Moderne Vorurteile

26. Dezember 2016 17:44; Akt: 27.12.2016 09:37 Print

Schweiz, Land der Katzen-Fresser und Satanisten

Wir essen unsere Haustiere, beten Satan an und laufen allesamt bewaffnet herum – manche Vorurteile gegenüber Schweizern haben vielleicht einen wahren Kern, sind jedoch übertrieben.

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Die Schweiz ist ein Land von Katzen-Fressern – zumindest, wenn es nach der Meinung einiger Menschen auf der Welt geht. Dass die Leute glauben, dass hierzulande regelmässig Katzen- und Hundefleisch gegessen wird, ist nicht zuletzt auch dem Werbevideo einer deutschen Agentur zu verdanken. Darin bereitet ein angeblicher Schweizer Koch «Büsirücken» zu. Die Reaktionen waren damals, als das Video publik wurde, heftig. Als unzivilisiert wurden die Schweizer bezeichnet. Auch «barbarisch» fanden es manche, dass in der Schweiz Fleisch von Haustieren gegessen wird. Ein weiteres Vorurteil: Die Schweizer beten Satan an. Das war zumindest das Fazit einiger nach der Gotthard-Einweihung. Damals wurde ein Stück über das Jahrhundertbauwerk von Regisseur Volker Hesse aufgeführt. Einige der Figuren darin kamen den teils internationalen Gästen etwas sonderbar vor. Viele glaubten, es handle sich um Satansverehrung. Dieser Irrglaube hält sich bis heute. Was jedoch offenbar etwas vergessen ging: Bei der Eröffnung waren verschiedene Geistliche anwesend, die den Tunnel segneten. Bei Waffennarren ist das Klischee des angeblich bis an die Zähne bewaffneten Schweizers beliebt. In den sozialen Medien taucht immer wieder das Bild von zwei fröhlichen Velofahrerinnen auf. Die beiden Frauen waren jedoch damals, als das Bild entstand, auf dem Weg zum Eidgenössischen Feldschiessen. Deshalb trugen sie die Waffen. Weil die Statistik der Schweiz eine hohe Waffendichte zuspricht, führen Befürworter das Alpenland gerne als Musterbeispiel für einen richtigen Umgang mit Waffen an. Die Statistik trügt jedoch: Die Waffendichte ist vor allem deshalb besonders hoch, weil die Armeewaffe mit nach Hause genommen werden kann.

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Mit der Digitalisierung wird auch die Welt immer kleiner – zumindest macht es den Eindruck. Wer etwas über ein Land wissen will, googelt einfach danach. Nicht immer entsteht so ein objektives Bild. Auch die Schweiz wird international oft anders wahrgenommen als von ihren Bürgern.

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So existiert etwa die Meinung, in der Schweiz sei es üblich, Hunde und Katzen zu verspeisen. Dass es sich hierbei um ein Überbleibsel aus früheren Zeiten handelt und nur noch vereinzelt vorkommt, wird meist ignoriert.

Die Schweiz, ein Land der Katzen-Fresser

Immer wieder wird die Schweiz aufgeführt, wenn Medien über den Konsum von Hunde- oder Katzenfleisch berichten. «Schockierenderweise kommt das Essen von Hundefleisch auch in der Schweiz, in Nigeria und einer kleinen Zahl von lateinamerikanischen Gruppen vor», berichtet etwa «Fox Business». Auch ein Wikipedia-Eintrag stellt Schweizer dar, als ässen sie täglich Hundefleisch: «Im 21. Jahrhundert wird Hundefleisch in weiten Teilen von China, Korea, Vietnam und der Schweiz konsumiert, ebenso wie in anderen Teilen Europas, Amerikas und auf dem afrikanischen Kontinent, etwa in Kamerun, Ghana und Liberia.»

Ein Werbevideo einer deutschen Agentur, in dem ein angeblicher Schweizer Koch in seinem Restaurant Katzen zubereitet, liess die Gerüchteküche Anfang Jahr im Ausland weiter brodeln. Ausserdem werden seit Jahren Unterschriften gesammelt, um den Verzehr von Katzenfleisch in der Schweiz zu verbieten.


