Reservierte Schweizer?

07. September 2019 17:18; Akt: 07.09.2019 17:18 Print

Darum fühlen sich Expats in der Schweiz nicht wohl

von Ilona Himmelberger - Laut einer Studie sind Expats lieber in Kenia als in der Schweiz. Ein Start-up versucht, Einwanderer auf Zeit besser zu integrieren.

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Die Schweizer sind in den Augen vieler Expats zu wenig freundlich. Auch wenn es darum geht, sich sprachlich zurechtzufinden oder zu Hause zu fühlen, schneidet die Schweiz als Wohnort für Expats laut der Expat-Insider Studie 2019 nicht gut ab. Und beim Thema «Freunde finden» landet sie gar auf dem viertletzten Platz aller Vergleichsländer.

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Das Start-up «Indigen Community» hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, Expats bei der offensichtlich schwierigen Eingewöhnung in die Schweizer Gesellschaft beizustehen. «Alle Expats, die ich kennengelernt habe, litten unter Einsamkeit», sagt Johanna Bousfield, Gründerin und ebenfalls Expat. Sie ist vor zwölf Jahren aus den USA über Österreich in die Schweiz gezogen.

«Die Schweizer sind nicht kalt»

Ein Umzug ins Ausland und damit auch die Schweiz stelle viele Expats vor Herausforderungen: «Ständig wird man mit Dingen konfrontiert, die man nicht kann oder nicht versteht und die einem auch nicht einfach erklärt werden. Das schlägt aufs Selbstwertgefühl und führt dazu, dass sich Expats noch mehr zurückziehen.»

Das Problem ist laut Bousfield nicht, dass die Schweizer grundsätzlich emotional kalt oder nicht offen seien. «Aber es fehlt das Bewusstsein, dass es für Expats sehr schwierig sein kann, sich hier trotz guter Ausbildung oder Arbeitsstelle ein soziales Leben aufzubauen.»

Missverständnisse und Ansprüche

So beispielsweise, wenn jemand neu eine Wohnung bezieht. Andernorts sei es normal, dass die Nachbarn den Neuzuzüger begrüssen und einladen. Hier müsse der Neuling sich vorstellen kommen, sagt Bousfield. «Da man das nicht weiss, macht man es nicht. Es entsteht ein Missverständnis und man verpasst so schon die erste Chance, sein Schweizer Umfeld besser kennenzulernen.»

«Und die Schweizer haben hohe Ansprüche, auch sich selbst gegenüber», so Bousfield. Während die Tür von US-Amerikanern für Gäste immer weit offenstehe, egal wie chaotisch es zu Hause gerade aussehe, fühlten sich Schweizer nur wohl, wenn bei Besuch das Zuhause blitzblank geputzt und aufgeräumt sei. «Das erschwert ein spontanes besseres Kennenlernen.»

Wandern, Abfallkleberli organisieren, Familienausflug

«Vielfach sind es für Expats auch die kleinen, alltäglichen Dinge, die Mühe bereiten», sagt Bousfield. Herrschen zum Beispiel im Herkunftsland andere Tramfahr-Gewohnheiten vor und man kenne die hiesigen nicht, könne man diese nicht einhalten und werde deshalb schnell einmal böse angeschaut. Das verunsichere. «Wenn sich solche anfänglichen Erfahrungen häufen, kann man sich schon ausgeschlossen und nicht zu Hause fühlen.»

Deswegen baute Bousfield Netzwerke auf, in denen Expats in Kontakt mit bereits lange hier lebenden Expats, aber auch mit einheimischen Schweizern gebracht werden. Diese können den Neulingen dann als «Buddys» bei der Eingewöhnungsphase beistehen. «Die Buddys können frei wählen, wie sie dies angehen möchten. Ob man zusammen wandern geht, erläutert, wo man die Abfallkleberli herkriegt oder gemeinsam als Familien Spielplätze besucht: Wichtig ist der soziale Kontakt an sich.»

