Verregneter Sommer

06. Juli 2012 08:39; Akt: 06.07.2012 18:48 Print

Schweizer Gewässerpegel sinken weiter

Das Bundesamt für Umwelt entwarnt: In der ganzen Schweiz herrscht nach den Gewittern mit starken Niederschlägen nur noch mässige Gefahr. Eine Stabilisierung der Wetterlage ist aber auch übers Wochenende nicht in Sicht.

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Trockene Füsse oder Zug erreichen? Wer am 5. Juli durch diese Unterführung in Rheinfelden gehen wollte, musste sich entscheiden. Nein, dies ist kein abgestürzter Marsmensch. Dies ist ein eingeschlagener Abfalleimer. Thun kurz vor den Gewitterschauern. Amriswil scheint unter Wasser - kurz danach ist es dann so weit. Nach dem Sturm das Dessert. Abendhimmel über Schindelegi. Schindelegi in der Abendsonne - und zugleich unter schweren Regenwolken Eindrückliches war auch in Dornach zu sehen. Die Wand bei Yverdon les Bains. In Binningen steigt ein Wolkenturm in die Höhe. Apokalyptisches Wolkenbild bei Reinach. Nein, hier tobt kein Waldbrand. Wolkenburg bei Nenzlingen. Zürich hat das Gröbste hinter sich. In Gais (AR) brechen alle Dämme. In der Region gingen in zwei Stunden bis zu 58 Liter Wasser pro Quadratmeter nieder. Nochmals Gais. Die Dorfstrasse steht unter Wasser. Gais die Dritte: Auch der Wanderweg sieht nicht gut aus. «Was immer es war, es hat uns nicht gefressen», schreibt Sandro Städli zu seinem Bild aus Erlen TG. Kaum zu glauben: Das Gewitter zog über Egg hinweg. Nach angaben dieses Leserreporters hat es nur zwei Minuten geregnet. In Sargans sah der Gonzen für einmal ganz nach Vulkan aus. Ein bisschen von Allem bot der Himmel über Romanshorn. Kurz vor Thun und dem Unwetter. Amriswil zeigt sich von seiner theatralischen Seite. Amriswil zum Zweiten - nicht minder schön. Engelburg erhält Besuch von Oben während St. Gallen noch verschont bleibt. Im Aargau rockt der Himmel Derweil sich Andi Schoch bereits über seinen Hagel-Tee freut. Himmlische Vorboten über Wohlen. Die wunderschöne Ruhe vor dem Sturm in Zürich Greifensee: im Zürcher Oberland scheinen die grössten Körner gefallen zu sein. In Steckborn braut sich was zusammen. In Erlen fallen Schneeperlen Der Himmel über St. Gallen kann sich durchaus mit demjenigen von Zürich messen. Drei Zentimeter misst dieses Megakorn. In Nänikon hagelte es fünflibergrosse Eismocken. Im Nachbardorf Greifensee sind die Körner nicht kleiner. Auch Winterthur wird von der weissen Pracht nicht verschont. Und nochmals Winterthur. Die Strassen sind weiss. Winthi scheint vom Hagelsturm besonders betroffen zu sein. Auch in Schachen herrscht eher Flut als Ebbe. In der Nähe des Kunsthauses Zürich stehen einige Strassenabschnitte unter Wasser. Und noch ein Bild aus Volketswil. Glücklich darf sich schätzen, wer einen solchen Unterstand im Garten hat. In Kilchberg scheint es geschneit zu haben. Auch in Greifensee flogen die Eisbälle. Spektakuläre Wolken über Zürich. So sieht es inmitten der Hagelwand - in Kilchberg - aus. Liegt Zürich am Meer? Vor lauter Hagelwand sieht man das linke Seeufer nicht mehr. Etwas kleiner sind diese Exemplare aus Volketswil In Volketswil rasselten fünflibergrosse Eisbälle hinunter. Hagelwand vor Zürich.

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Die Hochwasserlage in der Schweiz entspannt sich. Trotz der starken Gewitterniederschläge am Vortag und in der Nacht gab das Bundesamt für Umwelt (BAFU) am Freitag vorläufig Entwarnung. Für die am meisten betroffenen Gewässer gilt neu noch die Gefahrenstufe 2.

