Flagship-Initiative

26. Februar 2012 20:37; Akt: 27.02.2012 05:52 Print

Schweizer Forscher streiten um EU-Milliarde

Drei Projekte von Schweizer Forschern haben die Chance auf eine Milliarde Euro aus dem Forschungstopf der EU. Ihre Kollegen fürchten, dass dann für sie kein Geld mehr bleibt.

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Die Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne bewirbt sich unter anderem mit dem Human Brain Projekt. (Bild: Keystone)

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Es ist ein noch nie da gewesenes Mega-Projekt: Mit einer Milliarde Euro sollen in den nächsten zehn Jahren im Rahmen der EU-Flagship-Initiative ein oder zwei Wissenschaftsprojekte gefördert werden. Die Chancen, dass ein grosser Teil des Geldes in die Schweiz fliesst, stehen gut: Unter den sechs ­Anwärtern auf die Forschungsmilliarde sind drei Projekte der ETH Zürich und EFPL in Lausanne – Human-Brain, Futur-ICT und Guardian Angels (siehe weiter unten). Voraussichtlich Anfang 2013 entscheidet die EU.

«Für die Schweiz ist das eine einmalige Chance», sagt Hermann Amstad, Generalsekretär der Akademie der Medizinischen Wissenschaften. Nur: Längst nicht alle Forscher hoffen auf einen Schweizer Erfolg. «Viele haben Angst, dass dadurch bei ihren eigenen Forschungsprojekten gespart werden müsste», sagt Amstad. Die EU zahlt nämlich nur die Hälfte der Forschungsmilliarde. Den Rest müssen die beteiligten Länder und Institutionen aufwerfen. «Die ETH müsste sicher Prioritäten setzen», bestätigt Jürg Burri, stellvertretender Direktor des Staatssekretariats für Bildung und Forschung. Ein Grossteil der bereits geleisteten und national finanzierten Projektarbeit könne aber wohl an die halbe Milliarde angerechnet werden.

Die Akademien der Wissenschaften führen nun Veranstaltungen zu den Projekten durch – auch um die Akzeptanz der Forscher zu erhöhen.

Computer soll den Arzt ersetzen

Eines der spektakulärsten Projekte ist IT Future of Medicine, an dem die Uni Genf beteiligt ist. Die Forscher wollen alle möglichen Daten der Patienten wie Gene, Blutwerte oder die Krankengeschichte in den Computer einspeisen. Dieser würde dann quasi den Arzt ersetzen, Krankheiten diagnostizieren und für jeden Patienten personalisierte Rezepte und Medikamente berechnen. Ebenfalls um Computer und Gesundheit dreht sich das Projekt Human Brain der ETH Lausanne. Es will Funktionen des menschlichen Gehirns am Computer simulieren. Dadurch könnten Medikamente am PC entwickelt und getestet werden.

Nano-Sensoren und Weltkrisen

Das Projekt Guardian Angels der EFPL und der ETH hat zum Ziel, intelligente Sensoren für den menschlichen Körper zu entwickeln. Die Nano-Geräte sollen beispielsweise Blutdruck und Herzschlag der Menschen überwachen und im Notfall Alarm schlagen. Um Warnungen geht es auch beim Projekt Future-ITC der ETH Zürich: Es will das Wissen der Welt in einem riesigen Computer-Netzwerk sammeln und ein Modell der Weltgesellschaft entwerfen. Dadurch könnten dann etwa Finanzkrisen, Epidemien, Aufstände, Kriege und andere Katastrophen vorhergesagt werden.

(hal/20 Minuten)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Wow was für ein Triumpf für die Schweiz. Ich konnte es nicht glauben aber unsere (6 davon) Universitäten gehören scheinbar doch zu den 20 besten der Welt. Das zeigt ganz klar wo die Zukunft der Schweiz liegt. Ich hoffe das Geld fliest in den Nano - Medizinischen bereich :) – L.B.

Die Forschung soll frei sein von Politik und die Resultate frei transferiert werden. – Ron Stark

Wenn es darum geht, Geld von der EU abzuzügeln sind wir immer gerne dabei! Aber ja nicht der EU beitreten. Wir müssen unsere Wissenschaftsprojekte selbst finanzieren! Entweder oder... – Philip C.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel Düsentrieb am 26.02.2012 21:46 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Forschung schon lange Spitze!

