Sicherheit gefährdet

06. Mai 2012 11:10; Akt: 06.05.2012 11:10 Print

Schweizer Gefängnisse sind randvoll

Es gibt fast doppelt so viele Inhaftierte wie Aufseher in den Schweizer Gefängnissen - und damit deutlich zu viele. Für einen sicheren Ablauf bräuchte es 2400 Aufseher mehr.

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In der Schweiz fehlt es an Gefängnisaufsehern. (Bild: Keystone/Salvatore di Nolfi)

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Die Kapazität der Schweizer Gefängnisse ist zu 91 Prozent ausgeschöpft. Zurzeit gibt es «weniger als halb so viele Aufseher wie Inhaftierte», sagt Ulrich Luginbühl (64) gegenüber dem «SonntagsBlick». Er ist Direktor des Schweizerischen Ausbildungszentrums für das Strafvollzugspersonal in Freiburg. Er fordert: «Ideal wären acht Vollzugsmitarbeitende auf zehn Insassen!»

Nach den neusten Zahlen des Bundesamts für Statistik sitzen 6065 Inhaftierte in Schweizer Gefängnissen. Um einen sicheren Ablauf zu gewährleisten, bräuchte es gemäss Luginbühls Formel 2400 Aufseher mehr. Zwar machen am Ausbildungszentrum pro Jahr 160 neue Aufseher ihren Abschluss als «Fachmann oder Fachfrau für Justizvollzug mit eidgenössischem Fachausweis». Doch das genügt nicht, Direktor Luginbühl will ausbauen.

Problem-Insassen benötigen 1:1-Begleitung

Weil Personal knapp ist, nimmt die Belastung für die vorhandenen Aufseher zu. Laut Luginbühl steigt die Zahl der schwierigen Insassen. «Je schwieriger die Insassen aufgrund ihrer physischen und psychischen Probleme sind, desto mehr Personal ist nötig», sagt Luginbühl. «Vor allem psychisch auffällige Insassen bedürfen zum Teil einer 1:1-Begleitung.»

Bislang haben neun Anstalten Gesuche für die Erweiterung des Angebots an Haftplätzen eingereicht – knapp 700 zusätzliche Gefangene sollen aufgenommen werden können. Deshalb prüft der Schulrat des Ausbildungszentrums nun einen neuen Standort. Dort sollen bald 200 Aufseher pro Jahr ihren Abschluss machen.

(kri)