Vorstoss von SVP-Aeschi

30. Juli 2017 21:03; Akt: 30.07.2017 21:03 Print

Schweizer Flüchtlingslager in Tunesien?

Der Zuger SVP-Nationalrat Thomas Aeschi will afrikanische Asylbewerber in einem Lager in Tunesien unterbringen. Das koste die Schweiz weniger.

storybild

Der Zuger SVP-Nationalrat reist derzeit durch Tunesien und Algerien. Er will dort Flüchtlingslager finanzieren. Im Februar 2016 war Aeschi mit anderen Politikern in Eritrea (Bild) um die dortige Menschenrechtslage zu prüfen. (Bild: Keystone/Thomas Aeschi)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Trotz geringer Chancen auf Asyl und einer gefährlichen Reise übers Mittelmeer träumen Tausende Afrikaner von einer Zukunft in der Schweiz. Der Zuger SVP-Nationalrat Thomas Aeschi ist derzeit in Tunesien und Algerien unterwegs, um die Lage vor Ort zu prüfen, berichtet die «Zentralschweiz am Sonntag».

Aeschis Reise steht im Zusammenhang mit einem Vorstoss, mit dem er den Bundesrat auffordern will, Auffanglager in Tunesien zu finanzieren. Dorthin sollen abgewiesene Ayslbewerber aus Afrika abgeschoben werden.

Tunesier sind skeptisch

Tunesien würde mit einer einmaligen Pauschale von 10’000 Franken entschädigt werden. Die Schweiz würde damit die Kosten im Asylwesen senken können und würde als Zielland unattraktiver.

Aeschis Gespräche in Tunesien zeigen aber, dass Behördenvertreter der Idee skeptisch gegenüberstehen. Doch der SVP-Politiker ist überzeugt, dass Tunesien mitmachen würde, wenn der Preis stimmt.

Der 38-jährige Politiker kann sich auch Lager in Syrien oder Afghanistan vorstellen. Das Staatssekretariat für Migration (SEM), das für das Asylwesen zuständig ist, will Aeschis Pläne nicht kommentieren. Bekannt ist, dass die Schweiz schon jetzt eine Million Franken zahlt, damit Flüchtlinge von Libyen aus in ihre Heimatländer reisen können. Bis 2020 sollen zudem 54 Millionen Franken für Projekte eingesetzt werden, die die Ursachen der Migration bekämpfen.

Tunesien ist nicht geeignet

Eduard Gnesa, ehemaliger Sonderbotschafter für Migrationspartnerschaften, glaubt gemäss dem Bericht in der «Zentralschweiz am Sonntag» nicht, dass eine Kooperation mit Tunesien möglich ist. «In Tunesien leben eine Million Libyer und zahlreiche Migranten.» Zudem leide das Land unter hoher Arbeitslosigkeit. Ein von der Schweiz finanziertes Auffanglager könnte zudem sogar eine Sogwirkung aus Asylsuchende haben, so Gnesa.

(zum)