Korruptions-Skandal

27. Mai 2015 11:59; Akt: 28.05.2015 09:23 Print

Schweizer Politiker wollen Fifa an den Kragen

von P. Michel/ J. Büchi - Nach dem jüngsten Fifa-Skandal ist für Parlamentarier klar: Der Weltfussballverband darf in der Schweiz nicht «weitermauscheln» wie bisher.

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«Fifa: Wie lange will der Bundesrat noch zusehen?», «Schluss mit der Steuerbefreiung für die Fifa» oder «Korrupte Fifa-Funktionäre in Amt und Würden»: In den letzten Jahren haben Schweizer Politiker zahlreiche Vorstösse mit diesen und ähnlichen Titeln im Parlament eingereicht. Vergebens. Weder hat sich an den steuerlichen Privilegien des Vereins etwas geändert, noch rissen die Korruptions- und Intransparenzvorwürfe ab.

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Die Verhaftung sieben hochrangiger Fifa-Funktionäre im Fünfsternehotel Baur au Lac in Zürich könnte nun alles ändern. Die Bundesanwaltschaft hat am Mittwochmorgen mitgeteilt, sie habe rund um die Vergabe der Fussball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 ein Strafverfahren eingeleitet. Für Schweizer Politiker ist klar: Nun braucht es nicht nur rechtliche, sondern auch politische Konsequenzen.

«Grauenhafte Halunken»

SVP-Nationalrat und Fifa-Kritiker Roland Rino Büchel (SVP) sagt: «Die Fifa und allen voran Präsident Sepp Blatter haben es in der Hand, jetzt zu handeln und bei den Funktionären auszumisten. Passiert dies nicht, wird die Politik auch vor harten Massnahmen nicht zurückschrecken.» Denkbar sei eine Abschaffung der Steuerprivilegien und des Vereinsrechts der Fifa. Büchel geht davon aus, dass diese Schritte nach den jüngsten Vorkommnissen im Parlament mehrheitsfähig werden könnten. «Man muss es auch mal klipp und klar sagen: Im Fifa-Vorstand sitzen immer noch grauenhafte Halunken.»

Auch SP-Nationalrat Cédric Wermuth sagt: «Dass die Fifa eine durch und durch korrupte Organisation ist, überrascht ja niemanden mehr. Wenn wir nichts unternehmen, werden sie einfach weitermauscheln.» Es sei bedenklich, dass eine Intervention der USA nötig gewesen sei, damit im Kampf gegen die Korruption etwas passiere. Nun brauche es dringend mehr Transparenz: «Es kann nicht sein, dass die Fifa als milliardenschwere Organisation die gleichen Rechnungslegungspflichten hat wie ein Jodlerverein aus dem Emmental.»

Korruptionsgesetz wird debattiert

Organisationen wie die Fifa hätten eine politische und kommerzielle Dimension, «für die wir sie in die Pflicht nehmen müssen». Da die Schweiz seit Jahren darauf warte, dass die Fifa aus eigener Motivation transparenter wird, brauche es nun ein Gesetz, das sie dazu zwinge, ihre Zahlen offenzulegen. Wermuth hofft insbesondere auf das Korruptionsgesetz, das in der bevorstehenden Sommersession im Ständerat debattiert wird. «Nach den jüngsten Ereignissen wäre es fahrlässig, das Gesetz nicht anzunehmen.» Mit der Verschärfung des Korruptionsstrafrechts soll die Bestechung in Zukunft auch geahndet werden, wenn sie nicht zu Wettbewerbsverzerrungen führt. Damit würden etwa auch Bestechungshandlungen bei Vergaben grosser Sportanlässe strafbar.

Für Büchel und Wermuth ist klar: Es steht nichts Geringeres als die Reputation der Schweiz auf dem Spiel. «Deshalb dulden wir nun keine Entschuldigungen mehr», sagt Büchel. Bisher habe die Fifa ihre Reformprozesse sehr gut verkauft – der aktuelle Skandal zeige jedoch, dass es noch viel mehr Anstrengung brauche. «Der Druck dazu muss aber auch von den nationalen Fussballverbänden und Sponsoren kommen.» Sie hätten die Möglichkeit, enormen Druck auf die Fifa auszuüben. Noch weiter geht die Organisation Transparency International: «Es braucht eine neue Führungselite, die den Fussball aus dem Offside der Korruptionsaffären spielen kann, deshalb fordern wir den Rücktritt des Präsidenten Sepp Blatter», sagt Sprecherin Christine Saxer.

