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20. November 2019 20:31; Akt: 20.11.2019 20:31 Print

Schweizer Firma sucht explizit nach Ausländern

Eine Leserin entdeckte ein Inserat, in dem nur ausländische Arbeitnehmer gesucht werden. Der Autor spricht von einem Missverständnis.

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Ein Inserat auf Facebook sorgt derzeit für Aufsehen: Darin wird explizit nach «Mitarbeitern mit Migrationshintergrund» gesucht. Es ist nicht das erste Mal, dass Stelleninserate in der Vergangenheit für Wirbel sorgten. Ein Gastrofirma suchte hier explizit einen männlichen Geschäftsführer. Die Inhaberin von Hong Kong Food Paradise sagte damals auf Anfrage: «Wir haben gezielt nach einer männlichen Person gesucht, weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass diese zeitlich flexibler ist.» Raucher haben es ebenfalls nicht einfach. So schreiben Firmen explizit ins Anforderungsprofil, dass sie nur Nichtraucher suchen. Im Anforderungsprofil der Lotus Beauty GmbH aus dem st.gallischen Zuzwil heisst es etwa: «Nichtraucher/kein Gelegenheitsraucher». Als S. Arifi dieses Stellenangebot liest, ist sie schockiert: «Wie kann so etwas in einem Jobinserat stehen?» Es werden Menschen aus bestimmten Ländern wie Brasilien, Kroatien, Albanien... etc. bewusst ausgrenzt. S. Arifi: «Ich empfinde diese Stellenanzeige als diskriminierend. Die Schweiz ist doch ein multikulturelles Land. Rassismus muss bekämpft werden.» Auch das Wort «Eidgenosse» taucht immer wieder in Stelleninseraten auf und sorgt für rote Köpfe. Hier suchte beispielsweise eine Firma aus Rossrüti SG einen Eidgenossen, der Schweinefleisch isst. 2013 sorgte diese Stellenanzeige für grosse Aufruhr, ... ... weil nur Bewerbungen von Eidgenossen berücksichtigt wurden. Schon etwas älter. Dieses Inserat sorgte 2011 für Aufregung.

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«Ich finde es ja gut und recht, dass Ausländer hier die Chance auf eine Stelle bekommen. Aber bei so einer Formulierung fühle ich mich als Schweizerin sehr diskriminiert», schimpft eine Leser-Reporterin. Sie stiess am Sonntagabend auf Facebook auf ein fragwürdiges Inserat. Darin werden für den Aufbau eines Unternehmens «motivierte Mitarbeiter mit Migrationshintergrund» gesucht. Explizit seien folgende Nationalitäten von besonderem Interesse: Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich, Brasilien, Chile, China und Indien. Vorkenntnisse seien keine nötig.

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Die 34-Jährige ist fassungslos: «Ich habe mich gestern tödlich aufgeregt und finde es eine Sauerei. Es gibt genügend Schweizer, die selber einen Job suchen.» Die Leserin glaubt, dass das Unternehmen ausschliesslich auf der Suche nach billigen Arbeitskräften sei. Zudem sei es dubios, dass der Verfasser der Jobausschreibung keine weiteren Details zum Unternehmen preisgeben wollte.

Dieser Meinung sind auch andere User. Über 100 Kommentare, zumeist negative, waren am Montag unter dem Beitrag zu finden. Viele kritisieren dabei die Formulierung betreffend dem Migrationshintergrund und die schwammige Angabe zum Unternehmen. Die Mutmassungen gehen von Finanzsystem über Bitcoin-Firma bis hin zu einem Schneeballsystem.

Personalleiter rudert zurück

Doch was steckt wirklich dahinter? Auf Anfrage von 20 Minuten gibt sich der Personalleiter des Start-up-Unternehmens wortkarg: «Da es ein Online-Unternehmen ist, suche ich Mitarbeiter, die an den jeweiligen Standorten harmonieren. Dabei geht es vor allem um die Mentalität und die Kultur der Arbeitnehmer.» Wo der kulturelle Unterschied zwischen Österreichern, Deutschen und Schweizern denn liege, konnte der Verfasser nicht ausführen. Auch in welchem Bereich die Firma tätig ist, will der Personalleiter nicht genau sagen.