Den längsten Eisenbahntunnel der Welt Satan gewidmet

Eine weitere Annahme: Schweizer sind Satanisten. Grund dafür ist die Eröffnungsfeier des Gotthard-Basistunnels im vergangenen Juni. Unter den Augen zahlreicher internationaler Gäste boten rund 600 Laiendarsteller eine nicht alltägliche Darbietung. Die seltsamen Gestalten, die im Stück von Volker Hesse vorkamen, konnten nicht alle Besucher und Medien klar einordnen.

«Das Eröffnungsritual wurde als bildlich dargestellte satanistische Szenen der Hölle interpretiert», schreibt etwa das Portal RT. Eine Twitter-Nutzerin griff das Thema im November erneut auf. «Habt ihr alle die Einweihung des Schweizer Tunnels gesehen? Komplett satanistisch», schreibt sie.


Das Portal Breitbart.com widmet dem satanischen Aspekt der Zeremonie einen ganzen Artikel. Immerhin kommt der Autor zum Schluss, dass sie zwar verwirrend sei, jedoch keinesfalls dem Satan gewidmet.

«Jeder trägt eine Waffe»

Auch die Waffendichte in der Schweiz gibt zu reden. Laut einer Statistik aus dem Jahr 2007 schaffte es die Schweiz mit 45,7 Waffen pro 100 Einwohner auf Rang drei – allerdings nur, wenn die Armeewaffen dazugezählt werden. Platz zwei belegte der Yemen mit 54,8 Waffen pro 100 Einwohner, die höchste Dichte hatten die USA mit 88,8 Waffen pro 100 Einwohner.

Dass ein kleines Land wie die Schweiz eine derart hohe Waffendichte hat, spielt Befürwortern in die Hände. So ist auf der Seite «The Truth About Guns» zu lesen, die Schweiz «hat keine Armee, sondern sie ist eine Armee». Auch in den sozialen Medien wird ausführlich darüber diskutiert. Dabei wird allerdings auch immer wieder etwas gemunkelt und übertrieben.





(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • max62 am 26.12.2016 17:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieviel mal noch?

    Wieviel mal wollt Ihr den Artikel eigentlich noch bringen? Und was in der Welt von der Schweiz geglaubt wird, hat sicher nichts mit einer deutschen Werbeagentur zu tun. Und wenn es so wäre wie Ihr Schreiberlinge das behauptet, dann wäre es ein Armutszeugnis für Euch.

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  • Sandi Klauer am 26.12.2016 17:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorurteile

    Über jedes Land kann man seine Vorurteile haben. Die Presse wird mit diesen Vorurteilen bedient und übernehmen diese und sind oft für die Verbreitung verantwortlich.

  • Remk Kaiser am 26.12.2016 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Katze und Hund als Nutztier

    Warum H und K nicht essen? Wir essen Lamm, Gans, Pferd, Esel, Hase, Reh und noch andere Tiere. Da kann man die anderen zwei auch essen, oder etwa nicht?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • baphy am 27.12.2016 13:02 Report Diesen Beitrag melden

    zeigt her wie es um euch steht

    in den usa essen sie chlorhühner chicken nuggets mit silikonüberzug. weltweite kinderimpfungen mit aluminium und formaldehyd usw. usf. die pharma die regierungen die grosskonzerne beten alle satan an. das weiss doch jedes kind. die schweizer haben es nun halt ganz offen gezeigt

  • Nachbar am 27.12.2016 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Hehehe.

    Die Kommentatoren hier belegen eindeutig, dass Schweizer hauptberuflich Nörgler und Gekränkte sind - welche wie Pawlowsche Hunde auf alles mit Gejammer reagieren, sich von anderen jegliche Kritik verbitten (obwohl sie gern selbst alles und jeden kommentieren müssen), absolut keinen Sinn für Humor haben und einfach nicht akzeptieren können, dass an allem, was sie als Klischee empfinden, eben doch ein paar Körnchen Wahrheit dran sind. Und immer auteilen wollen, aber nie einstecken können.

  • Jean am 27.12.2016 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    Italiener nicht Schweizer

    Persönlich habe ich immer gehört, dass die Büsis damals in den Kochtöpfen der italienischen Gastarbeiter landeten.

  • Leser am 27.12.2016 04:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mythen - Wanderlegenden

    Darauf gibt es nur eine Antwort. "The Naked Swiss - A Nation Behind 10 Myths" - Bergli Books.

  • Inländer am 27.12.2016 04:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Di angere

    Ausländische Vorurteile. Die glauben auch dass man bei uns eine Initiative starten kann und das Abstimmungsresultat dann 1:1 umgesetzt wird.