Kann sich die Schweiz den «Piratenhafen» Fifa weiter leisten?

Nationalrat Wermuth fordert, dass die Korruption in einem weiteren Schritt auf internationaler Ebene angegangen wird. Die Schweiz als Standort der Fifa habe hier eine besondere Verantwortung: «Sie müsste auf internationaler Ebene – etwa bei der OECD – den Vorstoss machen, um eine internationale Regulierungsbehörde für Sportverbände zu schaffen.»

Der Basler Strafrechts- und Antikorruptionsexperte Mark Pieth sagt auf Anfrage, der aktuelle Vorfall sei für das Image der Schweiz nicht nur schlecht. «Die staatliche Justiz bekennt Farbe.» Allerdings müsse sich die Schweiz Gedanken machen, ob sie sich «diesen ‹Piratenhafen› weiter leisten kann».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • carmen diaz am 27.05.2015 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    die FIFA muss in...

    ...der schweiz endlich den status eines ganz normalen unternehmens bekommen, welches ordentlich steuern bezahlt...

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  • unwichtig am 27.05.2015 12:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    der nächste Schritt wäre

    Schade dass nur Fifa unter die Lupe genommen wird würde vorschlagen die ganzen Politiker auch zu durchleuchten

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  • Roger Kuhn am 27.05.2015 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    eigentlich sollte man ...

    das grosse FIFA Gebäude am Zürichberg in ein Asyl-Durchgangs-Heim "zweckentfremden".

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rolf am 28.05.2015 21:23 Report Diesen Beitrag melden

    Fifa wird von Grosskonzernen Erpresst

    Nicht Herr Blatter sondern die USA-Grosskonzerne Adidas - Visa - Coca Cola - Versicherungen - Fernsehanstalten usw. usw. wollen oder haben die Fifa mit Hintermännern absichtlich in die Koruption geführt, um nun einen Krieg gegen die Fifa zu führen, damit wo anderst weiter Koruption geführt werden kann.

  • walter Stutz am 28.05.2015 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaubwürdig

    Wie sich SVP-Vertreter plötzlich als Fifa-Kritiker aufspielen, vollkommen unglaubwürdig. Welche Parteien verhindern seit Jahren strengere Gesetze? Welche Parteien hätten auf nationaler Ebene die nötigen Mehrheiten? Kleiner Tipp, die Linken sind es nicht! Läuft wie bei den Banken und Krankenkassen, kurz laut aufschreien und etwas poltern, dann aber wieder schon brav den Bückling machen und die Hand hinhalten! Willkommen in der Bürgerlichen Schweiz!

    • Willi Argentum am 28.05.2015 12:35 Report Diesen Beitrag melden

      leise bestechen...

      Hast du die SVP schon mal gehört leise Sachpolitik machen? Aber es ist nicht nur die SVP die hier (einmal mehr) versagt hat. Der ganze Politiksumpf hat mit beiden Augen weggeschaut und tut es noch immer. Parteispenden sind solange anonym nichts anderes als Bestechungsgelder.

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  • Walter am 28.05.2015 11:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @unwichtig

    Keine schlechte Idee, nur in der Umsetzung vermutlich schwieriger als bei der FIFA. Ich bin auch der festen Überzeugung, dass da bei einer Handvoll noch einige Leichen im Keller lagern und der Begriff Korruption zur Tagesordnung gehört.

  • Roger am 28.05.2015 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    Problem echt, Kritik von falscher Seite

    Wermuth hat noch nie gearbeitet und noch nie wirklich für etwas Verantwortung übernehmen müssen. Die Fifa Korruption ist ein echtes Problem aber darüber wettern müssen Leute mit Charakter und Seniorität, nicht Lausbuben.

  • Drei Affen am 28.05.2015 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich sind auch die Politiker erwacht!

    Hoffen wir, dass unsere Politiker aus der Bankenkrise gelernt haben und nun begreifen, dass man kriminelles Verhalten von Unternehmen und Organisationen nicht mit Aussitzen sowie Untätigkeit korrigieren kann.

    • Jacques am 28.05.2015 12:14 Report Diesen Beitrag melden

      wie naiv

      Aha - und wie sollen die CH-Politiker die Fifa reformieren. Bei soviel involvierten Menschen weltweit wird die Korruption nicht verschwinden. So viele 3.-Weltländer die korrupt sind und nichts zu verlieren haben. Das soll jetzt das Parlament lösen - vor Ort wo möglich noch. Wishfull thinking....

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