Damit herrsche in der ganzen Schweiz höchstens «mässige Gefahr», sagte BAFU-Hydrologin Silvia Morf auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Zwar bleibt das Wetter in den nächsten Tagen weiterhin wechselhaft. «Die Niederschlagsmengen werden aber voraussichtlich geringer ausfallen», sagte Morf. Deshalb rechne das BAFU mit einer weiteren Entspannung. Bäche und kleine Flüsse könnten bei lokalen Gewittern kurzfristig stark ansteigen.

Nur falls stärkere Niederschläge im Oberwallis und in der Gotthardregion fallen, könnten sich auch die Pegel der Rhone (Brig) und der Reuss (Seedorf) nochmals erhöhen.

Berner können aufatmen

Im Kanton Bern hat sich die Situation derweil weiter stabilisiert. Sowohl im Brienzer- wie auch im Thunersee sanken die Pegelstände. «Seit Dienstag ist der Brienzersee um 30 Zentimeter gesunken», sagte Bernhard Schudel, Leiter der Abteilung Gewässerregulierung beim bernischen Amt für Wasser und Abfall.

Mithilfe des Hochwasser-Entlastungsstollens in Thun sei der Thunersee inzwischen auf einen eher unterdurchschnittlichen Wasserstand gesunken, sagte Schudel. Damit könne der Thunersee weitere Regenfälle besser aufnehmen.

In der Stadt Bern wurde am Freitagnachmittag mit 320 Kubikmetern pro Sekunde ein erhöhter Wasserabfluss in der Aare gemessen. Der Abfluss sei aber stabil. Bis etwa 430 Kubikmeter pro Sekunde verursache die Aare in Bern erfahrungsgemäss wenig Probleme, sagte Schudel.

Gewitterschäden in der Ost- und Nordwestschweiz

Vor der Wetterberuhigung gingen in der Nacht auf Freitag zum Teil heftige Gewitter über der Schweiz nieder. Die Gewitter waren aber im Gegensatz zum Mittwoch nicht stationär. Dadurch regnete es zwar ausserordentlich stark, dies aber nur kurzzeitig.

Die bis zu 60 Liter Wasser pro Quadratmeter haben im Appenzeller Mittelland jedoch zu Schäden an Gebäuden und Fahrzeugen geführt. Verletzt wurde niemand.

Am ärgsten betroffen waren nach Polizeiangaben die Gemeinden Trogen, Bühler und Gais. Im Gebiet Strahlholz in der Gemeinde Bühler wurde ein abgestelltes Auto von den Wassermassen in den Rotbach gerissen. Das Wrack konnte mehrere Hundert Meter bachabwärts mit einem Kran geborgen werden.

Auch im Kanton Basel-Land hinterliess die Gewitterfront ihre Spuren. Bis am Freitagmorgen gingen bei der Baselbieter Polizei 60 Notrufe wegen überschwemmter Räume ein. Betroffen waren vor allem Gemeinden im Oberen Baselbiet. In Giebenach trat der Violenbach über die Ufer und sorgte für Schäden an einem Wohnhaus.

In Arisdorf kam es zu Problemen auf der A2, wo grosse Wassermengen auf die Fahrbahn flossen. Auch auf den Autobahnen rund um die Stadt Bern kam es wegen der grossen Wassermengen zu Behinderungen.

Im Tessin verzeichnete der Wetterdienst Meteonews kräftige Regenschauer: Etwa in Locarno-Monti wurden alleine am Freitag 68,5 Liter Regen gemessen, das sind mehr als ein Drittel der durchschnittlichen monatlichen Niederschlagssumme im Juli. In Freiburg regnete es 34,1 Liter, in Möhlin AG 32,7.

Eindrückliche Bilder aus Zollikon (Video: digitalemotions.ch)

Eine Fontäne beim Kaufleuten in Zürich (Leser-Video)

Hagelsturm im Zürcher Seefeld (Leser-Video)

(sda)