Sri Lanka

25. Januar 2010 13:59; Akt: 25.01.2010 13:59 Print

Schweizer Tamilen wollen eigenen Staat

Die Tamilen in der Schweiz haben sich an der Urne klar für einen unabhängigen Staat in Sri Lanka ausgesprochen. Dort werden die Tamilen weniger als ein Jahr nach dem Ende des Bürgerkriegs heftig umworben. Sie könnten die Präsidentschaftswahl am Dienstag entscheiden.

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Über 99 Prozent der Schweizer Tamilen wollen auch nach dem Ende des Bürgerkrieges in Sri Lanka einen eigenen Staat. Dies ergab eine Abstimmung, die am Wochenende unter der tamilischen Exilgemeinde in der ganzen Schweiz durchgeführt wurde. Gemäss einem Communiqué des Vereins Tamildiaspora haben fast 66 Prozent aller in der Schweiz lebenden Tamilen über 18 Jahre und deren nicht-tamilischen Ehepartner teilgenommen.

Sie mussten die Frage beantworten, ob sie weiter einen unabhängigen Staat Tamil Eelam im Norden und Osten Sri Lankas anstrebten. 16 357 der Teilnehmer hätten die Frage bejaht, hiess es in der Mitteilung. Nur 32 hätten mit Nein gestimmt. Leer eingelegt hätten 13; 39 Stimmzettel seien ungültig gewesen. Auch in anderen Ländern - Kanada, Frankreich und Norwegen - führten Exiltamilen bereits Abstimmungen durch. Die Resultate waren gemäss der Website tamilelection.ch ebenso deutlich.

Nach Angaben der Organisatoren konnten die Tamilen in über 50 Wahllokalen in der ganzen Schweiz ihre Stimme abgeben. Die Urnen waren unter anderem in Gemeindezentren, Pfarreien, Schulen oder Parteilokalen aufgestellt. Die Rechtmässigkeit wurde von Schweizern ohne Bezug zu Tamilen beobachtet. Wer seine Stimme abgegeben hatte, dessen Finger wurde mit Tinte markiert.

In nur drei Wochen organisiert

Organisiert wurde das Referendum von jungen Tamilen in der Schweiz, und zwar innerhalb von nur drei Wochen, wie Tamildiaspora-Präsidentin Suganthiny Sivakumar auf Anfrage von 20 Minuten Online erklärte. Man habe die Abstimmung unbedingt vor der Präsidentschaftswahl vom 26. Januar in Sri Lanka durchführen wollen und sei angesichts der kurzen Vorbereitung «sehr zufrieden mit der Beteiligung».

Ziel der Abstimmungen in der Schweiz und den anderen Ländern sei, «internationalen Druck aufzubauen für das Recht der Tamilen auf Selbstbestimmung», sagte Sivakumar. Vorbild war das Referendum von 1976 in Sri Lanka, bei dem sich 80 Prozent der Tamilen für die Unabhängigkeit ausgesprochen hatten. Die von der singhalesischen Mehrheit dominierte Regierung ignorierte das Ergebnis, worauf der Bürgerkrieg begann, der im Mai 2009 mit der Niederlage der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) endete.

Armeechef bedrängt den Präsidenten

Seither leben zehntausende Tamilen unter prekären Umständen in Lagern. Internationale Journalisten und Organisationen haben nur beschränkt oder gar keinen Zugang. Nun aber werden die Tamilen umworben. Anlass ist die Präsidentschaftswahl. Amtsinhaber Mahinda Rajapakse hat sie um zwei Jahre vorgezogen in der Annahme, der Sieg über die Tamilen-Rebellen werden ihm zur sicheren Wiederwahl verhelfen. Doch nun tritt ausgerechnet sein ehemaliger Armeechef Sarath Fonseka gegen ihn an.

Alle wichtigen Oppositionsparteien haben sich hinter Fonseka gestellt. Er profitiert vom Unmut über das autoritäre Gebaren des Staatschefs und seine Vetternwirtschaft. Rajapakse hat seine Brüder und weitere Familienmitglieder in hohe Positionen gehievt. Auch die grösste Tamilenpartei unterstützt Fonseka, obwohl er den Feldzug gegen die LTTE organisiert hatte. Im Wahlkampf jedoch macht er sich für eine Versöhnung der Volksgruppen stark. Auch Mahinda Rajapakse buhlt um die Stimmen der Tamilen, denn diese könnten die Wahl entscheiden. Beobachter erwarten ein sehr knappes Ergebnis.

Schweizer Tamilen skeptisch

Die Schweizer Tamilen verfolgen den Wahlkampf, der in den letzten Tagen zunehmend von Gewalt begleitet war, mit Skepsis, erklärt Suganthiny Sivakumar: «Wir haben keine Hoffnung. In den letzten Jahrzehnten gab es viele Präsidenten, aber nie eine Lösung.» Von Sarath Fonseka als Vertreter des Militärs erwartet sie nichts. Nur internationaler Druck für mehr Selbstbestimmung könne etwas bewegen, glaubt die junge Tamilin.

(pbl/sda)