Unwetter

27. Juli 2014 11:06; Akt: 27.07.2014 11:36 Print

Schweiz zittert vor nächstem Regen

Die stärksten Regengüsse sind vorbei, nun folgt flächiger Niederschlag. In Zürich werden deshalb vorsorglich die Seepegel gesenkt und in Schangnau Brückenpfeiler verstärkt.

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Die Gemeinde Schangnau BE wappnet sich für den angekündigten Regen von morgen: Heute werden Brückenpfeiler gesichert und Seitenarme der Emme ausgebaggert. «Forstarbeiter müssen massenhaft Holz aus den Seitenarmen der Emme entfernen – sonst staut sich das Wasser bei weiteren Regenfällen. Es könnte sonst zu Sturzfluten kommen», sagt Georges Wüthrich, Info-Chef Führungsstab Emmental. Weiter werden Sprengungen vorbereitet, um Geröll aus den Seitenarmen der Emme zu schaffen.

Die Touristen aus dem Kemmeribodenbad konnten mittlerweile abreisen, weiter abgeschnitten ist aber die Rosegg. «Den Menschen dort geht es den Umständen entsprechend – der viele Regen am Samstag und die drohende Gefahr hat ihnen aufs Gemüt geschlagen», sagt Wüthrich weiter. «Wir halten ein Auge auf Touristen und raten dringlichst davon ab, in das Katastrophengebiet zu fahren. Es ist gefährlich, Ufer können unterspült sein.»

Kühe hatten nichts mehr zu fressen

Abgeschnitten sind auch Kühe auf den Alpen oberhalb von Schangnau: Wegen des schlechten Wetters können sie nicht in Sicherheit gebracht werden. «Ein Helikopter flog am Samstag ein Fuder Heu auf die Soibodenalp – die Tiere hatten nichts mehr zu fressen», sagt Wüthrich weiter.

Die Wetterprognose für die kommenden Tage ist sehr schlecht: «Wir rechnen mit hundert Liter Niederschlag bis Donnerstag», so Wüthrich. Bereits am Samstag hatte es wieder kräftig geregnet, 70 Einsatzkräfte hatten in Sicherheit gebracht werden müssen.

Der private Wetterdienst MeteoNews rechnet mit flächigen Regenfällen auf der ganzen Alpennordseite – beginnend am Montagnachmittag. Bis Donnerstag werden zwischen 30 und 70 Liter an Niederschlägen erwartet, genaue Prognosen seien bei der aktuellen Wetterlage schwierig. Ein grossflächiges Hochwasser bleibe aber höchstwahrscheinlich aus, kleinere und mittlere Flüsse könnten aber schnell Probleme bereiten.

Sihlsee und Zürichsee werden abgesenkt

In der Region Zürich werden zurzeit die Pegelstände von Sihl- und Zürichsee abgesenkt. So werde Rückhaltekapazitäten geschaffen, wie Stefan Oberlin vom Mediendienst der Kantonspolizei Zürich mitteilt. Weil die Wasserstände von Limmat und Sihl dadurch wieder ansteigen, wurde der Schifffahrtsbetrieb auf der Limmat bis auf Weiteres eingestellt.

Letzten Donnerstag meldete die Hochwasser-Fachstelle, die Hochwassersituation habe sich im ganzen Kanton Zürich entspannt, die Pegel der Flüsse und Bäche seien stark zurückgegangen und die Wasserstände der Seen seien im Sinken begriffen, weisen aber weiterhin hohe Pegelstände auf. Für die Bevölkerung bestehe keine Gefahr. Aus Sicherheitsgründen seien aber Aktivitäten in der Nähe von Gewässern zu unterlassen. Der Hochwasserstab warnt ausdrücklich davor, sich auf oder in Fliessgewässer zu begeben.

(smü/pwe/sda)