Flüchtlingsstrom

14. Juni 2016 08:23; Akt: 14.06.2016 09:34 Print

Schweiz bewacht Tessiner Grenze rund um die Uhr

Im Süden der Schweiz steigt die Zahl der Flüchtlinge derzeit massiv an. Bundesrat Ueli Maurer verstärkt deshalb das Grenzwachtkorps mit zusätzlichem Personal.

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Mehr Personal an den südlichen Grenzen: Bundesrat Ueli Maurer anlässlich einer Besichtigung der Zollstelle von Chiasso. Eine Gruppe marschiert mit den Grenzwächtern am Bahnhof Chiasso zum Kontrollzentrum Centro Forte Migrazione. Patrick Benz, Hauptmann und Chef des Fachbereichs Migration des Grenzwachtkorps (links), steht mit zwei Grenzwächtern auf einem Perron und wartet einen Zug für die Kontrolle ab. Ob sich Migranten in den Zügen befinden, erkennen die Grenzwächter schon durch die Fenster. Die Grenzwächter führen eine Gruppe mit vielen unbegleiteten Minderjährigen ab. Die meisten Angehaltenen folgen den Grenzwächtern schweigend, viele von ihnen mit gesenkten Köpfen. Ein Grenzwächter hat einen jungen Gambier aus dem Zug geholt. Ohne Widerstand lässt er sich zum Kontrollzentrum führen. Die Grenzwächter führen eine Gruppe Migranten zum Kontrollzentrum. Nur einer von ihnen hat Gepäck dabei. An einer Schulter trägt er einen prall gefüllten Mädchenschulrucksack. Vor der Kontrolle wird das Gepäck an einem bestimmten Ort deponiert. Im Rucksack, den ein Grenzwächter später kontrolliert, finden sich Plastiksäcke gefüllt mit Jeans, T-Shirts und Kapuzenpullover. Aus dem Rucksack eines jungen Gambiers holt ein Grenzwächter zwei Cola-Dosen, zwei Biscuit-Packungen, zwei Wasserfläschchen und ein Paar Turnschuhe. Das Rollköfferchen ist gefüllt mit Kleidern und einem Badetuch. Im Netzabteil des Koffers stecken viele persönliche Dinge wie eine Gebetskette und Familienfotos. Ein Fresszettel sticht den Grenzwächtern ins Auge. Darauf ist ein Reiseweg beschrieben: Start ist Mantova, Ziel Karlsruhe. Zudem entdecken die Grenzwächter vier verschiedene SIM-Karten. Auch die Wände des Koffers werden inspiziert. Zum Schluss wird der Koffer noch abgetastet. Ein Migrant gibt seine Fingerabdrücke ab. Danach werden diese ans Fedpol geschickt, wo sie mit den gespeicherten Abdrücken in der Datenbank verglichen werden. Manchmal sind auch mehrere Versuche nötig. Ein Gambier wartet, bis die Grenzwächter das Fingerabdruckgerät für den nächsten Migranten bereit gemacht haben. Jetzt ist er an der Reihe. Viel Zeit verbringen die Aufgegriffenen mit Warten. Patrick Benz sucht das Gespräch mit Migranten im Wartebereich. Einige Migranten verharren wie versteinert in ihrer Position. Wenige Migranten sprechen gebrochen Englisch, Italienisch oder Französisch. Koami T., 24-jährig: «Meine Mutter ist tot. Meinen Vater habe ich seit dem Krieg nicht mehr gesehen.» Tafari S.,16-jährig: «Mein Vater ist im Gefängnis wegen des politischen Systems. Es ist Krieg.» Er wolle in der Schweiz arbeiten, um seiner Familie zu helfen. Ein Tunesier hofft, dass er in der Schweiz Asyl erhält. Ein Grenzwächter nimmt die Personalien eines Migranten auf. Ein junger Mann bekommt Hilfe beim Ausfüllen des Personalienblatts. Die Personalienblätter sind in über 50 Sprachen übersetzt. Am meisten genutzt werden Arabisch, Äthiopisch, Englisch, Französisch, Italienisch, Ful, Manding, Somalisch und Tigrinisch. Ein Tunesier bei der Aufnahme seiner Personalien. Insgesamt 26 Männer, darunter 13 unbegleitete Minderjährige, werden an diesem Freitag in den Zügen angehalten, die zwischen 14.30 und 18 Uhr einfahren. Viele Migranten wünschen sich, sie könnten sich wie andere Reisende frei zwischen Italien ... ... und der Schweiz bewegen. Ein kleiner Bub guckt neugierig zu, wie seine Mutter ihre Personalien angibt. Ein kleines Migrantenmädchen tollt im Kontrollzentrum herum. Der eine oder andere Grenzwächter lässt sich mit den Kindern auf ein Spiel ein. Die Statue «Italia e Svizzera» in der Eingangshalle des Bahnhofs Chiasso. Die beiden Damen umarmen sich und symbolisieren dieFreundschaft der beiden benachbarten Völker.

Mehr Personal an den Grenzübergängen im Süden erforderlich: Bundesrat Ueli Maurer anlässlich einer Besichtigung der Zollstelle von Chiasso. (22. April 2016)

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Die Zahl der Flüchtlinge, die im Süden über die Grenze in die Schweiz kommen wolle, steigt in diesen Tagen massiv an. Dies sagt Bundesrat Ueli Maurer gegenüber «SRF».

