Zucht-Trend

13. August 2018 11:05; Akt: 13.08.2018 11:05 Print

Schweizer Kühe werden zu schwer und zu gross

Dicke Hintern, grosse Mäuler, riesiger Appetit: Die Schweizer Kuh passt laut einem Branchenverband bald nicht mehr in ihren Stall.

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Gesucht wird aktuell: die neue Schweizer Kuh. Der Grund: Viele Schweizer Milchviecher werden für die zarten Alpenwiesen zu schwer, für die Ställe zu breit und für die Bauern zu gefrässig.

Manche bringen bei mehr als 1,60 Meter Grösse schon über 800 Kilogramm auf die Waage. Das bringt unter anderem gesundheitliche Probleme mit sich. Die Interessengemeinschaft «Neue Schweizer Kuh» propagiert nun Tiere zu züchten, die kleiner, leichter, genügsamer und gesünder sind.

Das Problem der Schwergewichte: «Viele Ställe wurden vor 25, 30 Jahren nach der damaligen Grösse der Tiere gebaut», sagt Michael Schwarzenberger, Tierzuchtlehrer am landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg. Für heutige Kühe werde es dort oft sehr eng, vor allem, wenn sie liegen. Zudem trampelten die schweren Rindviecher Wiesen und Weiden kaputt, und sie brauchten nicht nur mehr Futter für die gleiche Menge Milch, sondern auch so viel Energie und Protein, dass sie zusätzlich Kraftfutter haben müssen.

Umdenken bei der Zucht nötig

«Die Kühe werden jährlich 0,3 Zentimeter grösser – dieser Trend muss gestoppt werden», sagt der Präsident des Züchterverbandes Swissherdbook, Markus Gerber. Züchter suchten gerne Stiere zur Besamung aus, die möglichst ergiebige Euter versprechen. Dass bedeute aber automatisch immer grössere Tiere. «Man müsste den Zuchtwert »Euter« weniger gewichten», so Gerber.

Die knapp 700'000 Schweizer Kühe geben im Schnitt 7500 Liter Milch im Jahr, rund doppelt so viel wie in den 60er Jahren. Spitzenkühe kommen auf 12'000 Liter, so Schwarzenberger. «Unser Leitbild ist eine Kuh, die fruchtbar und gesund bleibt und bei möglichst niedrigem Antibiotika-Einsatz das hier wachsende Grundfutter, also Gras und Mais, möglichst effizient in Milch umsetzt.»

Kleinere Kühe mit weniger Appetit

Die «IG Neue Schweizer Kuh» empfiehlt deshalb nun Stiere zur Besamung, die kleinere, genügsamere und gesündere Kühe als Nachwuchs versprechen. 500 bis 600 Kilogramm Gewicht bei einer Grösse von 1,40 bis 1,45 Meter sei gut.

Die Schweiz habe schon in den 90er Jahren beschlossen, in der Landwirtschaft nicht auf maximale Leistung sondern auf mehr Ökologie zu setzen, sagt der Sprecher des Bauernverbandes, Hans Rüssli. Seitdem laute die Devise eigentlich: kleinere Tiere mit weniger Appetit. «Aber die Bauern entscheiden selbst, was für sie wirtschaftlich Sinn macht», sagt Rüssli.

(jdr/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rumpelstilzli am 13.08.2018 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Zuerst die Milchgier

    und jetzt das Gejammer über die Folgen. Kühe sind nicht das Einzige, wo zurück buchstabiert werden muss, Geld ist eben nicht Alles

  • Martina Züllig am 13.08.2018 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    ausquetschen bis zum letzten Tropfen

    am liebsten hätten sie wohl Kühe, die kleiner sind, weniger fressen aber gleichviel Milch geben, damit mehr in die Ställe passen. Eine Milchkuh wird in der Schweiz statt ca. 20 Jahre ja eh nur 5-7 Jahre alt bis sie geschlachtet wird, weil sie die Leistung nicht mehr bringt.

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  • Ueli der Knecht am 13.08.2018 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Und Hornlos...

    Die Hörner werden wohl auch weggezüchtet. Jetzt wollen die Bauern sogar Geld, damit die Kühe ihre Hörner behalten dürfen. Verkehrte Welt!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • wildh. am 14.08.2018 22:26 Report Diesen Beitrag melden

    Herr Rüssli

    Lieber Herr Rüssli das stimmt aber nicht in den 90 Jahren wurden Grössere und bessere Tiere erwartet und auch gezüchtet das ist die Wahrheit.

  • leser20min am 14.08.2018 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    leider die evolution

    der vergleich ist zwar moralisch nicht ganz sauber, doch es ist wie bei den Autos. immer grösser und immer mehr leistung gefordert. und auch wir Menschen werden grösser und schwerer.

  • Urban am 14.08.2018 09:18 Report Diesen Beitrag melden

    Weniger ist mehr

    ich gebe es ja zu, von Ackerbau + Viehzucht verstehe ich absolut nichts. Aber was ich weiss ist je weniger es von einem Gut hat um so kostbarer und teurer kann es verkauft werden. dh statt immer mehr + grössere Rindviecher wären weniger und kleiner sicher besser

  • M. G. am 14.08.2018 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    Lösungsansatz

    Mein Vater hat vor Jahren begonnen seinen Betrieb auf Tiroler Grauvieh umzustellen. Für den Bergbetrieb wurden die grossen Brown Suisse Kühe zunehmend zu schwer und haben zu Flurschäden geführt. Mit der Entscheidung ist er sehr glücklich. Die kleineren, leichteren Kühe sind berggängiger und eignen sich ebenfalls gut für die Mutterkuh haltung. Anstelle der reinen Milchproduktion setzt er heute auf hochwertige Fleisch- und und Milchproduktion für die Käseherstellung. Es sind nicht dieselben Kühe wie sie früher in unserem Berggebiet heimisch waren, sind der Art aber sehr ähnlich.

  • Res li am 13.08.2018 21:11 Report Diesen Beitrag melden

    Nur ein fachlichere Bericht

    Hier jammert ja gar niemand, es ist nur ein fachlicher Bericht, das der Trend in der Zucht wieder vermehrt in die anderen Richtung geht. Etwas einfacheres als kleinere Kühe zu züchten gibt es nicht, den der heterosis Effekt ist bei der Zucht auf grösse sehr hoch und kann bereits mit einer Generation geändert werden. Das Zucht Ziel ist sehr Betriebs spezifische. die einzigen die jammern und mozen sind die kommentar Schreiber