Mutter in Not

24. September 2019 04:54; Akt: 24.09.2019 13:46 Print

Schweizer Mami bittet auf Facebook um Essen

von B. Zanni - Milch, Butter und Pasta: Eine Mutter sucht auf Facebook nach Spendern für Fresspäckli. Kühlschrank und Konto seien leer, berichtet sie.

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Bis auf ein Joghurt ist der Kühlschrank von S. G.* leer. «Im Schulsack meines Sohns habe ich noch ein Schoggistängeli gefunden. Ansonsten habe ich seit letztem Freitag nichts mehr gegessen. Aber Hunger habe ich sowieso keinen mehr», sagt die dreifache Mutter. Am 7. September sei sie von ihrem Noch-Ehemann zum wiederholten Mal spitalreif geprügelt worden, berichtet die 39-jährige Schwyzerin. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Schwyz will sich auf Anfrage von 20 Minuten zum aktuellen Fall nicht äussern.

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Auch habe ihr Mann sämtliches Bargeld im Haus verschwinden lassen. «Wir hatten ein Münzkässeli mit Kleingeld und Nötli. Das alles hat er genommen», gibt sie an. Da sie kurz vorher Rechnungen bezahlt habe, sei auch ihr Konto leer.

Leben von Resten

Zurzeit fliesst kein Rappen mehr auf das Konto der gelernten Konditorin. Normalerweise verdient sie im Stundenlohn pro Monat rund 1300 Franken mit dem Zubereiten von Sandwiches in einer Bäckerei. «Durch meine Verletzungen bin ich zurzeit arbeitsunfähig.»

Während eineinhalb Wochen hätten sie, ihre 14-jährige Tochter und ihr neunjähriger Sohn sich noch von den Resten aus dem Kühlschrank ernähren können, sagt G. «Es hatte noch Joghurts, etwas Brot und Pommes Chips.» Am letzten Freitag seien aber sämtliche Lebensmittel aufgebraucht gewesen. «Es tat so weh, zu sehen, wie meine Kinder immer wieder hungrig den leeren Kühlschrank öffneten.» Zum Glück hätten ihre Kinder bei Gspänli etwas zu essen bekommen.

«Das erste Päckli ist unterwegs»

In ihrer Verzweiflung fragte die Mutter kürzlich in der Facebook-Gruppe «Fresspäckli – Leben am Existenzminimum Schweiz» des Vereins Siidefade nach Lebensmitteln. Sie und ihre drei Kinder bräuchten dringend Hilfe, schrieb G., die noch einen 18-jährigen Sohn hat, der nicht mehr bei ihr wohnt. Brauchen würden sie 2 Liter Milch, Butter, 4 bis 5 Joghurts, 1 Pack Aufschnitt, 1 Pack Bratwürste, 2 Pack Teigwaren, Tomatensauce oder Pelati, Ice-Tea-Pulver, 1 Sack Kartoffeln, etwas Gemüse und Früchte und, falls möglich, ein wenig Süsses oder Pommes Chips für die Kinder, schrieb sie im Post.

«Das erste Päckli ist unterwegs. Eine Frau schrieb mir, dass sie etwas für mich auf die Post gebracht habe», sagt G. Zudem hätten ihr drei weitere Personen versprochen, ein Fresspäckli zu schicken. Längerfristig will G. sich und ihre Kinder aber nicht mit gespendeten Lebensmitteln durchbringen. «Nachdem ich bemerkt hatte, dass die Lebensmittel nicht mehr reichen, meldete ich mich sofort bei der Sozialhilfe an.» Mit den Spenden wolle sie lediglich die Zeit überbrücken, bis sie Geld von der Sozialhilfe erhalte.

Beratungsstellen kontaktieren

Schweizer Familien suchen in Facebook-Gruppen immer wieder nach Lebensmittelspenden. 2018 startete eine Ostschweizer Mutter einen Aufruf und fragte die Community nach «übrigem Brot». Da der Lohn noch nicht gekommen war, befand sich ihre Familie in einem finanziellen Engpass, wie die Mutter angab.