«Wir bringen ähnliche Menschen zusammen»

Deshalb komme es vor allem darauf an, dass Expat und Buddy zusammenpassen, so Bousfield. «Und dafür sind wir da. Wir bringen die Menschen aufgrund ihrer Angaben so zusammen, dass sie möglichst viele Gemeinsamkeiten aufweisen.» Natürlich könne man sich als offene Person genauso gut auch ohne die Unterstützung von «Indigen Community» in der Schweiz einleben – nur sei das mit viel Ausdauer verbunden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Expat Kuwait am 07.09.2019 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    Integration

    Nicht die Einheimischen sind unfreundlich, sondern die Expats selbst. Ist es zu viel verlangt die Sprache zu lernen ? Und nein, ich akzeptiere Englisch nicht als internationale Sprache. Lebe als Schweizer in Kuwait und ich bin einer der wenigen Expats der fliessend Arabisch spricht, deshalb hab ich keine Probleme Freunde zu finden. Hab mich total integriert. Dazu trage ich auch eine Thobe ( Weisses Kleid ) und eine shemagh ( arabische Kopfbedeckung ). Ich sehe aus wie ein Einheimischer da ich mich integriert habe. Ist es zu viel verlangt jemand zu Integration aufzufordern ?

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  • Juliy am 07.09.2019 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Expats wollen gar nicht...

    So einen großen Quatsch habe ich schon lange nicht mehr gelesen! In unserer neuen Überbauung gibt es viele Expats-Familien. Deren Kinder dürfen nicht mit unseren Kindern spielen! Für den Kindergarten tun sie alles erdenklich mögliche, damit ihr Kind nicht mit unseren in derselben Gruppen sind. Unglaublich! Die werden derart verhätschelt und verweichlicht... Das ist kaum zu glauben. Sie selbst mischen sich auch nicht unter uns, sie treffen sich unter sich. Das zeigt uns, die wollen ja gar nicht. Wir hier erleben genau das Gegenteil! Wir haben die eine Familie mehrfach zum Kafi & Chueche eingeladen... Vergeblich! Die wollen einfach nicht! So sieht es aus. Punkt!

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  • Robert am 07.09.2019 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es reicht

    Wie lange wollt ihr diese Geschichte noch aufwärmen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rentner 51 am 18.09.2019 22:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verachtend.

    Wer hat den diese Parasiten gerufen? Sie kamen ja alle freiwillig und untergraben die Schweiz. Stellt sie doch wieder an die Grenze, diese Profiteure.

  • Resume am 12.09.2019 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    Fazit

    Die meisten Kommentare bestätigen den Bericht.

  • Adrian vBubenberg am 11.09.2019 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Niemand ist gezwungen zu bleiben.

    Dann gehen Sie besser wieder nach Hause. Wir haben dann mehr Platz zum Leben. Nebenbei ist es höchst fraglich ob man ihre Jobs nicht mit Eidgenossen besetzen kann.

  • Swiss-Argentine am 10.09.2019 02:30 Report Diesen Beitrag melden

    Naja....

    Sprache lernen und dann klappts auch mit der Integration. Ich denke, keine Sprache ist zu schwierig. Lebe in Argentinien und da kommt man nirgends hin mit Englisch also ich musste Spanisch lernen und nicht nur das, musste auch Rioplatense Spanisch lernen ( Argentinisches Spanisch ). Nach 2 Jahren bekam ich die Staatsbürgerschaft und Spanisch musste man dafür auch können.

  • Martial2 am 09.09.2019 21:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir leben nicht mehr im Mittelalter...

    Ganz einfach; Englisch ist die Welt- und geschäftliche Sprache, Französisch die diplomatische Sprache, der Rest kann man's einstufen wie man will... Die Hauptsache man beherrscht mehrere Sprachen, das gehört ebenfalls zur Kultur!