Entführung im Niger

18. Februar 2009 22:59; Akt: 19.02.2009 12:21 Print

Schweizer Geiseln droht Steinigung

von Désirée Pomper - Al Kaida hat sich zur Entführung eines Schweizer Ehepaars im Niger bekannt. Im schlimmsten Fall droht ihnen der Tod durch Steinigung. In der Schweiz räumt man dem Fall «höchste Priorität» ein.

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Von Al Kaida veröffentlichtes Bild des Schweizer Ehepaars. (Bild: AFP/IntelCenter)

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Erneut sind Geiseln in den Fängen der Al Kaida: Das Terronetzwerk hat sich via Fernsehsender Al Dschasira zur Entführung einer vierköpfigen Reisegruppe Ende Januar bekannt. Darunter ist auch ein Schweizer Ehepaar. «Der Fall hat für die Behörden grösste Priorität», so der Leiter des Krisenstabs, Markus Börlin, gestern. Das Aussendepartament (EDA) sei nun daran, die Bekennerbotschaft auszuwerten. In dieser kündigen die Kidnapper an, mit den Gefangenen nach den Regeln der islamischen Scharia zu verfahren. «Im schlimmsten Fall droht den Schweizer Geiseln der Tod», sagt Nahost-Experte Erich Gysling. Die Scharia sieht verschiedene Arten der Hinrichtung vor, so auch die der Steinigung oder die der Enthauptung.

Eine Tötung hält Gysling aber für ziemlich unwahrscheinlich. Wie die Geiselnehmer weiter vorgehen werden, sei ungewiss. Denn die Scharia werde je nach Bevölkerungsgruppe unterschiedlich interpretiert. «Diese Willkür macht es schwierig, sichere Prognosen zu treffen.» Er vermutet, dass sich die Geiselnehmer mit einer Lösegeldforderung melden werden. Denn auch dieses «Recht zum Frei­kaufen» sei in der Scharia verankert.

Al Kaida veröffentlicht Bilder

Nach seinem Bekenntnis zur Entführung hat das Terrornetzwerk Al Kaida Bilder der Geiseln veröffentlicht. Auf den Fotos sind die Gesichter der beiden weiblichen Geiseln verfremdet worden, die der Männer hingegen nicht. Im Hintergrund der offenbar in einer Wüste aufgenommenen drei Bilder sind Bewaffnete zu erkennen.

Das auf die Auswertung von islamistischen Websites spezialisierte US-Unternehmen IntelCenter teilte am Mittwoch mit, die Maghreb-Gruppe von Al Kaida habe auf ihre Audio-Nachricht, in dem sie sich zu der Entführung bekannt hatte, eine weitere Botschaft mit den Bildern folgen lassen.

Krisenstab: «Höchste Priorität»

Die Informationen seien zur Kenntnis genommen worden und würden nun ausgewertet, sagte der Leiter des Schweizer Krisenstabes, Botschafter Markus Börlin, am Mittwoch vor den Medien in Bern.

In einer sehr kurzen Erklärung sagte Börlin, der Entführungsfall habe «grösste Priorität» für die involvierten Departemente und kantonalen Behörden. Die Schweiz arbeite mit den betroffenen Ländern für eine «rasche und bedingungslose Freilassung». Es gab weder weitere Informationen noch wurden Fragen beantwortet. Dies geschehe zum Schutz der Entführten und ihren Familien sowie der Interessen der Schweiz, sagte Börlin.