmt Teenager tagelang das Handy weg

Schulen im Kanton Freiburg dürfen bei Verstössen gegen das Handyverbot die Geräte bis zu zwei Wochen einziehen. Diese Massnahme sorgt für Kritik.

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Gemäss der SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» können Schulen im Kanton Freiburg ihren Schülern das Smartphone bis zu zwei Wochen lang entziehen, wenn diese das entsprechende Verbot während der Unterrichtszeit missachten. Wie «Espresso» berichtet, nahm die Schule dem 15-Jährigen im Februar das Gerät für drei Tage weg. Brisant daran: Der Schüler erwartete dringende Anrufe zweier Betriebe wegen einer Schnupperlehre. Nur weil die Eltern intervenierten, durfte der Jugendliche ab und zu einen Blick auf sein Telefon werfen, um von zu Hause aus auf die verpassten Anrufe reagieren zu können. Laut Bernhard Waldmann, Rechtsprofessor an der Universität Freiburg, ist das mehrtägige Einziehen eines Smartphones als erzieherische Massnahme unverhältnismässig, zumal es über die Unterrichtszeit hinaus geht. Die Grundrechte der Schüler auf Kommunikation und Eigentum würden dadurch verletzt, so Waldmann gegenüber «Espresso». Andreas Maag, der Vorsteher des verantwortlichen kantonalen Amts, verteidigt die Regelung gegenüber SRF. Es handle sich um eine sehr effiziente Massnahme. Ihm sei jedoch bewusst, dass sie rechtlich heikle Bereiche betreffe. Beat W. Zemp, Präsident des Schweizerischen Lehrerverbands, sagt zu 20 Minuten: «Im Rahmen des Anstaltsrechts darf jede Schule Regeln bezüglich der Kleidung, des Verhaltens und deshalb auch bezüglich der Handynutzung erlassen. Diese müssen jedoch verhältnismässig sein und zwingend den Eltern kommuniziert werden.» «Grundsätzlich kann eine mehrtägige Konfiszierung eines Smartphones als erzieherische Massnahme abhängig von der Schwere des Vergehens durchaus Sinn machen. Dabei ist aber zu beachten, dass eine solche Konfiszierung ein grosser Eingriff in die Privatsphäre eines Schülers darstellt», so Zemp.

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Gemäss der SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» können Schulen im Kanton Freiburg ihren Schülern das Smartphone bis zu zwei Wochen lang entziehen, wenn diese das entsprechende Verbot während der Unterrichtszeit missachten. Ein Schüler hat das in Murten am eigenen Leib erfahren.

Wie «Espresso» berichtet, nahm die Schule dem 15-Jährigen im Februar das Gerät für drei Tage weg. Brisant daran: Der Schüler erwartete dringende Anrufe zweier Betriebe wegen einer Schnupperlehre. Nur weil die Eltern intervenierten, durfte der Jugendliche ab und zu einen Blick auf sein Telefon werfen, um von zu Hause aus auf die verpassten Anrufe reagieren zu können.

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Für Roger Weihermann, der Vater des bestraften Schülers, ist das Handy-Verbot während der Schulzeit gerechtfertigt. Warum sein Sohn das Telefon nach Schulschluss nicht zurückbekomme habe, verstehe er aber nicht, so Weihermann.

«Unverhältnismässige Erziehungsmassnahme»

Laut Bernhard Waldmann, Rechtsprofessor an der Universität Freiburg, ist das mehrtägige Einziehen eines Smartphones als erzieherische Massnahme unverhältnismässig, zumal es über die Unterrichtszeit hinaus geht. Die Grundrechte der Schüler auf Kommunikation und Eigentum würden dadurch verletzt, so Waldmann gegenüber «Espresso».

Weiter bemängelt er, dass die Konfiszierung im Kanton Freiburg nicht in einem schriftlichen Verfahren durchgeführt werde, wie das sonst bei disziplinarischen Massnahmen üblich sei. Dies bedeute, dass Schüler und deren Eltern die Konfiszierung des Smartphones nicht anfechten könnten, so Waldmann.

Effiziente Handy-Konfiszierung

Andreas Maag, der Vorsteher des kantonalen Amts für deutschsprachigen obligatorischen Unterricht im Kanton Freiburg, verteidigt die Regelung gegenüber SRF. Die Schuldirektoren hätten nach einer solchen verlangt, um eine rechtliche Grundlage für den Smartphone-Entzug zu haben, erklärt Maag. Es handle sich um eine sehr effiziente Massnahme. Ihm sei jedoch bewusst, dass sie rechtlich heikle Bereiche betreffe. Dennoch gebe es bisher keinen Gerichtsentscheid, der die Regelung infrage stelle, so Maag zu «Espresso».