Dass er gezielt ausländische Arbeitnehmer wegen des Lohns suche, verneint er aber. «Bei uns gibt es für alle den gleichen Lohn. Egal, welche Nationalität.» Zudem seien auch mehrere Schweizer im Unternehmen beschäftigt. Nach der Kritik räumt der Personaler ein: «Vielleicht habe ich den Beitrag unglücklich formuliert. Ich wollte nicht, dass sich jemand benachteiligt fühlt»

«Inserat ist schräg, aber rechtlich nicht zu beanstanden»

Laut Personalexperte Matthias Mölleney ist es erlaubt, Arbeitnehmer aufgrund von Merkmalen direkt zu suchen. «Wenn man beispielsweise eine Stelle als Flight-Attendant zu vergeben hat, dann eignet sich eine körperlich beeinträchtigte Person einfach nicht. Das darf auch von Anfang an klar kommuniziert werden.» Bedingung sei allerdings, dass man die speziellen Anforderungen sachlich begründen können müsse. «Wenn man beispielsweise einen Texter sucht, dann ist es bedeutungslos, welche Nationalität dieser hat, solange die Deutschkenntnisse gewährleistet sind», sagt Mölleney.

Aus rechtlicher Sicht sei der Schutz für Bewerber allerdings schwach, sagt Roger Rudolph, Professor für Arbeitsrecht an der Uni Zürich. Das gelte bei Stellenausschreibungen sogar für die Geschlechterdiskriminierung. Es komme dazu, dass aus strafrechtlicher Sicht die Diskriminierung einer blossen Nationalität noch keine Rassendiskriminierung darstelle. «Schliesslich bedeutet das Suchen nach Leuten mit einem Migrationshintergrund auch nicht zwingend, dass beispielsweise eingebürgerte Schweizer ausgeschlossen sind», so Rudolph. Sein Fazit: «Das Inserat ist, so schräg es auch in der Landschaft liegt, rechtlich nicht zu beanstanden.»

Welche Stelleninserate in der Vergangenheit ebenfalls für Aufsehen gesorgt haben, sehen Sie oben in der Bildstrecke.



(juu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Doppelmoral am 20.11.2019 20:46 Report Diesen Beitrag melden

    Der Witz des Tages

    "Inserat ist schräg, aber rechtlich nicht zu beanstanden." aber wenn ich nur nach Schweizern suche ist es diskriminierend, wie wir ja in der Vergangenheit aus den Medien vernehmen konnten.

    einklappen einklappen
  • SZ am 20.11.2019 21:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitswelt adee

    Ist ja klar die wollen möglichst billige Arbeitskräfte Damit der Profit gesteigert werden kann Bin froh diese Arbeitswelt hinter mir zu haben

    einklappen einklappen
  • mg4e am 20.11.2019 21:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch die Schweizer werden "diskriminiert"

    Wenn das siebte Bild diskriminierend sein sollte, dann ist doch das erste Bild auch diskriminierend...

Die neusten Leser-Kommentare

  • ddgg am 21.11.2019 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    Politisch korrekt ist schön, aber...

    Als Chef (der den Lohn bezahlt) darf ich doch wohl wählen, wen ich einstelle? Zudem habe ich meist eine genaue Vorstellung von dem, was ich suche. Jetzt stellt sich halt die Frage, ob ich die Stelle dann "politisch korrekt" ausschreiben soll und im Endeffekt doch nach meinen Vorstellungen einlade/einstelle - oder ob ich halt fairerweise schon im Inserat gewisse Kriterien nenne und vielen das vergebliche Bewerben erspare?

  • gloria derungs am 21.11.2019 16:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das macht auch sinn

    ist schon ok, unser unternehmen stellt ja auch nur richtige schweizer und schweizerinnen ein. da gibts kein kompromiss.

  • Grunter am 21.11.2019 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    Krass

    Wer sich auf eine Stelle über FB bewirbt, dem ist schon von Anfang an nicht mehr zu helfen.

  • Tom Wider am 21.11.2019 14:24 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht auch anders

    Bin gerade die Liste unserer New Joiner im Jahr 2019 durchgegangen. 74% haben Migrationshintergrund, 48% kommen direkt aus dem Ausland zu uns. Branche: Finanzsektor. Bei uns werden sehr gute Löhne bezahlt, aber auch so gibt der CH-Markt aufgrund zu tiefer Gerburtenzahlen wenig her. Wer Nachhaltigkeit will muss sich für ein paar zusätzliche Kinder einsetzen.

  • Milootin am 21.11.2019 14:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich

    Überall flexible 50% Stellen. Einfach Kaaaaaaataaaaaastrophe. Und jeder Tag: kannst länger bleiben heute und alles "for free".