Cybermobbing an Primarschule

14. Mai 2019 06:48; Akt: 14.05.2019 06:51 Print

Schule verbietet Handys wegen «Mobbing-Chats»

Jugendliche in Obfelden mobbten in Chats gezielt Mitschüler und verschickten dort auch pornografische Bilder. Die Polizei ermittelt.

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An der Primarschule Obfelden ZH haben mehrere 9- bis 13-Jährige zahlreiche Mitschüler in Whatsapp-Chats gezielt gemobbt. Schulpräsident Werni Kurt bestätigt die Vorfälle: «Das Mobbing geschah zum Teil klassenübergreifend – und auch in Kombination mit dem Verschicken von pornografischen Inhalten.» Die Schule informierte die Eltern in einem Brief über die Vorkommnisse. Sie hat inzwischen die Polizei eingeschaltet. Wie weit die Verfehlungen der Schüler gingen und ob sie strafrechtlich relevant sind, wird derzeit von der Zürcher Kantonspolizei untersucht. Nach Bekanntwerden des systematischen Cybermobbings hat die Primarschule Obfelden ein komplettes Handyverbot erlassen. Die Schüler dürfen sogar das Handy nicht mehr in die Schule mitbringen – das wird vorerst nur noch in begründeten Ausnahmefällen erlaubt. Ein Verwandter eines Obfeldner Schülers kritisiert das Vorgehen der Schule: Das Handyverbot sei rechtlich nicht haltbar. «Aufgrund der vorliegenden Situation ist ein solches Verbot – als vorsorgliche Massnahme – nachvollziehbar und zulässig», entgegnet Peter Hofmann, Geschäftsführer der Fachstelle Schulrecht. Schulpräsident Werni Kurt verteidigt das strikte Verbot. Es sei gerechtfertigt, da auch während der Schulzeit diffamierende Inhalte in den Chats versendet worden seien. Und: «Wir sollen mit dem strikten Vorgehen auch die Eltern aufschrecken. Viele wissen überhaupt nicht, was auf den Handys ihrer Kinder abgeht.» Die Schule veranstaltet Anfang Juni zusammen mit der Kantonspolizei Zürich einen Elternabend zum Thema Cybermobbing. «Nur gemeinsam mit den Eltern werden wir in diesem Bereich etwas bewegen können», sagt Schulpräsident Kurt.

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Seit Montag gilt an der Primarschule Obfelden ZH ein striktes Handyverbot. Dies, weil einige 9- bis 13-Jährige mehrere Mitschüler in Whatsapp-Chats systematisch gemobbt haben. Das bestätigt Schulpräsident Werni Kurt: «Die Gruppen-Chats liefen teils sogar unter dem Namen ‹Mobbing-Chat›. Das Mobbing geschah zum Teil klassenübergreifend – und auch in Kombination mit dem Verschicken von pornografischen Inhalten.»

Konkrete Beispiele wolle er nicht nennen, so Kurt, aber: «Die derbe und verunglimpfende Sprache in den Chats ist besonders erschreckend.» Die Schule hat aufgrund der Vorfälle die Polizei eingeschaltet. Wie weit die Verfehlungen der Schüler gingen und ob sie strafrechtlich relevant sind, ist noch offen.

Erste Gespräche mit den Schulverantwortlichen hätten stattgefunden, bestätigt Marc Besson, Mediensprecher der Zürcher Kantonspolizei. Noch sei kein Strafverfahren eröffnet worden. «Offiziell wurde wegen der Vorkommnisse keine Anzeige erstattet. Zu den Vorfällen laufen nun erste Abklärungen», so Besson. Würden Widerhandlungen festgestellt, werde die Jugendanwaltschaft involviert.

Ist absolutes Handyverbot legal?