«Verhaltensregeln sind Sache der Schulleitung»

Beat W. Zemp, Präsident des Schweizerischen Lehrerverbands, sagt zu 20 Minuten, dass solche Verhaltensregeln Sache der jeweiligen Schulleitung oder Schulbehörde sind:
«Im Rahmen des Anstaltsrechts darf jede Schule Regeln bezüglich der Kleidung, des Verhaltens und deshalb auch bezüglich der Handynutzung erlassen. Diese müssen jedoch verhältnismässig sein und zwingend den Eltern kommuniziert werden.»

Ob eine solche mehrtägige Konfiszierung des Smartphones verhältnismässig sei oder eben nicht, sei vom Einzelfall abhängig und könne gegebenenfalls von einer Rekursinstanz überprüft werden, so Zemp. «Grundsätzlich kann eine mehrtägige Konfiszierung eines Smartphones als erzieherische Massnahme abhängig von der Schwere des Vergehens durchaus Sinn machen. Dabei ist aber zu beachten, dass eine solche Konfiszierung ein grosser Eingriff in die Privatsphäre eines Schülers darstellt.»

«Wir reden Schulen nicht rein»

Der Lehrerverband gibt gemäss Zemp keine entsprechenden Empfehlungen oder Weisungen heraus. «Regeln für den Umgang mit dem Smartphone müssen auf das jeweilige Schulhaus und die Schulstufe abgestimmt werden. Denn jede Schule macht unterschiedliche Erfahrungen mit Smartphones und deren potenziell problematischer Nutzung. Wünschenswert sei es, wenn die Schule gemeinsam mit dem Elternrat Smartphone-Nutzungsregeln ausarbeite und dann auch durchsetzten, so Zemp.

(mm)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Baumbacher Dani am 28.05.2019 06:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ursachen und Wirkungen

    Wer früh lernt das sein Handeln Konsequenzen hat, hat es einfacher im Leben!

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  • Ein Vater von einem 13-Jährigen am 28.05.2019 06:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zuhause lassen

    Liebe Kinder: lasst doch das Handy zuhause. In der Schule braucht ihr es nicht wirklich und geniesst die 'handylose' Zeit, solange ihr könnt! Ihr seid noch nicht so wichtig, dass man euch ständig erreichen muss, und euren Freunden, die euch schreiben, könnt ihr auch nach den Hausaufgaben zurückschreiben. Da stirbt kein Teenager, wenn er/sie auf eine Antwort warten muss.

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  • M.W am 28.05.2019 06:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer sind die anderen schuld

    Immer sind die anderen die Schuldigen, wenn die Eltern bei der Erziehung versagt haben. Die Eltern sollten hier ggf. den Grund des Lehrers hinterfragen und Ihrem Sohn selbst das Hand entziehen. Zur Zeitung rennen ist halt einfacher als ein Kind zu erziehen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Yolanda Hecht am 28.05.2019 20:45 Report Diesen Beitrag melden

    Eigentumsrecht

    Was die Schule macht ist ungesetzlich. Sie muss das Handy am Ende des Unterrichts zurückgeben. Sie gibt kein gutes Beispiel ab, um Schülern ihre Regeln beizubringen.

  • Leser am 28.05.2019 20:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rechtlich absolut klar!

    Die Schule hat das Recht, ihre schuleigene Hausordnung durchzusetzen. Will heissen, dass wenn explizit für gewisse Gegebenheiten ein Handyverbot besteht und wenn explizit davor gewarnt wird, dass bei Übertretungen dieser Schulhausordnung mit bis zu mehrtägigem Handyentzug gerechnet werden muss, darf die Schule selbstverständlich das Handy für Tage einziehen!

  • somebody am 28.05.2019 17:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ganz einfach

    einfach alle handys vor beginn der stunde einziehen und danach zurückgeben..fertig

  • Urszli am 28.05.2019 16:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fieser Titel

    Man sollte den Titel anders setzen: Schüler setzen sich mehrfach übers über Handy-Verbot hinweg.

  • Carly I. am 28.05.2019 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    Geht gar nicht

    Bei Smartphones wie wir sie heute kennen, stellt sich im Allgemeinen die Frage, ob ein Kind bis 15 Jahre überhaupt dazu in der Lage ist, dieses verantwortungsvoll komplett alleine zu nutzen. Nur weil es Trend ist, hat nun aber jedes Kind eines und wird dafür auch noch bestraft, wenn es mit einer Sache nicht umgehen kann, für die es eigentlich so oder so zu jung wäre. Ich finde es fatal, dass diese über Nächte eingezogen werden dürfen, viele haben kein Haustelefon mehr, man stelle sich vor, wenn ein Kind früher zu Hause ist und seine Eltern anrufen möchte oder umgekehrt...