    Warum sollen die Gelder nicht in CH Projekte fliessen? Die besten Forscher aus der EU sind sowieso schon an der ETH & EPFL

  • P. Niggli am 27.02.2012 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Mega-Wahnsinn

    Die EU steckt in einem gigantischen Finanzschlamassel und bastelt ein riesiges Rettungspaket für ihre bankrotten Mitglieder, das eigentlich niemand zahlen kann. Parallel dazu wird Geld verschleudert als gäbe es kein morgen. Wenn die Forscher wenigstens erforschen würden, wie man diesen finanzpolitischen Irrsinn stoppen könnte... Die CH sollte sich von diesem Wahnsinn fernhalten!

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  • Peter Maier am 26.02.2012 21:59 Report Diesen Beitrag melden

    Sicher nicht...

    .... das kanns ja nicht sein, dass die Schweiz neben Schwarzgeldern aus der EU nun auch Forschungsgelder aus der EU bezieht....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Walterli am 27.02.2012 15:47 Report Diesen Beitrag melden

    Prioritäten?

    Während in der EU die Armut empor klettert, wollen Forscher gleichzeitig die HighTech-Medizin und anderen Blödsinn pushen. Dafür hat man natürlich die nötigen Milliarden. Wer noch nicht sieht, in was für eine geteilte Gesellschaft wir laufen, dem ist nicht mehr zu helfen. In einigen Jahren werden die einen mit HighTech-Sensorik durch ihr Luxusleben laufen, während der Rest nicht wird wissen, wie sie den Lebensunterhalt zu bestreiten haben.

  • P. Niggli am 27.02.2012 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Mega-Wahnsinn

    Die EU steckt in einem gigantischen Finanzschlamassel und bastelt ein riesiges Rettungspaket für ihre bankrotten Mitglieder, das eigentlich niemand zahlen kann. Parallel dazu wird Geld verschleudert als gäbe es kein morgen. Wenn die Forscher wenigstens erforschen würden, wie man diesen finanzpolitischen Irrsinn stoppen könnte... Die CH sollte sich von diesem Wahnsinn fernhalten!

    • Martin Müller am 27.02.2012 22:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Millarden gegen Finanzkrise einsetzen!?

      Das kann nicht dein Ernst sein! Bei der aktuellen Mega-Bankenkrise wären eine weitere Millarde nur als weiterer Tropfen auf den herühmten heissen Stein einzustufen. Ich bin echt froh, dass auch noch in andere Werte als Finanzlöcher und Schuldenberg investiert wird. Forschung schafft Fortschritt und Arbeitsplätze, die Finanzkrise zerstört dieselben.

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  • L.B. am 27.02.2012 09:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was für eine Ehre

    Wow was für ein Triumpf für die Schweiz. Ich konnte es nicht glauben aber unsere (6 davon) Universitäten gehören scheinbar doch zu den 20 besten der Welt. Das zeigt ganz klar wo die Zukunft der Schweiz liegt. Ich hoffe das Geld fliest in den Nano - Medizinischen bereich :)

  • ArgSowas am 27.02.2012 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    Schon ziemlich peinlich

    die reiche Schweiz würde sogar die Milliarde nehmen. Lasst doch die EU mal. Nehmt nichts von ihr, und gebt nichts. Man kann nicht nur nehmen... Zu den Projekten: naja, Finanzkrisen, Aufstände etc. ist alles vorhersehbar, wenn man aktiv die Medien verfolgt.

    • banker am 27.02.2012 09:26 Report Diesen Beitrag melden

      wenns sie wüssten

      möchte doch gar nicht wissen wieviel milliarden wir schon in die EU bzw "fass ohne boden" gebutter haben/mussten.....obwohl wir doch gar nicht dabei sind in der EU

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  • Silvio Foiera am 27.02.2012 06:29 Report Diesen Beitrag melden

    Finanzkrisen & Kriege

    Die könnte ich auch vorhersagen... Bekomme ich jetzt auch einen Teil der EU-Forschungsmilliarde?