Britische Studie

04. Dezember 2010 15:09; Akt: 05.12.2010 22:13 Print

Schweizer Väter tun sich schwer

Im internationalen Vergleich herrscht in vielen Schweizer Familien eine traditionelle Rollenteilung. Väter, die sich mehr um die Erziehung ihrer Kinder kümmern wollen, haben es eher schwer.

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In vielen Industrienationen stellen junge Frauen und Männer das klassische Bild, wonach der Vater arbeitet und die Mutter die Kinder erzieht, in Frage. Beide wollen sowohl in der Erziehung ihrer Kinder mitwirken als auch zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Inwieweit ihnen das gelingt und welchen Hürden sie dabei begegnen, hat das britische «Fatherhood Institute» im Rahmen einer neuen Studie untersucht. Zu diesem Zweck wurden in 21 führenden Industrienationen 10 Indikatoren aufgrund von Daten der OECD gemessen.

Schlusslicht Schweiz

Das Ergebnis für die Schweiz ist wenig schmeichelhaft: Sie landet auf dem letzten Platz. Ausschlaggebend für das schlechte Abschneiden sind vor allem das Fehlen eines gesetzlichen Vaterschaftsurlaubs, grosse Einkommensunterschiede zwischen Mann und Frau, wenig Teilzeit-arbeitende Männer und zu wenig staatlich-finanzierte Krippenplätze. Angeführt wird das Ranking einmal mehr von den skandinavischen Ländern.

Patricia Schulz, Direktorin des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) betont, dass die Frage der Vereinbarkeit von Beruf und Familie keine Frauenfrage ist, sondern ein brisantes gesellschaftspolitisches Thema, das alle, Väter wie Mütter, betrifft. Dass die Schweiz im internationalen Vergleich hier grossen Nachholbedarf habe, sei bekannt.

Kinder profitieren

«Wir kennen keine bundesrechtliche Regelung eines Vaterschaftsurlaubes, einer Elternzeit und eines Elterngeldes, wie es in vielen Ländern Europas die Regel ist. Auch die familienergänzende Kinderbetreuung bedarf eines weiteren Ausbaus und einer kontinuierlichen Finanzierung», sagte Schulz gegenüber «20 Minuten Online». Auch im Hinblick auf den Fachkräftemangel in der Schweiz sei es sehr wichtig, familienfreundliche Arbeitsbedingungen zu schaffen.

Rob Williams, Geschäftsführer des «Fatherhood Institute», sieht die Vorteile familienfreundlicher Politik vor allem in der Entwicklung der Kinder. Studien hätten gezeigt, dass diese davon profitieren, wenn die Väter nicht nur Geld verdienen, sondern sich auch in ihrer Erziehung engagieren: Weniger Verhaltensprobleme, weniger Kriminalität und Drogenmissbrauch, höhere Mobilität in Ausbildung und Beruf, mehr Sozialkompetenz und ein höheres Selbstbewusstsein. Eltern mit einer ausgeglicheneren Aufgabenteilung haben auch eine höhere Wahrscheinlichkeit, zusammen zu bleiben und seien im Durchschnitt zufriedener.

(kri)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fritz Gerber am 07.12.2010 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    Die Schweiz ist in vielen Bereichen des sozialen Zusammenlebens leider ein 3. Weltland! Ganz besonders wenn es um unsere Zukunft geht - unsere Kinder. Eltern kurbeln zwar die Wirtschaft an, kriegen zum Dank von der Gesellschaft einen Tritt in den Hintern. Quo vadis, Helvetia?

  • Cindy am 07.12.2010 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    Leider...

    Mein Lebenspartner und ich sind uns einig, dass sowohl beide arbeiten und auch die Kinder erziehen sollen, wenns den so weit ist. Ich als Büroangestellte werde wohl einen Teilzeitjob finden. Doch ob sein Chef erlaubt, dass er nur z.B. 80% arbeitet, dass bezweifeln wir leider stark (Handwerklicher Beruf). Es wäre zwar Zeitgemäss, aber einfach nicht üblich. Hier muss unbedingt ein Umdenken bei den Arbeitgebern geschehen.

