Hilfsflotte für Gaza

21. Juni 2011 16:38; Akt: 21.06.2011 16:38 Print

Schweizer Politiker machen Rückzieher

von Ruedi Studer - Ende Woche sticht eine neue Gaza-Hilfsflotte in See. Mit dabei ein Schweizer Schiff mit medizinischen Hilfsgütern, nicht aber verschiedene Bundesparlamentarier. Sie haben aus terminlichen Gründen abgesagt.

storybild

Gaza-Hilfsflotte 2010: Ein mit Hilfsgütern beladenes Schiff verlässt einen türkischen Hafen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Dieses Wochenende geht es wieder los: Etwa zehn Schiffe, beladen mit Hilfsgütern für die notleidende Bevölkerung, machen sich auf Richtung Gaza. Darunter ist auch ein Schweizer Schiff mit etwa 1500 Tonnen medizinischem Hilfsmaterial. «500 bis 1000 Menschen werden die Hilfsflotte begleiten», sagt Zerka Sahnoune von der Genfer Organisation «Droits pour tous», welche die Schweizer Beteiligung koordiniert. Mit dabei seien 15 bis 20 Schweizer – etwa je zur Hälfte Menschenrechtsaktivisten und Journalisten. Diese werden allerdings auf dem italienischen Schiff mitreisen.

Entgegen einer Ankündigung vom Mai sind aber keine Schweizer Parlamentarier mit dabei, bestätigt Sahnoune eine Meldung von «Radio Cité Genève» vom Montag. Ihre Teilnahme in Aussicht gestellt hatten die beiden Genfer SP-Nationalräte Carlo Sommaruga und Jean-Charles Rielle sowie der Waadtländer Josef Zisyadis von der Alternativen Linken.

Abfahrt verschoben

Doch nun machen den Politikern terminliche Gründe einen Strich durch die Rechnung, wie sie betonen. «Das Datum der Abfahrt wurde verschoben – jetzt habe ich schon andere Verpflichtungen», erklärt Zisyadis gegenüber 20 Minuten Online. Auch für Sommaruga wurde die Verzögerung zum Problem: «Ich bedaure sehr, dass ich nicht mitfahren kann.» Rielle begründete seinen Rückzieher gegenüber «Radio Cité Genève» damit, dass er sich nicht mehr sicher sein konnte, rechtzeitig zurück zu sein, um seinen parlamentarischen Verpflichtungen nachzukommen.

Keine Angst

Sind es nur terminliche Gründe? Oder spielt etwa doch die Angst vor einem israelischen Militäreinsatz eine Rolle? Im Mai letzten Jahres hatte die israelische Armee nämlich einen Gaza-Hilfskonvoi brutal gestoppt. Neun türkische Aktivisten kamen ums Leben.

«Nein», sagt Sommaruga, «ich glaube nicht, dass es nochmals eine gewaltsame Intervention geben wird.» Auch Zisyadis beantwortet die Frage bestimmt: «Nein, ich habe 2008 ja schon einmal an einem Hilfskonvoi teilgenommen.»

Tatsächlich durchbrach Zisyadis im November 2008 mit einer Flotte die israelische Seeblockade des Gaza-Streifens – und ist damit der bisher einzige Schweizer Parlamentarier, der einen Gaza-Hilfskonvoi begleitet hat.

Europäische Abgeordnete mit dabei

Doch auch wenn Schweizer Abgeordnete diesmal fehlen, wird die Hilfsflotte nicht ohne parlamentarische Schützenhilfe in See stechen. Gemäss Sahnoune sind etwa Abgeordnete des deutschen, französischen und des EU-Parlaments mit dabei.

Die Menschenrechtsaktivistin hofft, dass es diesmal nicht zu einer Gewalteskalation wie vor einem Jahr kommen wird. Und sie betont: «Wir planen eine pazifistische Aktion.» Die Flotte wird nächsten Samstag oder Sonntag losfahren - sofern es nicht zu weiteren Verzögerungen kommt.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Monique am 02.07.2011 18:24 Report Diesen Beitrag melden

    CH-Politiker: Terminprobleme?

