Politiker fordern

13. März 2015 10:16; Akt: 13.03.2015 10:16 Print

Schweiz soll zum Gamer-Mekka werden

von J. Büchi - Gamer kiffen viel und leisten wenig für die Gesellschaft? Weit gefehlt. Auf sie setzen Politiker wie Jacqueline Fehr (SP) grosse Hoffnungen.

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Die Schweizer Politik soll die «Zukunftsbranche» Game-Entwicklung fördern. Das verlangt SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr in einem Postulat vom Bundesrat. Sie sagt: «Die Schweiz könnte ein regelrechtes Gamer-Mekka werden.» Gaming-Events würden die Leute in Scharen anlocken, in der Industrie würden neue Arbeitsplätze geschaffen. Denn die Schweizer Game-Entwicklerszene steht in voller Blüte: Das Spiel «Merge» von Dominik Haas und Martina Hugentobler war für den Indie Prize an der Casual Connect in Amsterdam nominiert. Überflieger: «First Strike» von Blindflug erhielt in Amsterdam den Indie-Prize-Award «Best Mobile Game». Blindflug befindet sich derzeit generell in einem Höhenrausch: Das neue Spiel «Rogallo» hat an der Ausstellung GDC Play an der Game Developers Conference die Auszeichnung «Best in Play» erhalten, ebenso wie... ... das Game «Feist» von Florian Faller und Adrian Amstutz. Das Game soll dieses Jahr endlich erscheinen. Beinahe Kunst: «Schlicht» vom Team Schlicht wurde mit Ubisofts Blue-Byte-Newcomer-Award ausgezeichnet und war ebenfalls für den Indie Prize an der Casual Connect in Amsterdam nominiert. Ebenfalls in Amsterdam nominiert waren «Dur» von Goran Saric und Don Schmocker, sowie ... «Niche» von Team Niche. Ein International Mobile Gaming Award als «Best Upcoming Game» könnte dem Erderkundungsspiel «Mikma» von Nadezda Suvorova in London winken. Am renommierten Independent Game Festival in San Francisco ist das zweideutige Spiel «Plug & Play» von Mario von Rickenbach, Michael Frei und dem Etter Studio für den Nuovo Award nominiert. Stahl den Moviestars die Show: Der Vogelflugsimulator «Birdly» sorgte am Sundance Film Festival für Furore. In der Liste der Top 50 Startups für Investoren wurden die Genfer Studios Apelab ... ... und Karios Games (im Bild: «Monster Up») aufgenommen.

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Wenn sich die Schweizer Politik in der Vergangenheit mit dem Thema Games beschäftigt hat, ging es um «Massnahmen gegen die Abhängigkeit von Online-Games» oder darum, dass gewalttätige Spiele «nicht mehr in Kinderstuben landen». Ganz anders kommt ein Vorstoss daher, den Jacqueline Fehr (SP) am Donnerstag im Parlament eingereicht hat: Sie fordert den Bundesrat dazu auf, «das künstlerische, das wissenschaftliche und das wirtschaftliche Potenzial der Game-Industrie» in einem Bericht aufzuzeigen.

Es solle dargelegt werden, wie die Politik diese «Zukunftsbranche» fördern kann. Auf Anfrage führt Fehr aus: «Wir müssen nun endlich mit dem Klischee der faulen Gamer und der gefährlichen Spiele aufräumen: Die Game-Entwicklung ist eine enorm komplexe und spannende Branche, die bislang kläglich unterschätzt wurde.» Nun müsse die Schweiz ihre «Scheinwerfer» auf diesen Wirtschaftszweig richten und das brachliegende Potenzial nutzen.

«Attraktive Jobs»

«Die Schweiz könnte ein regelrechtes Gamer-Mekka werden», schwärmt Fehr. Gaming-Events würden die Leute in Scharen anlocken, in der Industrie würden neue Arbeitsplätze geschaffen. «Es ist gefährlich, sich nur auf die bisherigen Wirtschaftszweige wie den kriselnden Finanzplatz zu stützen.»

Ratskollegen aus allen politischen Lagern unterstützen den Vorstoss. Lukas Reimann (SVP) sagt: «Wenn man sich an die verpixelten Games von vor 15 Jahren erinnert und diese mit den technologischen Kunstwerken von heute vergleicht, kann man sich vorstellen, wie viel Forschung und Geld in diesem Wirtschaftszweig steckt.» Die Schweiz sei bekannt für ihre Innovationsfähigkeit und die hohe Qualität ihrer Produkte. «Da wäre es doch schade, wenn wir den Lead in diesem Bereich anderen überlassen würden.» Zudem würden attraktive Arbeitsplätze winken: «Ein Job in der Game-Entwicklung ist doch für viele junge Leute ein Traum.»

