23. Mai 2008 10:30; Akt: 23.05.2008 11:42 Print

Schweizer Offiziere an Schwulenparade

von Maurice Thiriet - In der US-Armee ist Schwulsein verboten. In der Schweiz hingegen marschiert die Armee am Christopher Street Day mit.

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Am Donnerstag hat das amerikanische Bundesgericht entschieden, dass eine lesbische Angestellte der US-Luftwaffe nicht ohne Begründung wegen ihrer sexuellen Orientierung entlassen werden dürfe. Dies setzt das seit 1993 geltende grundsätzliche Verbot der Homosexualität für US-Streitkräfte auf den Prüfstand.

Ein wenig weiter ist die Schweizer Armee im Umgang mit ihren homosexuellen Angehörigen. Ein formales Verbot, auf das gleiche Geschlecht zu stehen, gibt es nicht. Die offizielle Haltung der Armee ist aufgeschlossen.

Im Rahmen einer Diversity-Management-Weisung, soll in Kürze eine offizielle und verbindliche Grundlage für die Schulung junger Offiziere im Umgang mit Minderheiten ausgegeben werden, wie Armee-Sprecher Christian Burri auf Anfrage von 20 Minuten Online bestätigte.

Queer Officers

Hinter der Weisung stehen schwule Offiziere der Schweizer Armee, die im Verein Queer Officers organisiert sind. Deren «C Arbeitsgrp» (Chef Arbeitsgruppe) ist Beat Lauper, seines Zeichens Oberst im Generalstab. «Wir wollen schon junge Offiziere im Umgang mit Problemen rund um die Sexualität im Dienst sensibilisieren», sagt Lauper. Was ist zu tun, wenn Rekruten nicht mit einem Schwulen duschen wollen? Wie soll man mit verliebten Armeeangehörigen umgehen? «Da sind verbindliche Richtlinien wichtig», sagt Lauper. Das Detailkonzept wird vom stellvertretenden Chef der Armee betreut. Dies «zeige das Gewicht, dass die Armee der Sache beimesse», sagt Lauper.

Gesellschaftlich im Abseits

Dass auch im Generalstab Schwule arbeiten und viele beachtliche Karrieren gemacht haben, heisst aber noch lange nicht, dass sich Schwule in der Armee überall wohlfühlen. Auch die besten Diversity-Management-Papiere richten gegen das nach wie vor von Testosteron geprägte Klima in der Armee wenig aus, wie P., ein schwuler und mittlerweile ehemaliger Angehöriger der Armee, sagt. «Das gesellschaftliche Highlight im WK war halt jeweils der Besuch im Füdlischuppen am Mittwochabend. Da geht man dann nicht mit und bleibt ein Stück weit isoliert».

Als er sich zwecks Freistellung beim Waffenplatz-Psychiater meldete und sein Schwulsein erwähnte, reagierte dieser übertrieben verständisvoll, das «sei doch überhaupt gar kein Problem». «Das ist immer ein Zeichen dafür, dass es eben doch ein wenig ein Problem ist», sagt P.

Armee am Christopher Street Day

Beat Lauper stellt solche Probleme nicht in Abrede, relativiert jedoch: «Natürlich kommt das vor, ist jedoch nicht schlimmer als im Zivilleben.» Auch dort kämpfen die Mitglieder der Queer Officers mit Vorurteilen, weshalb die Mitglieder des Vereins im Unterschied zum Vorstand anonym bleiben. Um Vorurteile abzubauen, engagieren sich die Queer Officers nicht nur im Militär, sondern auch auf der Strasse. Am Christopher Street Day übernächstes Wochenende in Zürich werden die Queer Officers, an zivilen T-Shirt und Béret als Militärangehörige erkennbar, mitmarschieren.