    Faule Ausrede. Die Wahrheit ist ans Licht gekommen: Keins der Schiffe ist seeversichert, weil keine Versicherung juristische Probleme bekommen wollte. So bekommt kein Schff die Bewilligung der GR, den Hafen zu verlassen. Freitag hat ein amer. Schiff versucht trotztden auszulaufen u. wurde umgehend v. der Künstenwache zurück in den Hafen gebracht. Die Organisatoren der Flottille haben zugegeben, dass es dabei nicht um humanitäre Hilfe geht, die die Palästinensern ja auch nicht brauchen, sondern um die Blockade zu brechen, u.nach Seerecht muss u. darf Israel mit allen Mitteln sie daran hindern

  • ??? am 22.06.2011 02:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso?

    Ich denke wir sind Menschen verhalten uns aber wie Wildtiere. Wieso immer diese Kriege? Wieso? Dabei wäre es doch viel einfacher und schöner zusammen zu leben!

  • Ben Tzwi am 22.06.2011 07:53 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt also.......

    .....doch noch eine höhere Gewalt!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Terminproblem am 03.07.2011 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    Fact

    Das Nahostquartett aus UN, EU, Russland und den USA hat die Aktivisten unterdessen aufgefordert, nicht auszulaufen. "Wir bitten mit Nachdruck alle, die helfen wollen, die erprobten Kanäle zu wählen. Dann können die Hilfsgüter kontrolliert werden und über den Landweg ihr Ziel erreichen", heißt es in einer bei den Vereinten Nationen in New York verbreiteten Erklärung. "Das Quartett ruft alle Regierungen auf, mit ihrem Einfluss weitere Aktionen zu verhindern. Andernfalls wird das Leben der Beteiligten riskiert und eine Eskalation der Lage hingenommen."

  • CH_Peace am 02.07.2011 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht aufgeben

    Ich staune bei diesen menschenverarchtenden Kommentaren hier. Wieso mans wieder versucht? Weil man die Welt aufwecken will, zeigen, dass man es immer versuchen wird, nie aufgeben wird, armen und notleidenden Menschen zu helfen. Die meisten hier haben wohl vergessen, dass bei einem HILFSSCHIFF 9 Menschenleben verloren gingen. Wenn diese Leute so gefährlich waren, warum ist der isr. Einheit nix passiert? Das ist alles nur Täuschung seitens Israel. Und ausserdem: Man darf Israel kritisieren, ohne als Antisemit darzustehen, was manche auch nicht wissen.

  • Monique am 02.07.2011 18:24 Report Diesen Beitrag melden

    CH-Politiker: Terminprobleme?

    Faule Ausrede. Die Wahrheit ist ans Licht gekommen: Keins der Schiffe ist seeversichert, weil keine Versicherung juristische Probleme bekommen wollte. So bekommt kein Schff die Bewilligung der GR, den Hafen zu verlassen. Freitag hat ein amer. Schiff versucht trotztden auszulaufen u. wurde umgehend v. der Künstenwache zurück in den Hafen gebracht. Die Organisatoren der Flottille haben zugegeben, dass es dabei nicht um humanitäre Hilfe geht, die die Palästinensern ja auch nicht brauchen, sondern um die Blockade zu brechen, u.nach Seerecht muss u. darf Israel mit allen Mitteln sie daran hindern

  • Viktor am 22.06.2011 10:25 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück keine CH-Regierungsvertretern!

    Zum Glück! Es darf nicht sein, dass offizielle CH-Regierungsvertreter in solche Anarchie-Aktionen teilnehmen. Es gibt andere, legale, Mittel um leidende Bevölkerung zu helfen. Siehe die UNO Aktion für Wohnungen und Schulen.

  • Ben Tzwi am 22.06.2011 07:53 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt also.......

    .....doch noch eine höhere Gewalt!