Taliban-Entführung

05. März 2015 12:23; Akt: 05.03.2015 15:17 Print

Schweizer Geiseln müssen selber zahlen

2011 entführten die Taliban die beiden Schweizer David O. und Daniela W. Der Unfallversicherer Visana lehnte die Leistungen ab. Zu Recht, findet das Bundesgericht.

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Am 17. März 2012 kommt das in Pakistan entführte Schweizer Paar wieder in der Schweiz an. Das Paar traf gegen 13.30 Uhr am Flughafen Zürich-Kloten ein. Mit einem Stofftier winkt Daniela W. aus dem Auto ihren Verwandten zu. Das erste Bild: David O. und Daniela W. sind wieder auf freiem Fuss ... ... und wirken zumindest auf den ersten Blick unversehrt. Die 28-jährige Daniela W steigt aus dem Helikopter auf der Qasim-Militärbasis in Rawalpindi, Pakistan, ... ... gefolgt von ihrem 31-jährigen Freund David O. Am 27. Dezember 2011 wurden den Medien neue Bilder der Schweizer Geiseln zugespielt. Oliver O. und Daniela W. vor einem schwarzen Banner. Die Berner Daniela W. und ... ... Oliver O. sind seit dem 1. Juli in der Gewalt der Taliban. In einem am 25. Oktober 2011 veröffentlichten Video melden sich die beiden Schweizer Geiseln zu Wort. Im Juli entführt und seither vermisst: David O. und Daniela W. Bei den Geiseln handelt es sich um einen aktiven Polizisten und eine ehemalige Beamtin der Kantonspolizei Bern. Die beiden waren auf einer privaten Reise in Pakistan. Sie waren von der Hauptstadt Islamabad her in die südwestliche Provinz Belutschistan gereist. In der Region Loralai wurden sie von bewaffneten Kidnappern verschleppt. Ihr blauer VW-Bus wurde verlassen aufgefunden. Warum sich die beiden in dem gefährlichen Gebiet an der Grenze zum Iran und zu Afghanistan aufhielten, wurde nicht mitgeteilt. Waliur Rehman (M.), die sagt, dass die entführten Schweizer in seiner Hand sind. Sie seien nicht gefoltert worden. Er wollte die Schweizer erst gegen die in den USA inhaftierte austauschen. Siddiqui, die in den USA studierte, war wegen des Tötungsversuchs von US-Beamten in Afghanistan verurteilt worden. Mittlerweile sind die Entführer von dieser Forderung abgerückt.

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Der Berner Polizist, der 2011 mit seiner Partnerin in Nordpakistan von den Taliban entführt wurde, erhält zu Recht kein Versicherungsgeld für die Folgen seiner posttraumatischen Störung. Das Bundesgericht stützt damit einen Entscheid des Versicherungsgerichts Solothurn.

Das Wagnis, das der Mann und seine Partnerin eingegangen seien, rechtfertige die Ablehnung aller Ansprüche, halten die Richter in ihrem Urteil fest.

Absolutes Wagnis

Das Berner Paar hatte auf dem Heimweg von Indien mit einem VW-Bus den Norden Pakistans durchquert und dabei zum Teil auf eine bewaffnete Eskorte von paramilitärischen Verbänden verzichtet. Die beiden wurden entführt und konnten acht Monate später ihren Geiselnehmern entkommen.

Die Visana, bei welcher der Mann gegen Unfall versichert war, verweigerte ihm in der Folge Geldleistungen gemäss Unfallversicherungsgesetz. Die erste sozialrechtliche Abteilung des Bundesgerichts stützt den Entscheid: Das Paar sei mit seinem Vorgehen ein absolutes Wagnis eingegangen. Das Risiko für Leib und Leben sei bei dieser Routenwahl und diesem Vorgehen nicht auf ein vernünftiges Mass reduzierbar gewesen.

Das EDA warnt vor Pakistan-Reisen

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) rät seit 2008 von Reisen nach Pakistan dringend ab. Auf der Website weist das Departement auf die Gefahren von Terroranschlägen und Entführungen hin.

Das Krisenmanagement-Zentrum des EDA hat dem Mann im Juni 2012 für die Aufwände und Auslagen im Zusammenhang mit der Entführung und der Geiselhaft eine Pauschalgebühr von 10'000 Franken in Rechnung gestellt.

(sda)