In Chiasso und auf der Route via Domodossola nach Brig sei man nahe an Rekordzahlen. Das Grenzwachtkorps im Tessin sei deshalb mit zusätzlichem Personal zu einem «24-Stunden-Betrieb» ausgebaut und verstärkt worden, weil Migranten jetzt eher gegen Mitternacht und nicht mehr während des Tages kämen, so der oberste Chef des Grenzwachtkorps.

Die Verstärkung betreffe aber auch die Grenzübergänge in Graubünden. Flüchtlinge würden neuerdings über die Bündner Südtäler illegal in die Schweiz einreisen, um weiter nach Deutschland oder Österreich zu kommen. Dafür gebe es erste Anzeichen, sagt Maurer. «Die Schlepper tasten jetzt wohl ab, ob das besser geht als über Chiasso.»

Kein Armeeeinsatz

Maurer befürchte, dass in den nächsten Tagen zunehmend Flüchtlinge über das Puschlav und das Münstertal in die Schweiz kommen würden. Medienberichte, wonach er und sein SVP-Bundesratskollege Guy Pamelin einen Antrag für einen Armeeeinsatz an der Grenze vorbereiten würden, dementiert er. 80 bis 90 Prozent der Migranten kämen mit normalen Zügen an, sodass sie gezählt und registriert werden könnten. So lange die Situation so bleibe – und man an Schengen festhalte – sehe er momentan keinen Einsatz für die Armee, so Maurer.

Behandlungsfrist wie beim Balkan

Maurer würde lieber auf Abschreckung setzen und nennt dabei das Vorgehen mit Asylsuchenden aus afrikanischen Ländern. Er schlägt vor, eine Behandlungsfrist von 48 Stunden einzuführen, wie man das beim Balkan praktiziert habe. Dafür gebe es jedoch keine politischen Mehrheiten, sagt Maurer.

Video – Italiens Küstenwache rettet Anfangs Woche 1350 Flüchtlinge aus dem Mittelmeer:

(nag)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jamesbo am 14.06.2016 09:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem?

    Und uns wird weiterhin eingeredet wir hätten kein Problem.

  • Mr. Spock am 14.06.2016 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso keine Zahlen?

    Erstens: Ist euch schon mal aufgefallen? Es werden wiederum keine Zahlen genannt wie meistens bei Meldungen die den Asylzulauf in die Schweiz thematisieren. Zweitens: Wenn ich mich nicht täusche ist die Schweiz Mitglied im Schengen Dublin abkommen. Wieso werden die Asylanten nicht zurück in den sicheren EU Staat geschickt den sie als erstes betreten haben? Für was haben wir Verträge mit der EU? Ich würde die EU vorm Europäischen Gerichtshof verklagen wegen jahrelangem, mehrfachen Vertragsbruch, nicht nur mit uns.

  • Geissenpeter am 14.06.2016 09:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso kein Armeeeinsatz?

    das kostet uns doch nichts. Die Soldaten sind sowieso bezahlt sie brauchen nur eine vernünftige Beschäftigung. Ausserdem geht es um die Abschreckung, die bis in ihre Heimatländer weitererzählt wird. Aber so lachen sie nur darüber. Die werden zu 99% alle aufgenommen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Panchamama am 06.07.2016 15:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist nicht zu fassen

    Die meisten die kommen sind ja aus Itrea und die nehmen ja ihre Leute nich mehr zurück warum lassen wir sie überhaubt in unser Land? 1 milliard kostet das Asylwesen pro Jahr unglaublich und überal muss im Land für unsere eigenen Leute gespart werden! Ich finde wir sollten lieber diese Milliarde für die Hilfe an bedürftige Europer [Grichen, Kosovaren, arbeitslose Junge in Südeuropa und arme Schweizer] verwenden. Was ist blos los mit unseren Politikern? blind und taub?

  • Mr. Spock am 14.06.2016 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso keine Zahlen?

    Erstens: Ist euch schon mal aufgefallen? Es werden wiederum keine Zahlen genannt wie meistens bei Meldungen die den Asylzulauf in die Schweiz thematisieren. Zweitens: Wenn ich mich nicht täusche ist die Schweiz Mitglied im Schengen Dublin abkommen. Wieso werden die Asylanten nicht zurück in den sicheren EU Staat geschickt den sie als erstes betreten haben? Für was haben wir Verträge mit der EU? Ich würde die EU vorm Europäischen Gerichtshof verklagen wegen jahrelangem, mehrfachen Vertragsbruch, nicht nur mit uns.

  • Jamesbo am 14.06.2016 09:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem?

    Und uns wird weiterhin eingeredet wir hätten kein Problem.

  • Geissenpeter am 14.06.2016 09:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso kein Armeeeinsatz?

    das kostet uns doch nichts. Die Soldaten sind sowieso bezahlt sie brauchen nur eine vernünftige Beschäftigung. Ausserdem geht es um die Abschreckung, die bis in ihre Heimatländer weitererzählt wird. Aber so lachen sie nur darüber. Die werden zu 99% alle aufgenommen.

    • Nationless am 14.06.2016 11:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Geissenpeter

      Das ist eben das Gemeine! 97% werden aufgenommen viele unter ihnen die Falschen und die restlichen 3% unter welchen vielleicht die Richtigen wären, dann nicht. Entweder nimmt man alle oder nur eine Minderheit dessen.

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  • sg1985 am 14.06.2016 09:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gut so!

    gut so!