Korruption

09. Dezember 2011 06:13; Akt: 09.12.2011 10:02 Print

Schweizer Firmen setzen auf Whistleblower

Die 20 grössten Schweizer Unternehmen erhalten in einer neuen Studie gute Noten für ihre Korruptionsbekämpfung. Sie wollen aber noch besser werden und weitere Fortschritte erzielen.

storybild

Immer mehr Schweizer Unternehmen bauen Whistleblower-Alarmsysteme auf. (Bild: colourbox.com)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das Misstrauen gegenüber Whistleblowern, also Mitarbeitern, die bei Betrug oder Betrugsverdacht Alarm schlagen, ist in der Schweiz noch immer gross. Doch der Wind dreht: Immer mehr Unternehmen garantieren ihren Schutz und bauen neue Whistleblower-Alarmsysteme auf. Viele der grossen Schweizer Firmen seien zur Einsicht gelangt, dass ein Missbrauchs- oder Betrugsfall auf diese Weise schnell und – vor allem – intern abgewickelt werden könne, heisst es in der am Freitag publizierten Studie der Anlagestiftung Ethos und der Antikorruptions-Organisation Transparency International Schweiz.

Von den 20 im SMI gelisteten Unternehmen garantieren gemäss der Erhebung 17 den Schutz von Whistleblowern, sofern sie in Treu und Glauben handeln. 15 davon nehmen auch anonyme Warnungen entgegen. 12 Unternehmen bieten zudem mehrere Alarmierungswege an. Der Agrarchemiekonzern Syngenta etwa hält in einem Kodex fest, keinerlei Repressalien gegenüber Mitarbeitenden zuzulassen, die auf Verstösse aufmerksam gemacht haben. Der Pharmariese Novartis hat eine Anlaufstelle geschaffen. Der Personalvermittler Adecco arbeitet mit einer externen Firma zusammen, die eingehende Warnungen sammelt und den Verantwortlichen mitteilt.

Keine verbindlichen Regeln

Die Studie hält aber auch fest, dass nur zwölf der analysierten Unternehmen ihre Angestellten verpflichten, Missstände auch wirklich zu melden. Ausserdem ermutige kein Konzern Mitarbeitende mittels einer Belohnung, diesen Schritt zu wagen. «Sie befürchten negative Auswirkungen, vor allem in Form ungerechter Anschuldigungen», schreiben die Studienverfasser.

In der Privatwirtschaft gibt es, im Gegensatz zum öffentlichen Sektor, noch keine verbindliche Regeln, was zu sehr unterschiedlichen Praktiken innerhalb der Unternehmen führe. Gegenwärtig ist eine Teilrevision des Obligationenrechts in der Vernehmlassung, mit der ein besserer Kündigungsschutz für Whistleblower erreicht werden soll. Es sei wünschenswert, einen verbindlichen Rahmen zu schaffen, da der Aufbau eines Systems zur Aufdeckung von Korruptionsfällen ein zentrales Element eines guten Antikorruptionsprogramms darstelle, heisst es im Bericht abschliessend.

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.