Rassismus in der Schweiz

20. Juni 2011 09:55; Akt: 20.06.2011 11:39 Print

Schwarze und Muslime stark diskriminiert

Die Ausländerfeindlichkeit hat in der Schweiz zugenommen. 178 Fälle von rassistischen Übergriffen wurden 2010 gezählt.

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Asylsuchende aus Somalia im Zürcher Übergangszentrum Atlantis im Januar 2009. Am meisten mit Rassismus konfrontiert sind wohl muslimische Somalier. (Bild: Keystone)

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Rassismus gegen Schwarze und Muslimfeindlichkeit haben im Jahr 2010 in der Schweiz zugenommen. 178 Fälle meldet das Beratungsnetz für Rassismusopfer, gegenüber 162 Fällen im Berichtsjahr 2009.

Die Dunkelziffer sei deutlich höher, die meisten Vorfälle blieben im Verborgenen, heisst es in dem Bericht «Rassismusvorfälle in der Beratungspraxis 2010». Herausgeber sind die Eidg. Kommission gegen Rassismus und humanrights.ch. Ausgewertet wurden Daten von sieben Beratungsstellen, darunter Zürich, Bern, Schaffhausen und Biel.

Bei den im letzten Jahr registrierten Fällen kam es, sowohl gemäss Einschätzung der Betroffenen (81 Mal) als auch der Beratenden (72 Mal), sehr häufig zu rassistischen Diskriminierungen aufgrund von Ausländerfeindlichkeit. Der Diskriminierungsgrund war sehr häufig die Hautfarbe, 60 Mal laut Betroffenen, 55 Mal laut Beratenden.

Häufig (23 Mal) war auch Muslimfeindlichkeit ausschlaggebend für eine Diskriminierung. 14 Mal diagnostizierten beratende Personen einen Fall von Anti-Balkanismus.

Afrikaner und Mitteleuropäer

Die regionale Herkunft der diskriminierten Menschen ist bei 134 der 178 Fällen bekannt. Rassistischer Diskriminierung ausgesetzt sind am häufigsten Menschen aus afrikanischen Regionen südlich der Sahara (42), aus Mitteleuropa (26) sowie aus Nordafrika (23). Ein beachtlicher Teil der Opfer ist schweizerischer Nationalität.

Dem grossen Teil dieser Menschen ist die (vermeintlich) fremde Herkunft auf den ersten Blick anzusehen. Die gemeldeten Fälle fanden weit häufiger in einem urbanen Umfeld als in ländlicheren Gebieten statt. Betroffene sowie Beschuldigte waren mehrheitlich männlich.

Wie bereits im Vorjahr wurden rassistische Diskriminierungen mit Abstand am häufigsten in Form von verbalen Äusserungen (69) verübt. Beleidigungen nahmen zu. Immer noch relativ häufig, jedoch abnehmend im Vergleich zu 2009, wurde eine Verbreitung von Schriften/ Tonträgern (15) rassistischen Inhalts gemeldet.

Eine Zunahme verzeichnet wurde im Bereich der Leistungsverweigerung (17). Hier handelte es sich beispielsweise um Einlassverweigerungen in Nachtclubs. In der Kategorie Hassreden kam es zu 12 Meldungen. Keine Meldungen gab es betreffend rechtsextremen Aufmärschen oder Versammlungen.

Rassismus bei der Polizei

Es wurden Diskriminierungen aus allen Lebensbereichen ausser Kirche und Werbung gemeldet. 25 Vorfälle ereigneten sich im öffentlichen Raum, 23 in der Arbeitswelt und 23 mit der Polizei. In 15 Fällen wurde die Polizei des antischwarzen Rassismus beschuldigt. Die Beratenden teilten 12 Mal diese Einschätzung.

Das Fazit des Berichts: Ein beachtlicher Anteil der Vorfälle stehe in Zusammenhang mit einer unterschwelligen, latenten, nicht näher definierten Ausländer- oder Fremdenfeindlichkeit, der Hautfarbe oder der muslimischen Religion - also mit Themen, die in der schweizerischen Öffentlichkeit stark präsent seien.

Auffallend sei, dass im Jahr 2010 wiederum zahlreiche Fälle von Zeugen, Familienangehörigen oder anderen Drittpersonen und Institutionen gemeldet wurden. Dies könne als Ausdruck einer zunehmenden Sensibilisierung gedeutet werden.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sperber Vogel am 14.11.2011 20:32 Report Diesen Beitrag melden

    Abreisen

    Jedem dem es hier bei uns nicht passt kann wieder gehen in sein "glückliches" Land. Wir haben sie nicht gerufen.

  • Robo Bono am 20.06.2011 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Peinlich

    Ja ich bin auch ein Rassist, weil ich die Schnauze von dieser Überbevölkerung satt habe. Super Artikel. Wie viele Fälle? Wieviele Überfälle in jeglicher Form werden von Ausländer gemacht? Wieviel % Ausländer verbraten unsere Steuergelder im Knast?

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  • Chavo am 20.06.2011 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso Rassismus verteidigen????!!!