Stefan Gribi, Leiter Abteilung Kommunikation bei der Caritas Schweiz, sagt: «Wer in einer akuten finanziellen Notlage ist, sollte sich an die kantonalen Sozialberatungsstellen wie etwa jene der Caritas oder des Roten Kreuzes wenden.» Manche Beratungsstellen geben laut Gribi zum Beispiel Lebensmittelgutscheine ab. Vorsicht geboten sei, wenn man die Zeit bis zum Empfang der Sozialhilfegelder auf eigene Faust überbrücken wolle. «Es besteht die Gefahr, dass man dann einen Kredit aufnimmt und in die Schuldenfalle rutscht.»

*Name der Redaktion bekannt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nurzomsäge am 24.09.2019 06:11 Report Diesen Beitrag melden

    Verrückte Welt

    Eigentlich verrückt wenn man bedenkt, was Politiker im Bundeshaus für überrissene Gehälter und Spesen bekommen (vieles Steuerfrei und alles aus unserer Bundeskasse). Und der kleine Bürger muss "Bittibätti machen"... Einfach nur beschämend sowas!

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  • Stge am 24.09.2019 05:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die neue Welt

    Traurig wo wir gelandet sind. Es wird nicht besser im Gegenteil es wird schlimmer

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  • Bausa2.0 am 24.09.2019 08:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verkehrte Welt

    Hauptsache es wird uns jeden Tag vorgegaukelt wie reich alle Schweizer sind. Dabei sind so viele von Armut betroffen!! Aber da wird weggesehen... schade

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pit56 am 24.09.2019 16:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigentlich traurig ......

    Ob die Familie wirklich Hilfe benötigt, kann ich nicht beurteilen. Aber eigentlich ist es traurig, dass die Nachbarschaftshilfe nicht funktioniert oder Freunde nicht unter die Arme greifen. Ich kann das nicht verstehen .... ist doch eine Ausnahmesituation! Oder gilt auch hier: Geiz ist geil?

  • Frau am 24.09.2019 16:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigenverantwortung

    Wieder ein Beispiel einer Frau, die sich komplett auf ihren Mann verlassen hat, sich vollkommen abhängig gemacht hat und dann überrascht ist, wenn sie fallengelassen wird. Das sollten Frauen und Männer mittlerweile besser hinkriegen. Erwachsene, gesunde Menschen sollten selbst fähig sein, sich zu ernähren und sich nicht blind auf einen Partner/ eine Partnerin verlassen. Vor allem wenn Kinder da sind.

  • Rebell am 24.09.2019 15:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Armut wächst

    Traurig u erinnert mich an meine eigenen Erlebnisse. Doch ist das schon einige Jahrzehnte her u damals gab es kein Internet, weshalb man sich oft selbst überlassen war, da auch das soziale System nicht so umfangreich war wie heute. Wobei ich dies heute trotzdem mit gemischten Gefühlen betrachte, wenn man immer wieder feststellen muss, das der eigene Bürger durch diese Willkommenskultur immer stärker benachteiligt wird. Die Armut scheint schneller zu wachsen, als man glaubt.

  • Marcel.F am 24.09.2019 15:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ??

    Wie kann ich diese Frau ausfindig machen? Ich bin bereit der kleinen Familie einen Monatseinkauf zu machen??

  • El-Gato-Negro am 24.09.2019 15:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    komische sache....

    In der Schweiz haben wir ein sehr gutes Sozialsystem... klar ist es Tragisch was passiert ist , im falle das es der Wahrheit entspricht... aber ganz ehrlich sind da keine Verwandten oder Freunde da ? es kommt mir persönlich einfach nur ziemmlich Assozial rüber Leute via FB um Essen anzupumpen... Der weg zum Soz.amt wäre vorübergehend die Lösung. Und nachher such dir einen richtigen Job