Gletscher-Initiative

08. August 2018 11:21; Akt: 08.08.2018 21:35 Print

Schweiz soll bis 2050 Benzin verbieten

Eine radikale Initiative fordert für die Schweiz den Ausstieg aus der fossilen Energie bis Ende 2050. Hinter der Initiative stehen Bauern, Wissenschaftler und Kulturschaffende.

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Bis spätestens 2050 soll in der Schweiz kein fossiler Kohlenstoff mehr in den Verkehr gebracht werden. Das fordert die sogenannte Gletscher-Initiative, die im kommenden Frühling lanciert wird. Konkret soll der Einsatz von fossilen Brenn- und Treibstoffen – also Erdöl, Erdgas und Kohle – verboten werden. Ölheizungen und Benzinmotoren gehörten dann definitiv der Vergangenheit an.

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Hinter der Volksinitiative stehen Förster, Bauern, Wissenschaftler und Kulturschaffende. Kopf des Vereins ist der Umweltjournalist Marcel Hänggi (49). Mit der Initiative wolle man erreichen, dass die Schweiz das Pariser Klimaabkommen, das den globalen Temperaturanstieg auf deutlich unter 2 Grad beschränken will, auch wirklich umsetze.

Regierungen zur Einhaltung zwingen

«Das ist ein guter Vertrag, aber er enthält keine Instrumente, um die Regierungen zur Einhaltung ihrer Verpflichtungen zu zwingen. Also müssen das die Zivilgesellschaften in den einzelnen Ländern tun», sagt Hänggi gegenüber dem «Blick». Daher brauche es die Initiative.

Nirgends ist der Klimawandel in der Schweiz besser sichtbar als bei den schrumpfenden Gletschern – daher der Name der Initiative. Die Gletscher der Alpen seien kaum noch zu retten, sagt Glaziologe Wilfried Haeberli (71), der die Initiative mitträgt. Dennoch täten wir gut daran, alles zu unternehmen, um den Klimawandel zu verlangsamen. «Wenn wir zuwarten, verlieren wir weitere Optionen, auf die Veränderungen sinnvoll und rechtzeitig zu reagieren», so der Wissenschaftler. Beispielsweise beim Umgang mit Dürren oder bei der Überhitzung der Städte.

«Wir haben eine Vorbildrolle»

Auch Förster Noah Zollinger gehört zu den Gründungsmitgliedern des Vereins. «Der Wald ist ein träges Ökosystem», sagt er. «Aber solch extreme Verhältnisse, wie wir sie jetzt haben, kann selbst er nicht mehr ausgleichen.» Nun brauche es eine breite Bewegung aus der Bevölkerung, um Druck auf die Politik auszuüben.

Klima-Koordinatorin Susanna Niederer (51) pflichtet bei: «Wenn wir beim Klimawandel nicht vorangehen, dann ist das eine Beleidigung für unser einzigartiges politisches System, unsere finanzielle Stärke und Innovationskraft.» Niederer sagt weiter: «Wir können nicht den Indern und Chinesen sagen, sie mögen bitte zum Klima schauen, und wir machen so weiter wie bisher. Wir haben eine Vorbildrolle.»

(sul)