Festtagsbraten

27. August 2014 10:21; Akt: 28.08.2014 09:01 Print

Schweiz entdeckt den Thanksgiving-Truthahn

von Roland Schäfli - Was sich schon die Indianer als Geflügel hielten, ist jetzt definitiv in den hiesigen Küchen angekommen: der Truthahn. Zu Thanksgiving schmeckt er den Schweizern besonders gut.

Truthahn ist in aller Munde: Der nordamerikanische Vogel schmeckt den Schweizern, als Weihnachtsbraten ebenso wie zum Erntedankfest. (Video: Roland Schäfli)
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Vielleicht lag der grösste Schweizer Truten-Produzent, die Firma Frifag im thurgauischen Märwil, schon vor 27 Jahren richtig, als sie bei der Geflügel-Produktion auf Truthähne setzte. Doch dann wurde Poulet zum Hauptgeschäft. Jetzt aber holt der 10-Kilo-Vogel auf: Truthahn macht bereits einen Zehntel des Absatzes aus. Und immer mehr Schweizer kommen auf den Geschmack: Jedes Jahr landen 1,3 Millionen Kilo Trutenfleisch aus der Frifag in den Schweizer Mägen.

Die Frifag schreibt es der Globalisierung zu, dass man die Lust auf Truthahn vor dem traditionellen US-Feiertag Thanksgiving bis in die Schweiz spürt: Innert zehn Jahren hat sich der Absatz zum Stichtag im November verzehnfacht. Offenbar feiern immer mehr Schweizer ihr eigenes «Erntedankfest» mit einem knusprig gebratenen Truthahn, wie das in zahlreichen Filmen zu sehen ist.

Aber auch als Weihnachtsbraten setzt sich der Grossvogel langsam durch: Rund 9000 Truthähne müssen dann jeweils Federn lassen.

Neue Truthahn-Züchter gesucht

Wegen des Truthahn-Trends sucht der grösste Schweizer Produzent jetzt nach weiteren Farmern mit ökologischem Leistungsnachweis. 24 sind es schon, die mit den Märwilern zusammenarbeiten.

Ein Truthahn-Mäster hat dafür bestimmte Kriterien und Qualitätskontrollen zu erfüllen. «20 Hektaren Betriebsfläche für mindestens 2000 Tiere soll er zur Verfügung haben, um den Stall mit voll automatisierter Fütterung nach Frifag-Massstäben bauen zu können», sagt der Leiter der Tierproduktion, Stefan Würth. Die Frifag behält dabei die Kontrolle über alle Produktionsstufen dank erprobten Futtermischungen, eigenen Brütereien und regelmässigen Qualitätskontrollen.

Dreimal jährlich neue Küken

Die sogenannte Umtriebsdauer beträgt 140 Tage. Die Zuchtbetriebe erhalten somit dreimal jährlich neue, sechs Wochen alte Küken. Spezielle Kenntnisse sind nicht nötig, wenn man Truthahn-Züchter werden will. Landwirt Patrick Lämmler etwa wusste wenig bis gar nichts über die eigentümlich glucksenden Tiere, bis seine Frau sich das Know-how auf einer Farm in den USA erarbeitete. Der aus Nordamerika stammende Vogel habe sich im Schweizer Klima als «sehr robust» bewährt und sei nicht besonders krankheitsanfällig, vermerkt der Bauer. Tatsächlich verlangt ihm die Haltung nicht mehr als eine Stunde Arbeit pro Tag ab.

Die Frifag bringt ihr Geflügel nicht als Tiefkühlprodukt, sondern als Frischfleisch an den Mann. Grossabnehmer sind insbesondere Migros-Genossenschaften und Spar. Dennoch stammen 90 Prozent des in der Schweiz verzehrten Trutenfleischs aus dem Ausland. Die Frifag besetzt also eine sehr kleine Nische, «und es wird auch eine Nische bleiben», sagt Geschäftsleiter Andi Schmal.