  • Urs I. am 07.12.2010 06:41 Report Diesen Beitrag melden

    Verbot vom Staat

    Der Staat verbietet ja den Vätern nicht nur "Zahlvater" zu sein, sondern auch mittels Gerichtsurteile auch sich um seine Kinder zu kümmern. Gleichzeitig verbietet ja der Staat den Vaterschaftstest, damit ja die ach so arme Mutter alles bekommt...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Oliver W. am 08.12.2010 13:34 Report Diesen Beitrag melden

    Dass Kindererziehung sehr befriedigend

    ist und all die aufgezählten Vorteile auch für die Kinder zutreffen, kann ich nur bestätigen. Andererseits ist ein Teilzeitjob ein (Männer-)Karrierekiller. Mit der Personenfreizügigkeit gibt es auch in angesehenen Berufen mehr Lohndruck und somit mehr Doppelverdiener. Kindererziehung durch Männer ist anspruchsvoller geworden, aber mit einer frühzeitigen Absprache der Eltern über heikle Themen (Sexualaufklärung/ Nacktsein/ Nähe) können die gefährlichsten juristischen Gefahren umschifft werde. Auf sexuell gefärbte Gespräche mit ausserfamiliäreren Kindern soll man(n) heute sowieso verzichten.

  • Fritz Gerber am 07.12.2010 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    Die Schweiz ist in vielen Bereichen des sozialen Zusammenlebens leider ein 3. Weltland! Ganz besonders wenn es um unsere Zukunft geht - unsere Kinder. Eltern kurbeln zwar die Wirtschaft an, kriegen zum Dank von der Gesellschaft einen Tritt in den Hintern. Quo vadis, Helvetia?

  • Daniel P. am 07.12.2010 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    Familien gehen kaputt!

    Wir leben als klassische Familie. Meine Frau kümmert sich um die Kinder, arbeitet Zuhause und ich arbeite auswärts. Meine Frau hat studiert und i fühlt sich als Mami keineswegs unterfordert oder minderwertig. Als Alleinverdiener müsser wir den Gürtel schon etwas enger schnallen, aber der Mehrwert ist für uns um einiges höher. Ich würde nie wollen, dass meine Frau wieder arbeiten muss und ich würde auch nie als Hausmann arbeiten. Am Abend und am Wochenende teilen wir uns die Haus- und Kindererziehungsarbeit.

    • Hans Z. am 13.12.2010 23:57 Report Diesen Beitrag melden

      Sicher?

      @Daniel P. Würde mich interessieren was deine Frau dazu sagt!

    einklappen einklappen
  • Cindy am 07.12.2010 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    Leider...

    Mein Lebenspartner und ich sind uns einig, dass sowohl beide arbeiten und auch die Kinder erziehen sollen, wenns den so weit ist. Ich als Büroangestellte werde wohl einen Teilzeitjob finden. Doch ob sein Chef erlaubt, dass er nur z.B. 80% arbeitet, dass bezweifeln wir leider stark (Handwerklicher Beruf). Es wäre zwar Zeitgemäss, aber einfach nicht üblich. Hier muss unbedingt ein Umdenken bei den Arbeitgebern geschehen.

  • Friedrich Glauser am 07.12.2010 09:23 Report Diesen Beitrag melden

    Weiterdenkende Männer...

    werden sich hüten, diesem Familiendruck nachzugeben und ihre Karrieren-Chancen mit einem Teilzeit-Job zu kompromittieren. Wenns dann nicht klappt, schnappt sich Madame die Kids, das PK-Konto, die Alimente und tschüss! Dem Mann bleiben die verpassten Berufschancen und emotionelle Blechschäden!