Ein Vater hatte einen Mobbing-Chat auf dem Handy seines Kindes entdeckt und das der Schulpflege gemeldet. Diese erliess daraufhin ein komplettes Handyverbot für alle Schüler der Primar Obfelden. In einem Brief, der 20 Minuten vorliegt, informierte die Schule letzten Freitag die Eltern über die Vorfälle und die Massnahme. Dort heisst es: «Die Schüler dürfen das Handy nicht mehr zur Schule bringen. Bei Missachtung wird es eingezogen.» Nur in begründeten Ausnahmefällen bleibe das Mitbringen von Handys erlaubt.

Ein Verwandter eines Obfeldner Schülers kritisiert das Vorgehen der Schule: «Darf sie den Schülern überhaupt verbieten, das Handy mitzunehmen? Und ein Verbot bringt doch nichts, das Chat-Mobbing wird in der Freizeit weitergehen», schreibt er 20 Minuten. «Aufgrund der Situation ist ein solches Verbot als vorsorgliche Massnahme nachvollziehbar und zulässig», sagt Peter Hofmann, Geschäftsführer der Fachstelle Schulrecht. Ein grundsätzliches und dauerhaftes Mitbringverbot von Handys wäre juristisch aber nicht tragbar, so Hofmann.

«Massnahme soll Eltern aufschrecken»

Der Schule sei bewusst, dass das Verbot rechtlich heikel sei. Wegen der speziellen Vorfälle empfinde er es aber als gerechtfertigt, begründet Schulpräsident Kurt. Schliesslich seien auch während der Schulzeit diffamierende Inhalte in den Chats versendet worden. Mit dem Verbot wolle man die Schüler vor Mobbing schützen, aber auch die Eltern aufrütteln.

«Wir wollen die Eltern aufschrecken. Viele wissen überhaupt nicht, was auf den Handys ihrer Kinder abgeht», sagt Kurt. Deshalb veranstaltet die Schule am Mittwoch, 5. Juni, zusammen mit der Kantonspolizei einen Elternabend zum Thema Cybermobbing. «Nur gemeinsam mit den Eltern werden wir in diesem Bereich etwas bewegen können», so Kurt.

(rol)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Karin am 14.05.2019 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    9 jährige Kinder

    sollten gar kein Smartphone besitzen.

    einklappen einklappen
  • Mr. D.B am 14.05.2019 06:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so!

    Eine Handy hat in der Schule nichts verloren.

    einklappen einklappen
  • I.M am 14.05.2019 06:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Handyverbot

    In der Primarschule sollten auch keine Handys sein, vor allem nicht in dem Alter.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • apotschu am 15.05.2019 18:52 Report Diesen Beitrag melden

    Verbot von Schulen

    Wieso verbieten wir nicht Schulen aufgrund des Mobbings und der Gewalt welche dort stattfindet?

  • GoatsForFree am 15.05.2019 18:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist Handy Verbot legal

    Die Frage ob das Handyverbot legal ist, ist hoffentlich nicht ernst gemeint? Eine solche Frage eines Elternteils zeigt ja schon, wo das Problem zu suchen ist.

  • Holz Michel am 15.05.2019 17:14 Report Diesen Beitrag melden

    Mal ernsthaft

    Das Problem wird doch nur verlagert. Wenn die Kids trotzdem ein Handy haben wird später von zu Hause aus weitergemobbt...

  • M. Müller am 15.05.2019 17:05 Report Diesen Beitrag melden

    Regeln

    Private Handys gehören weder in die Schule noch an den Arbeitsplatz

  • Nei Aberau am 15.05.2019 16:53 Report Diesen Beitrag melden

    mit solchen Aussagen, wie

    .."grundsätzliches und dauerhaftes Mitbringverbot von Handys wäre juristisch aber nicht tragbar, so Hofmann".... obwohl alle wissen, was mit diesen Geräten angerichtet wird. Aber geben sie ihrem Kind einmal eine Pistole aus Schokolade mit in die Schule; Sondereinheit und KESB sind das mindeste das dann aufmarschiert 100% ig.