Tunesien-Krise

14. Februar 2011 13:57; Akt: 14.02.2011 14:21 Print

Schweiz macht sich bereit für Flüchtlingsstrom

Der anhaltende Flüchtlingsstrom aus Tunesien beschäftigt auch die Schweizer Behörden. Beim Bund sucht man bereits geeignete Unterkünfte.

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Die nordafrikanischen Flüchtlinge sind in Lampedusa bei Sizilien gelandet. (Bild: Keystone)

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Die Schweiz habe bereits mit den Vorbereitungen für den Fall eines Flüchtlingsstroms aus Nordafrika begonnen, sagte Bundesrätin Simonetta Sommaruga am Montag vor Journalisten in Bern.

In erster Linie seien die Behörden in Kontakt mit Italien, sagte die Justizministerin. Auf der italienischen Insel Lampedusa treffen derzeit zahlreiche Flüchtlinge vor allem aus Tunesien ein. Die Schweiz stehe auch mit den Dublin-/Schengen-Staaten in Kontakt, um sich mit den Europäern abzustimmen.

Zudem habe man bereits im Inland mit Vorbereitungen begonnen, sagte Sommaruga und erwähnte dabei die Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten. «Wir sind bereits an der Arbeit», sagte Sommaruga.

Schweiz nicht erste Wahl

Das Bundesamt für Migration (BFM) hatte bereits am Morgen erklärt, es beobachte die Lage in Italien sehr genau. Allfällige Massnahmen würden geprüft, sagte BFM-Sprecherin Marie Avet auf Anfrage. Solche würden sich auf Informationen der Botschaften und des Grenzschutzes stützten.

Bisher sei die Schweiz aber kein Zielland für Menschen aus Tunesien gewesen. Diese ziehe es mehr in Länder wie Frankreich, fügte die Sprecherin an. Viel hänge nun auch davon ab, wie sich die italienischen Behörden verhielten.

Bislang kein Ansturm

Das Grenzwachtkorps im Tessin wiederum rechnet damit, frühestens in einer Woche die ersten Auswirkungen des Flüchtlingsstroms an der Schweizer Grenze zu spüren. Bisher sei noch alles ruhig, sagte Einsatzoffizier Fabio Ghielmini vom Grenzwachtkorps IV Lugano.

Konkrete zusätzliche Massnahmen seien derzeit nicht vorgesehen. «Doch wir haben die Möglichkeit, innerhalb von ein bis zwei Tagen Verstärkung aus anderen Schweizer Regionen anzufordern», sagte Ghielmini weiter.

Die Grenzwächter konzentrierten sich vor allem auf den Bahnhof Chiasso. «Rund 90 Prozent aller illegalen Einwanderer aus afrikanischen Ländern, die in die Schweiz einreisen wollen, versuchen dies im Zug.»

(sda)