Hygiene-Massnahme

23. August 2018 05:33; Akt: 23.08.2018 10:06 Print

Tagesklinik schafft den Händedruck ab

von Julia Käser - In der Tagesklinik Muri geben die Ärzte den Patienten die Hand nicht mehr. Sinnvoll, meint ein Experte. Andere Spitäler halten am Händeschütteln zur Begrüssung fest.

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Das Spital ruft seit März dazu auf, den Handschlag zwischen Arzt und Patient zu unterlassen. Begründung: Laut der WHO würden rund 80 Prozent aller Infektionskrankheiten über die Hände weitergegeben, heisst es in einer Information für die Patienten. Darum gelte das Motto «Lächeln statt Händedruck».

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Laut Martina Wagner von der Medienstelle des Spitals ist die Aktion deshalb ins Leben gerufen worden, weil in der Tagesklinik Patienten mit sehr unterschiedlichen Erkrankungen behandelt würden und deshalb spezielle Vorsicht gelte. Gemäss einem Bericht des BAG ziehen sich jährlich rund 70'000 Patienten eine Infektion mit Spitalkeimen zu. Etwa 2000 dieser Personen sterben schliesslich daran.

Vorwiegend positive Reaktionen

«Patienten, die zur Chemotherapie ins Spital Muri kommen, sind besonders gefährdet und bedürfen eines besonderen Schutzes», so Wagner. Da der Händedruck zur Schweizer Kultur gehöre, würden Patienten und Mitarbeiter fortlaufend über die Beweggründe für die Aktion informiert. Die Reaktionen auf «Lächeln statt Händedruck» seien überwiegend positiv.

Muri ist nicht allein: In Deutschland etwa verzichtet die Augusta Klinik in Bochum seit über drei Jahren komplett auf die Begrüssung per Handschlag. Der Immunologe Beda Stadler findet die Aktion des Spitals Muri durchaus sinnvoll: «Das Spital ist ein Ort, wo sich Krankheiten sammeln. Man geht krank herein und will gesund wieder rauskommen.» Der Verzicht auf das Händeschütteln sei deshalb im Falle von Tageskliniken oder Spitälern richtig.

Zuspruch findet die Aktion weiter bei Peter Rahm vom Hygiene-Beratungsunternehmen Almedica. Das Vorgehen des Spitals Muri sei vollkommen nachvollziehbar. Auch die Herausforderung der multiresistenten Keime könne entsprechende Massnahmen gegen den Händedruck legitimieren. «Die multiresistenten Keime sind eine grosse Challenge», hält Rahm fest.

«Grösster Teil der Infektionen passiert bei der Pflege»

Laut Daniel Koch, Leiter Abteilung Übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), ist der Fall des Spitals Muri ein Novum. Dem BAG sei keine entsprechende Richtlinie bekannt. Auf den Handschlag zu verzichten sei sicherlich nicht falsch, aber auch nicht die Lösung aller Probleme. «Der grösste Teil der Krankheitsübertragungen passiert bei der Pflege und nicht bei der Begrüssung.»

Grössere Spitäler halten denn auch am Händedruck fest: «Händeschütteln ist in unserer Kultur fest verankert, es ist eine Form der Kontaktaufnahme und des gegenseitigen Respekts», sagt Dr. Stefan Kuster, Leitender Arzt der Spitalhygiene am Universitätsspital Zürich (USZ). Am USZ bestehe deshalb kein solches Verbot. Stattdessen würden die Hände vor und nach jedem Patientenkontakt desinfiziert. Die korrekte Händedesinfektion sei die wichtigste, einfachste, schnellste und kostengünstigste Standardmassnahme zur Verhinderung der Übertragung von Keimen. Die Mitarbeitenden am USZ hätten klare Anweisungen, wie und wann eine Händedesinfektion zu erfolgen hat.

Keine Studien zum Händeschütteln bekannt

Die WHO bestätigt auf Anfrage, dass es keine entsprechende Empfehlung oder Studie gebe, die sich gezielt mit der Thematik des Händeschüttelns zwischen Mediziner und Patient auseinandersetze. Wie viele Patienten sich dadurch anstecken würden, könne man deshalb nicht sagen. Man empfehle, die medizinische Handhygiene «in Übereinstimmung mit der lokalen Kultur zu regeln».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Goldschmied Fabian am 23.08.2018 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Handshake

    Dann können sich ja die Händedruck-Verweigerer auch in anderen Fällen auf hygienische Gründe berufen, ohne gleich der Schweiz verwiesen zu werden.

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  • Klar am 23.08.2018 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    doch

    Wir wissen alle wieso der Händedruck abgeschaft wurde......

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  • Prof.dr.med M. Håsselbørg am 23.08.2018 06:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    old school

    Bin ich nicht so der Meinung. Ich finde es immer schön wen ich meinen Patienten die Hand gebe. Aber bin halt noch von der alten Schule.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Eidgenoss am 23.08.2018 16:51 Report Diesen Beitrag melden

    wo führt das hin?

    gibt es noch grösseren Blödsinn?

  • Stefaniesli am 23.08.2018 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Hündeler

    Dann sollte man keine Hundehalter in diesem Spital mehr zulassen, da Hunde sehr eklig sind alles mögliche abschlecken und beschnüffeln. Danach wird wieder die Hand oder das Gesicht des Hundehalter geleckt und noch schlimmer die Schosshündchen die von den Frauchen auf den mund geküsst werden. Igitt.

  • Sasi am 23.08.2018 15:47 Report Diesen Beitrag melden

    klar gesagt

    ihr diskutiert hier über krankheitserreger in spitlälern und öffentlichen orten etc. ich setz noch einen obendrauf: habt ihr auch mal an all die krankeiten und bakterien gedacht, die seit jahren von aussen hier wieder reinkommen? krankheiten, welche hier nicht mehr aufgetreten sind bis sie wieder eingeschleppt wurden? wann gab es in der schweiz zuletzt cholera? DAS ist ein grosses problem - und nicht nur die dreckigen pfoten von mitmenschen. macht ruhig daumen runter, ich bleib dennoch bei meiner meinung.

    • gehegt am 23.08.2018 19:46 Report Diesen Beitrag melden

      verdacht

      Ich hege hier noch einen ganz anderen Verdacht. Kann es sein, dass ein gewisser Teil der "neuen" Bevölkerung dahingehend entsprechende Wünsche äusserte und die Klinik sich dem Wunsch beugt und die Hygiene nur ein Vorwand ist, welche Jahrzehnte lang keine Rolle gespielt haben???'

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  • jenny am 23.08.2018 15:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hände weg, dafür husten und niessen

    Die Hand nicht schütteln, aber dann dem nächsten ins Gesicht husten, das passt zur heutigen Zeit! Die Hände kann man waschen und desinfizieren, gegen das Angehustet werden kann man nichts tun!

  • D.B.g. am 23.08.2018 14:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir spielen verrückt und das Entzückt

    Durch die Hintertür ein Ziel erreichen ? OK warum nicht ! Aber Gesund oder Krank wird man durch das Händedrücken nicht ! Oder was machen Sie mit ihren Händen: " Bio oder Chemie " Abwehrstoffe brauchen um zu Wirken das gegenüber wenn nicht dann kommen Alergien in Scharen sind diese bringen Geld. Schön und gut nur nicht Bio !