Flüchtlinge

04. April 2011 20:09; Akt: 05.04.2011 08:36 Print

Schweiz verstärkt Grenzkontrollen

Am Wochenende kamen deutlich mehr Flüchtlinge als normalerweise in die Schweiz. An der Grenze zu Italien werden deshalb die Kontrollen verstärkt. Eine Drohne steht im Einsatz.

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Am ereignet sich ein weiteres Flüchtlingsdrama. Vor Tunesien kentert ein Boot mit 850 Menschen. Ein Flüchtlingsschiff mit über 500 libyschen Flüchtlingen läuft vor dem Hafen von Lampedusa auf Grund. In einer Massenpanik hatten sich viele der verzweifelten Menschen - darunter auch schwangere Frauen und kleine Kinder - ins Wasser gestürzt. Dabei sind offenbar mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Einer der 53 Überlebenden der Flüchtlingstragödie erhält medizinische Betreuung. Die italienischen Behörden befürchten bis zu 250 Tote, nachdem ein völlig überladenes Flüchtlingsboot in einem schweren Sturm gekentert war. Auch diese schwangere Frau hat die Tragödie überlebt. Noch am frühen Morgen wurden die Überlebenden in Lampedusa von Bord des Rettungsbootes geholt. Die Hoffnung, weitere Überlebende bergen zu können, ist mittlerweile sehr gering. Ein Flüchtlingsboot ist in der Nacht vor Lampedusa in einen schweren Sturm geraten. Etwa 200 Immigranten gingen dabei über Bord. Sechs Stunden nach dem Schiffbruch waren bereits 20 Leichen geborgen. 48 Menschen konnten bis zum Morgen gerettet werden. Darunter sind auch Schwerverletzte. Nach Angaben des Hafenamtes handelt es sich höchstwahrscheinlich nicht um Tunesier, sondern um Menschen, die aus Libyen geflohen sind. Die italienische Polizei hat 98 Flüchtlinge von einem sinkenden Boot vor der Mittelmeerinsel Lampedusa geborgen. Sie wurden mit Hubschraubern nach Lampedusa in Sicherheit gebracht. Hunderte von Immigranten flüchteten aus einem süditalienischen Lager bei Taranto und versuchten, in Zügen Richtung Norden zu fahren. Es ist nicht die erste Episode dieser Art. Viele Tunesier wollen nach Frankreich. Vor der Grenze erwartet sie jedoch ein anderes Aufnahmelager. Mit einem Hungerstreik und einer Brandstiftung auf der Mole von Lampedusa hatten Flüchtlinge auf Lampedusa einen raschen Abtransport von der Insel verlangt. Doch der Transport der Migranten in andere Auffanglager gestaltet sich langsamer als angekündigt . Westwind und hoher Seegang verhinderten tagelang das Anlegen von Schiffen und erschwerten so die Verteilung der Flüchtlinge auf andere Lager. Schliesslich konnte ein Passagierschiff im Hafen der Insel anlegen, wie italienische Medien berichteten. Mit dem Schiff sollten im Laufe des Tages circa 1700 Immigranten Lampedusa verlassen. Dies sei etwa die Hälfte der noch auf der Insel ausharrenden Tunesier. Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi hatte versprochen, das überfüllte Eiland werde innert 48 Stunden frei von Flüchtlingen sein. Im Rahmen seines Kurzbesuches nutzte der Cavaliere auch die Chance, die zweistöckige Villa mit Meerblick zu besichtigen, die er dieser Tage erworben hat. «Villa Zwei Palmen» heisst das neue Berlusconi-Haus mit Garten direkt am Meer, das im Internet für einen Kaufpreis von 1,9 Millionen Franken angeboten wurde. Die weisse Villa mit grossen Palmen im Garten liegt nicht weit vom Flughafen der Insel entfernt. Italienische Medien beschreiben die Situation unter den noch verbleibenden Flüchtlingen auf Lampedusa als «zunehmend unerträglicher». Im Hafen der Insel wurde die Registrierung der Flüchtlinge fortgesetzt. In langen Schlangen warteten sie darauf, fotografiert zu werden und Fingerabdrücke abzugeben. Seit Wochen herrschen unhaltbare Bedingungen auf der kleinen Insel, die mehrheitlich von der Fischerei und dem Tourismus lebt. An den Strassen häufen sich Abfallberge, die nun den Namen «Hügel der Schande» bekommen haben. In den Strassen ist der Geruch unerträglich. Die Migranten leben in behelfsmässig eingerichteten Zeltlagern, viele schlafen seit Wochen im Freien und haben nicht ausreichend zu essen. Italiens Aussenminister Franco Frattini verlangte unterdessen, dass auch andere EU-Länder einen Teil der Flüchtlinge aus Nordafrika aufnähmen. «Es ist bemerkenswert, wie wenig Solidarität die europäischen Länder zeigen», erklärte er. Amnesty International kritisiert den Umgang mit den Flüchtlingen: Sie seien unter «entsetzlichen» Bedingungen sich selbst überlassen worden, erklärte die Menschenrechtsgruppe. Doch auch seitens der Inseleinwohner war Kritik laut geworden: «Die Tunesier haben die Insel besetzt und damit begonnen, die Menschen in ihren Häuser zu bedrohen», sagte der Gouverneur der Region Sizilien, Raffaele Lombardo. Sie forderten wiederholt Hilfe aus Rom an.

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Das Grenzwachtkorps hat zusätzliche Kräfte aus anderen Kantonen angefordert. Die Entscheidung für eine Verstärkung der Kontrollen fiel, nachdem am vergangenen Wochenende deutlich mehr Asylsuchende an den Tessiner Grenzübergängen registriert wurden als in den Wochen zuvor.

50 statt 15 Tunesier eingereist

Wie der Medienverantwortliche des Grenzwachtkorps, Davide Bassi, am Montag mitteilte, hatten zwischen Freitag und Sonntag rund 50 Tunesier versucht, in die Schweiz einzureisen. Die meisten beantragten Asyl. Bislang seien es in einem vergleichbaren Zeitraum maximal 10 bis 15 Personen gewesen.

In der Regel würden die Flüchtlinge im Zug aufgegriffen, ergänzt Bassi. In den vergangenen Tagen habe es aber auch Fälle gegeben, bei denen Migranten im Auto illegal in die Schweiz einreisen wollten. «Schlepper lassen sich solche Fahrten von den Flüchtlingen teuer bezahlen», erläuterte Bassi.

Drohne unternimmt Aufklärungsflüge

Insgesamt werden voraussichtlich 20 zusätzliche Grenzwächter im Tessin eingesetzt. Technische Unterstützung bekommt das Korps durch den Einsatz einer Drohne. Das unbemannte Fluggerät unternimmt - vorwiegend nachts - Aufklärungsflüge entlang der Grenze.

Anhand von Bodenaufnahmen, die das Militärgerät zur Verfügung stellt, können die Grenzwächter erkennen, ob sich verdächtige Personen im Grenzgebiet aufhalten.

(sda)