Ausraster im Westjordanland

18. Juli 2018 10:03; Akt: 18.07.2018 10:03 Print

Schweizer Ohrfeiger leistete «sehr gute Arbeit»

Der Schweizer Beobachter, der in Hebron einen israelischen Buben (10) schlug, hat das Land bereits verlassen. Der Bund will ihn nun versetzen.

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Der Vorfall im Westjordanland sorgte am Wochenende für einen diplomatischen Eklat: Auf einer Stadtführung der armeekritischen NGO «Breaking The Silence» schlug ein Schweizer der Organisation Temporary International Presence in the City of Hebron (kurz TIPH) einem israelischen Buben (10) ins Gesicht. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu ordnete seine Ausweisung an. Der Schweizer Botschafter in Israel musste sich in einem Brief an die jüdische Community entschuldigen.

Nun werden neue Details bekannt: Lokale Medien berichten, dass der Bub Eier oder kleine Steine gegen die Tourteilnehmer geworfen habe. Laut unbestätigten Berichten im Netz soll er aus einer Siedler-Familie stammen, die im März 2001 ein Mädchen verloren hat. Ein Palästinenser soll es auf einem Spielplatz getötet haben. Den Siedlern sind die Stadtführungen der NGO ein Dorn im Auge. Uri Karzen, Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Hebron, bezeichnete diese als «Hasstouren». Touristen würden Lügen darüber erzählt, was israelische Soldaten den Palästinensern antun würden.

EDA sucht neuen Job für den Schweizer Beobachter

Unter Beschuss steht auch die internationale Beobachtergruppe TIPH, zu der der Schweizer zählte: Diese sei nicht neutral, sondern eine propalästinensische Organisation, kritisieren Vertreter der jüdischen Minderheit in Hebron. Die TIPH hat den Auftrag, «das Sicherheitsgefühl der palästinensischen Bevölkerung zu erhöhen» und Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren. Neben der Schweiz sind etwa Norwegen, Dänemark oder Schweden beteiligt.


Laut dem Aussendepartement EDA leistete der ausgewiesene Schweizer «über mehrere Jahre in verschiedenen Missionen sehr gute Arbeit». Man kläre nun ab, ob man ihn anderswo beschäftigen könne. Grundsätzlich kann sich jeder als Beobachter bewerben. «Es findet ein kompetenzorientiertes Interview statt», sagt Sprecherin Silvia Müller. Die TIPH führe die Sprachtests in Hebräisch beziehungsweise Arabisch durch.

Laut Müller berichten die TIPH-Mitglieder neutral: «Jedes neue Mitglied der TIPH wird während der Einführung auch in objektiver und neutraler Berichterstattung geschult.» Beobachter entlöhnt die Schweiz mit bis zu 140’000 Franken pro Jahr. Im Schnitt gibt sie jährlich 1,3 Millionen Franken für die Mission aus.

Rückzug gefordert

Für Aussenpolitiker Alfred Heer (SVP) kann sich die Schweiz das Geld sparen. Der Ausraster des Schweizers sorgt bei ihm für Kopfschütteln. Dass der Beobachter mit der armeekritischen NGO mitgelaufen sei, zeige dessen Gesinnung. «Ohnehin hat die Schweiz dort nichts verloren», so Heer. Er spricht sich dafür aus, alle Beobachter aus Hebron abzuziehen.
Ungeachtet allfälliger Provokationen sei es eine Peinlichkeit, Leute zu schicken, die Kinder schlagen würden. Die Schweizer Vertreter in Israel seien vielfach parteiisch – der Schweizer Botschafter inklusive, der in der Hamas keine Terrororganisation sehe.

Dezidiert anderer Meinung ist Alt-Nationalrat Jo Lang (Grüne). «Wenn es um eine Ohrfeige im Nahen Osten geht, wo so viele Menschen sterben, erübrigt sich jeglicher Kommentar», sagt er nur.

Die israelische Botschaft in Bern bestätigt gegenüber 20 Minuten die Intervention von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. Der Schweizer habe das Land bereits verlassen. «Wir tolerieren es nicht, dass Offizielle einer internationalen Organisation Kinder schlagen.» Eine Staatsaffäre will Botschafter Jacob Keidar aus dem Vorfall aber nicht machen: Es sei keine politische Frage, sondern ein individuelles Fehlverhalten. Unbeantwortet lässt er die Frage, ob Israel zufrieden sei mit der Arbeit der TIPH.

(daw/pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • AnnA am 18.07.2018 10:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht neutral

    Alle Leute dort abziehen, das Geld können wir uns sparen und wie gesagt Schweizer haben dort nichts verloren. Als neutraler Staat sollten wir Israel und Palästina nicht als Staat anerkennen, das wäre wirklich neutral. Aber eben, neutral ist die Schweiz längst nicht mehr.

    einklappen einklappen
  • Daisydream am 18.07.2018 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle im gleichen Topf

    Naja, Herr Heer, die Schweiz ist doch neutral. Warum sollten wir also nur auf Seiten der Israeli stehen. Das sind beileibe auch keine Engel. Ob die Hamas nun eine Terrororganisation ist oder nicht, nicht jeder Palästinenser gehört dazu. Zivilist ist Zivilist, hüben und drüben.

  • jerome am 18.07.2018 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    Palästina

    Warum in Gottes Namen anerkennt Israel Palästina nicht endlich. Die UNO hat es ja auch geschaft. Israel enstand durch eine Annektion. Okey, akzeptiert, aber lasst doch den Ureinwohnern auch ihr Land. Dann würde wohl wiedereinmal Friede einkehren.

Die neusten Leser-Kommentare

  • jerome am 18.07.2018 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    Palästina

    Warum in Gottes Namen anerkennt Israel Palästina nicht endlich. Die UNO hat es ja auch geschaft. Israel enstand durch eine Annektion. Okey, akzeptiert, aber lasst doch den Ureinwohnern auch ihr Land. Dann würde wohl wiedereinmal Friede einkehren.

  • Daisydream am 18.07.2018 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle im gleichen Topf

    Naja, Herr Heer, die Schweiz ist doch neutral. Warum sollten wir also nur auf Seiten der Israeli stehen. Das sind beileibe auch keine Engel. Ob die Hamas nun eine Terrororganisation ist oder nicht, nicht jeder Palästinenser gehört dazu. Zivilist ist Zivilist, hüben und drüben.

  • Henry am 18.07.2018 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    We'll see

    Trump hat Jerusalem zur Hauptstadt von Israel gemacht, nun können wir schauen, ob sich die Israelis daran halten und keine Gebietsexpansion mehr vorantreiben, denn so sieht das Gesetz aus, sobald Jerusalem als Hauptstadt anerkannt wird. Merkt euch das und beobachtet das weitere Vorgehen der Israelis.

  • Maurus Graf am 18.07.2018 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so

    jeder der Gewalt anwendet, gehört des Landes verwiesen egal wo. In diesem konkreten Fall sollte die kesb dessen Familie unter die Lupe nehmen.

  • Omid am 18.07.2018 10:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gut gemacht

    Das war der Superschweizer.