OECD-Bericht

09. September 2014 16:37; Akt: 09.09.2014 17:12 Print

Schweiz gibt weniger Geld für Studenten aus

In der Schweiz sind die Investitionen in die Ausbildung in 16 Jahren um 14 Prozent gesunken. 2011 waren es noch 15'000 Dollar pro Student und Jahr.

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Im Gegensatz zu anderen Ländern nahmen die Ausgaben für Studenten in der Schweiz ab. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Die meisten OECD-Länder haben in den vergangenen Jahren mehr Geld in die Ausbildung der Studenten investiert - nicht so die Schweiz. Dies zeigt ein am Dienstag veröffentlichter Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Verglichen wurden die Ausgaben pro Student in der höheren Berufsbildung oder an einer Hochschule zwischen 1995 und 2011. In der Schweiz gingen die Ausgaben in diesem Zeitraum um über 14 Prozent zurück. Neben der Schweiz kam es auch in Australien, Brasilien, Tschechien, Ungarn und Israel zu einem Rückgang.

Schweiz im internationalen Vergleich dennoch vorne dabei

Die Abnahme in all diesen Ländern sei vor allem das Resultat von stark steigenden Studentenzahlen, heisst es im Bericht. Trotzdem gibt die Schweiz aber deutlich mehr Geld für ihre Studenten aus als andere Länder. Über alle Schulstufen gerechnet bezahlte die Schweiz im Jahr 2011 über 15'000 US-Dollar pro Schüler.

Zum Vergleich: In Brasilien, Indonesien, Mexiko und der Türkei sind es nur bis zu 4000 Dollar pro Schüler. Über 10'000 Dollar sind es unter anderem in Australien, Frankreich, Deutschland oder Irland. Gleich hohe Ausgaben wie die Schweiz leisten sich einzig die USA. Die Zahlen sind kaufkraftbereinigt.

Gute Lehrerlöhne, kleine Klassen

Die Ressourcen werden in den verschiedenen Ländern aber auch sehr unterschiedlich eingesetzt. Die Schweiz, Dänemark, Irland, Luxemburg, Holland und die USA bezahlen zum Beispiel relativ gute Lehrerlöhne. Andere Länder wie Österreich, Finnland, Luxemburg und Norwegen investieren vor allem in ein gutes Schüler-Lehrer-Verhältnis, sprich in kleine Klassen.

Am unteren Ende der Tabelle landet die Schweiz hingegen, wenn man die Ausgaben für die Vorschule/frühkindliche Ausbildung betrachtet. Im Schnitt geben die OECD-Länder rund einen Zehntel ihrer Bildungsausgaben in diesem Bereich aus, oder 0,6 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP). In der Schweiz und in Australien sind es nur 0,2 Prozent des BIPs, in Dänemark und Island hingegen über 1 Prozent.

Bei den Doktorarbeiten liegt die Schweiz gemeinsam mit Finnland, Deutschland und Schweden an der Spitze. Über 2,5 Prozent der Studenten in diesen Ländern schliessen ihre Ausbildung mit einer Promotion ab. Einen wesentlichen Beitrag dazu leisten allerdings ausländische Studenten. In der Schweiz ist mehr als jeder zweite Doktorand ein Ausländer.

Viel Arbeit, wenig Hausaufgaben

Der OECD-Bericht zeigt weiter: Über die Hälfte der Studenten in der Schweiz arbeitet zumindest Teilzeit neben dem Studium. Ähnlich fleissig sind die Studenten in Australien, Dänemark, Island und Holland. In Belgien, Ungarn, Italien und Spanien hingegen arbeiten unter 10 Prozent der Studenten neben dem Studium.

Dafür hält sich in der Schweiz der Aufwand für Hausaufgaben in Grenzen. Pro Woche verbringen Studenten weniger als vier Stunden mit Hausaufgaben. Mindestens sieben Stunden büffeln zu Hause hingegen Schüler in Italien, Kasachstan, Rumänien, Russland, Schanghai und Singapur.

Frauen in der Überzahl

Insgesamt waren im Jahr 2012 in allen OECD-Ländern ein Grossteil der 15- bis 19-Jährigen in einer Ausbildung. Die Frauen sind in der Überzahl, von ihnen waren 85 Prozent immatrikuliert, während es bei den Männern nur 82 Prozent sind. Am grössten ist dieser so genannte Gender-Gap in Argentinien, wo 80 Prozent der Frauen, aber nur 67 Prozent der Männer in Ausbildung sind. Auch in Irland, Israel und Neuseeland sind die Frauen mit einem Abstand von mehr als 5 Prozent in der Überzahl.

Umgekehrt ist das Verhältnis in Saudi-Arabien, der Türkei und der Schweiz: Hier liegen die Männer mehr als zwei Prozent vor den Frauen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Danilo am 09.09.2014 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    Logische Konsequenz

    Ist ja völlig logisch, dies wird nochmals massiv reduziert. Denn dieselben Politiker, welche dauernd für mehr Bildung plädieren, sind auch für die unendliche Masseneinwanderung. Und dank dieser müssen wir selber keine Jungen mehr ausbilden, man kann von überall her einfach fertig ausgebildete "Fachkräfte" rekrutieren, die zudem noch massiv billiger sind als die selbst ausgebildeten Schweizer.

  • Klaus Peter am 09.09.2014 17:19 Report Diesen Beitrag melden

    Schon klar

    Wieso hier ausbilden, wenn man die gratis und fertig studierten aus dem Ausland importieren kann? Von wegen Einwanderung wird gebremst. Ich erwarte also keinen Rückgang!

  • Susanne am 09.09.2014 17:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz klar

    man gibt ja mal einfach so über 40 millionen ohne Gegenleistung an die EU (Kohäsionszahlungen) Aber für uns hat man nicht genügend Geld. Skandalös, was die aktuelle Regierung macht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Schweizer am 09.09.2014 21:46 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder

    Es wird ja auch lieber Geld für Armee und anderen Firlefanz rausgeschmissen.

  • Rolf am 09.09.2014 20:31 Report Diesen Beitrag melden

    Studis sollen ihr Studium mit Nebenjob

    verdienen, und nicht auf Staatskosten ausgebildet werden.

  • Bruno Röösli am 09.09.2014 18:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komisch........

    Und wie viel bekommt ein Handwerker, der eine Meisterprüfung macht vom Staat? So eine Schule kostet diesen locker Fierzigtausend.

  • Regula Hiltebrand am 09.09.2014 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    dafür mehr Studenten

    dafür hat es umso mehr Studenten, die hier studieren wollen. Wirkliche Studenten sollten auch arbeiten zwischendurch.

    • Walter Portmann am 09.09.2014 19:04 Report Diesen Beitrag melden

      zu viele ausländische Studis

      Und vor allem weniger ausländische Studenten, denn die können an die Unis in ihren Ländern gehen !

    • Beobachter am 09.09.2014 21:44 Report Diesen Beitrag melden

      Macht total Sinn

      Finde ich auch. Wirkliche Bäcker sollen auch noch arbeiten zwischendurch. Ebenso wirkliche Banker, wirkliche Metzger, etc.

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  • Susanne am 09.09.2014 17:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz klar

    man gibt ja mal einfach so über 40 millionen ohne Gegenleistung an die EU (Kohäsionszahlungen) Aber für uns hat man nicht genügend Geld. Skandalös, was die aktuelle Regierung macht.

    • Jacky M. am 10.09.2014 10:03 Report Diesen Beitrag melden

      Wo...

      haben wir überhaupt JE eine Gegenleistung von der EU bekommen??

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