«Matchentscheidend» für Schweizer Wohlstand

Dieser Meinung ist auch Informatik-Unternehmer Ruedi Noser (FDP). «Die kreative Kulturindustrie ist schon heute eine feste Grösse in der Schweiz – dazu gehört nicht nur Gaming, sondern auch Video und andere Multimediabereiche.» Noser schätzt, dass die Branche schon heute halb so viel zum Zürcher Bruttosozialprodukt beiträgt wie die Banken. «Die Game-Industrie wird deshalb matchentscheidend sein, um den Wohlstand unseres Landes zu erhalten.»

Schätzungen zufolge erwirtschaften in der Schweiz 50 bis 60 Game-Entwickler-Firmen rund 50 Millionen Franken. Die Zürcher Hochschule der Künste bietet seit zehn Jahren einen Studiengang Game Design an. Und die 15 bis 18 Studienplätze, die jährlich zur Verfügung stehen, sind heiss begehrt: Fast jährlich steigt die Zahl der Bewerbungen an – in den letzten Jahren bemühten sich jeweils rund 50 Personen um eine Aufnahme.

Entwickler fordern Steuerbefreiungen

Laut Matthias Sala, dem Präsidenten der Swiss Game Developers Association, wäre das Umsatzpotenzial bei den richtigen Rahmenbedingungen «nach oben praktisch offen». Dies zeigten kleine Länder wie Finnland, das Berichten zufolge mit Games rund 900 Millionen Euro pro Jahr umsetzt. «Dafür müssen Games aber denselben Stellenwert erhalten wie andere Medien», so Sala. Auch eine Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – wie etwa Steuerbefreiungen – seien nötig.

Diese Möglichkeiten will Fehr prüfen lassen. Für sie wären insbesondere zusätzliche Ausbildungsplätze begrüssenswert. «Auch Start-up-Programme, eine Unterstützung im Rahmen der Kulturförderung oder eine gezielte Zusammenarbeit der verschiedenen Bildungsinstitutionen wären Optionen.» Allerdings kann sie nicht in allen Punkten auf die Unterstützung ihrer Mitunterzeicher zählen. Ruedi Noser betont: «Eine staatliche Förderung kommt nicht in Frage. Es reicht, wenn wir die Branche in Ruhe lassen und ihr keine unnötigen Steine in den Weg legen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Luca 0_ô am 13.03.2015 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Dafuq

    Seit wann ist eines der "Gamer-klischees" das wir viel kiffen?!

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  • Marius Müller am 13.03.2015 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Gamer

    Unternehmen sollen Steuern bezahlen. Auch coole Wirtschaftszweige.

  • scheronimo am 13.03.2015 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    dazu brauchts ein Umdenken

    naja vor kurzem wurden die Diplomarbeiten der Game-Designer an dieser Hochschule der Künste präsentiert. Was es da zu sehen gab, interessiert vielleicht drei bis fünf jährige Kinder. Wenn das die Zukunft sein soll, dann gute Nacht. Oder vielleicht sollte man einfach den Game-Design Studiengang in eine technische statt künstliche Bildungsinstitution übergeben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans Knecht am 14.03.2015 22:17 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Entwickler!

    Sehe es auch so in anderen Branchen. Damit die Schweiz als Entwicklungsstandort überhaupt eine Chance hat muss das Steuersystem überdacht werden und idealerweise wie früher weg mit der Mehrwertsteuer und weg mit der Umsatzsteuer und dafür eine Gewinnsteuer. Oder man schüttet kräftig Subventionen aus, aber dies generiert wiederum einen Verwaltungsaufwand in Bern.

  • Vetterli Wirt am 14.03.2015 18:42 Report Diesen Beitrag melden

    Mit welchem Recht soll diese Branche

    mit Millionen gefördert werden? Wenn sie und ihre Produkte was taugen, dann brauchen die keine Subventionen. Oder denke ich Böses und in der Verwandtschaft von Frau Fehr hat es.....

  • Mäse am 13.03.2015 22:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum so negativ?

    Das ist jetzt doch mal wirklich eine ausgezeichnete Idee.

  • ghostrider am 13.03.2015 22:14 Report Diesen Beitrag melden

    kiffgames

    Seit wann ist eines der "Gamer-klischees" das wir viel kiffen?! seit wann macht ihr den was nützliches für die Gesellschaft?

    • Patrik Dünki am 14.03.2015 12:17 Report Diesen Beitrag melden

      Hör mal zu

      Seit wann? Man hört dies ja immer wieder und es gibt ja auch einige Gründe dafür.

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  • mike myers am 13.03.2015 22:09 Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Billag abschaffen, das währe an der zeit, auch wen ich gern game, sollen entwickler die kosten selber tragen, gleiche mit musiker usw. Oder laufen die gewinnen zurück in staat?