Unfall im Wachtdienst

23. Oktober 2018 19:21; Akt: 24.10.2018 09:58 Print

Soldat wird für Schuss in eigenen Fuss bestraft

von B. Zanni - Ein Soldat schoss sich wegen Unaufmerksamkeit in den Fuss. Dafür muss er büssen.

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Der Wachtdienst am Nachmittag des 16. April 2018 endete für K. P.* im Spital. Ausgerüstet mit einem Sturmgewehr 90 hatte der Soldat der Richtstrahlrekrutenschule in Pfäffikon ZH beim Haupteingang der Zivilschutzanlage Wache geleistet. Kurz nach 15 Uhr passierte es: Aus seiner Waffe löste sich ein Schuss und durchschlug P.s linken Fuss. Ein Leser-Reporter berichtete damals, dass der Betroffene am Handy gespielt habe. Die Militärjustiz eröffnete darauf eine Untersuchung.

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Mittlerweile liegt das Strafmandat des zuständigen militärischen Staatsanwalts vor, in das 20 Minuten Einsicht genommen hat. Die Militärjustiz erklärt P. des Wachtvergehens schuldig. Der 23-Jährige wird mit einer bedingten Geldstrafe von 11 Tagessätzen zu 100 Franken sowie mit einer Busse von 300 Franken bestraft.

Wachtkollegen gefährdet

Der Beschuldigte habe seinen Wachtkollegen gefährdet, der etwa fünf Meter von ihm entfernt gewesen sei, urteilt der zuständige militärische Staatsanwalt. «Zudem kann vom Beschuldigten erwartet werden, dass er seine volle Aufmerksamkeit dem Wachtdienst schenkt, wenn er diesen mit einer Waffe mit scharfer Munition leistet, und sich entsprechend konzentriert, wenn er eine PSK durchführt.» Eine Persönliche Sicherheitskontrolle (PSK, siehe Box) wird laut der Armee durchgeführt, wenn die Waffe aufgenommen oder abgelegt wird.

P. erklärte anlässlich der untersuchungsrichterlichen Einvernahme, dass er im Moment, in dem er die Sicherheitskontrolle durchgeführt habe, nicht daran gedacht habe, dass er scharfe Munition im Magazin habe. Er sei selber schockiert gewesen, als sich ein Schuss löste, gab er weiter an.

Handy in der Hosentasche

Laut dem Strafmandat hatte P. während seines Wachtdienstes sein Mobiltelefon in der Hosentasche. Dies, obwohl der Wachtbefehl elektronische Geräte wie namentlich Mobiltelefone für die aktive Wachmannschaft untersagte. P. machte jedoch geltend, dass ihn niemand über das Verbot informiert habe und seine Kameraden das Mobiltelefon auf der Wache ebenfalls auf sich getragen hätten. Laut der Militärjustiz liess sich in der Untersuchung nicht erhärten, dass diese Ausführungen unzutreffend sind. Seinen Fuss kann P. nach eigenen Angaben heute ohne Einschränkung bewegen.

Für Toni Cipolat, Stabschef der Milizorganisation Gruppe Giardino, steht fest: «Das Handy kann schnell ablenken. Wie beim Scharfschiessen gehört es auch im Wachtdienst weggesperrt.» Wer Handys im Wachtdienst erlaube, habe eine schlechte Auffassung des Dienstes. «Während der Wache muss die Aufmerksamkeit 100 Prozent sein – auch wenn nichts passiert und sich ein Soldat deshalb vielleicht sogar langweilt», schärft Cipolat ein.

*Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • h.p. am 23.10.2018 19:58 Report Diesen Beitrag melden

    Veteran

    Auf der Wache ist die Waffe unterladen. Er musste sie also mit einer Ladebewegung laden und dann entsichern. Er hatte also Offensichtlich am Gewehr rumgespielt und nicht am Handy.

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  • Oblt A95/A21 am 23.10.2018 20:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte Antwort

    Es löste sich ein Schuss! So ein Stumpfsinn immer Dieser mechanische physikalische Vorgang soll mir bitte einmal erklären. ohne die Worte: Ladebewegung, Entsicherung, Abzug. Team VBS, Team Waffenmech und alle anderen sind herzlich eingeladen zu antworten.

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  • Lucky Luke am 23.10.2018 19:28 Report Diesen Beitrag melden

    Strafe

    Und zur Strafe gibt's ein Schuss in den rechten Fuss?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Der Hofnar am 24.10.2018 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blei = ungesund

    Chäpslipistolen wären besser, sonst tut sich noch einer weh. Auch für den Gegner wäre es gesünder. Bleihaltige Luft ist ungesund.

  • Michelle am 24.10.2018 17:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortungslosigkeit

    Ist auch mehr als richtig so, wenn man offensichtlich mit einer ungesicherten Schusswaffe durch die Gegend träumt. Es gibt Fehler die dürfen nicht passieren.

  • Alonzo Biffiger am 24.10.2018 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Fleischkäse

    Bei uns in der RS gab es für einen Kameraden scharfen Arrest, weil er einen Dosenfleischkäse in seiner Kämpferjacke dabei hatte. Der Kadi verlangte wohl etwas zuviel Wachdisziplin.

    • Gühler & Bygay am 24.10.2018 18:47 Report Diesen Beitrag melden

      @Biffiger

      Während dem Arrest musste er dann höchstwahrscheinlich wieder von diesem Dosenfleischkäse essen.

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  • Sc. O. am 24.10.2018 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    Scharfe Munition gehört nur in den Schissstand

    Das zum Eingang einer Zivilschutzanlage überhaupt scharfe Minition verwendet wird ist schon ein NoGo. Scharfe Munition gehört nur in den Schiesstand oder in grossrämig abgesperrtes gebiet wie es in der Schiessverlegung geschaffen wird. In Gebieten mit ziviler Befölkerung soll auschliesslich mit "püpf" (Übungsmunition die Knallt aber keine Projektile verschiesst) gearbeitet werden. Um den Wachbetrieb zu beüben istdas die richtige Wahl. Eine Projektil aus einem Sturmgewehr durchschlägt mühelos Hindernisse wie Autotüren und sogar Backsteinwände. Es war nur Glück, dass niciht mehr passiert ist.

    • Eher nicht am 24.10.2018 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sc. O.

      Verantwortung lernt man am besten, indem man die volle Verantwortung trägt.

    • Roger Mathis am 24.10.2018 19:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sc. O.

      für solche Zwecke hat man in dicht besiedelten Gebieten das RSG 2000 anstelle der Waffe

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  • Bino Dellasi am 24.10.2018 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    Das waren noch Zeiten

    Das waren noch Zeiten, als tapfere Angehörige der mutigen Schweizer Milizarmee ihren ehrenhaften Wachtdienst vor den ausländischen Botschaften in der sehr schönen Schweiz leisteten (auch das sunnitische Saudi Arabien hat so eine Botschaft in der tollen Schweiz).