    Es ist für mich schon schockierend,wie viele Leute hier versuchen die Zahlen zu hinterfragen oder runterzuspielen.Seien wir ehrlich,es gibt hier wie überall einen verdeckten Rassismus.Wie viele -vic(s)finden keinen Job wegen Namen?in vielen Wohnungsinseraten steht "nur an Schweizer",wie viele dunkelhäutige arbeiten zBsp am Bankschalter oder Versicherungsaussendienst usw?!?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sperber Vogel am 14.11.2011 20:32 Report Diesen Beitrag melden

    Abreisen

    Jedem dem es hier bei uns nicht passt kann wieder gehen in sein "glückliches" Land. Wir haben sie nicht gerufen.

  • Peter Steiner am 24.06.2011 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    Wer ist Schuld???

    Unsere Politiker, und zwar beide Seiten , sind das Thema Einwanderung in den letzten Jahren falsch angegangen. Ich verstehe einige Landsleute, dass sie mit einem Ausländeranteil von rund 30% unzufrieden sind. Aber jetzt alle rauswerfen oder unsere Ausländer diskriminieren ist keine Lösung. Besser ein miteinander als ein gegeneinander, solche die unsere Gastfreundschaft nicht schätzen raus und die Einwanderung zukünftig eindemmen. Es schadet uns nur, wenn wir jetzt klar abgegrenzte Gruppen bilden und uns gegenseitig bekämpfen. Beide müssen der anderen Seite entgegenkommen, sonst artet es aus...

  • Herr Hugo Müller am 22.06.2011 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    Gesinnungsjournalismus

    Dürfte man dann bitte noch erfahren wie viele Personen aus Mitteleuropa und Afrika im besagten Zeitraum zusätzlich eingewandert sind? Könnte man nachher diese Zahlen in Relation stellen zur gestiegenen Anzahl Beschwerden? Vermutlich nicht, denn sonst könnte sich zeigen, dass hier unseriöser Gesinnungsjournalismus betrieben wird. Ist es zudem erstaunlich, dass die meisten Fälle in urbanen Zentren auftreten? Wer mal nachmittags in Zürich rumläuft wird bemerkt haben, dass die Zahl der afrikanischen Mitbewohner in letzter Zeit sichtbar zugenommen hat. Die Bevölkerung hat genug.

    • Werner Eckhard am 24.06.2011 11:28 Report Diesen Beitrag melden

      @Herr Hugo Müller

      Sollte man über die betroffenen Personen nicht auch noch erfahren, welche Staatsangehörigkeit, Alter, Anzahl Kinder, Jahreseinkommen, Beruf, Familienverhältnisse, Einfluss auf unser BIP, Datum der Einreise, Datum der Beschwerde, sonstige involvierte Personen,........ Somit wäre jeder Bericht hier 20 Seiten lang!! Es ist ein klar abgegrenztes Thema, welches sich auf Schwarze und Muslime bezieht, für weitere Informationen gibt es heutzutage Internet!! Zudem hat das nichts mit Gesinnungsjournalismus zu tun. Die veröffentlichten Kommentare zeigen klar, dass Rassimus aus beiden Seiten kommt.....

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  • Mi. H. am 22.06.2011 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    Wen wunderts?

    Vor 2 Jahren war ich auf Arbeitssuche. Ich bekam von einer Firma eine Absage mit dem Inhalt, dass sie die Stelle an Herrn ... (Ausländischer Name) vergeben haben, um seine Integration zu fördern. Wenn auf der Strasse so Sätze fallen wie "scheiss Schweiz" etc, dann wundert es mich ehrlich nicht, wenn die "Eidgenossen" immer fremdenfeindlicher werden. Wer in die Schweiz kommt, schlecht über dieses Land spricht und dann doch auf Geld vom Staat hofft, der sollte gleich wieder rausgekickt werden. Meine Meinung.

    • Peter Steiner am 24.06.2011 11:21 Report Diesen Beitrag melden

      @Mi. H.

      Unsere Politiker, und zwar beide Seiten , sind das Thema Einwanderung in den letzten Jahren falsch angegangen. Ich verstehe einige Landsleute, dass sie mit einem Ausländeranteil von rund 30% unzufrieden sind. Aber jetzt alle rauswerfen oder unsere Ausländer diskriminieren ist keine Lösung. Besser ein miteinander als ein gegeneinander, solche die unsere Gastfreundschaft nicht schätzen raus und die Einwanderung zukünftig eindemmen. Es schadet uns nur, wenn wir jetzt klar abgegrenzte Gruppen bilden und uns gegenseitig bekämpfen. Beide müssen der anderen Seite entgegenkommen, sonst artet es aus...

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  • Ulrich Walther am 22.06.2011 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    Vorurteile gegenüber Ausländern

    Ich nenne hier ein par Vorurteile, die sich prägend in einigen Köpfen eingenistet haben. Ausländer sind: -faul -dumm(Wirkung liegt oft am akzentstarker Sprache) -schmarotzend -kriminell -religiös-fundamentalistisch-extrem -dominant/vorlaut -egoistisch/selbstsüchtig -Ich bin der Beste-Mentalität -hinterhältig/gewissenslos -frauenverachtend -rassistisch Solche Eigenschaften kann man weder einer Mentalität, einem Volk noch einem Land zuweisen. Wenn wir vorverurteilen und uns eine Meinung über eine bestimmte ausländische Person bilden, bevor wir sie persönlich kennen, dann ist das rassistisch!!