Comparis-Umfrage

31. Mai 2018 05:46; Akt: 01.06.2018 14:33 Print

Schweizer wollen viel mehr Organe spenden

Gemäss einer Umfrage befürwortet eine Mehrheit der Schweizer die automatische Organspende. Das hiesse, dass jeder zum Spender wird, der nicht zeitlebens ausdrücklich widersprochen hat.

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1413 Schweizer warten momentan auf ein geeignetes Spenderorgan. Sie benötigen eine passende Lunge, Niere oder ein kompatibles Herz. Letztendlich warten sie darauf, dass jemand stirbt - hoffend auf eine Person mit Organspendeausweis. Die durchschnittliche Wartezeit beträgt rund ein Jahr - für viele ein Todesurteil. Jede Woche sterben hierzulande bis zu zwei Personen, weil es zu wenig Organspender gibt.

Dass die Schweizer grundsätzlich bereit wären, ihre Organe zu spenden, zeigt nun eine Online-Umfrage mit 1002 Teilnehmern von Market Agent im Auftrag von Comparis: 63 Prozent der Befragten befürworten eine Verfassungsänderung hin zur sogenannten Widerspruchslösung, bei der Personen explizit eine Organspende ablehnen müssen. Das hiesse, dass alle volljährigen Personen in der Schweiz als potenzielle Organ- und Gewebespender gelten würden – es sei denn, sie hätten zu Lebzeiten ihre Ablehnung geäussert.

«Nutzen statt Würde»

Für die Ethikerin und Theologin Ruth Baumann-Hölzle der Stiftung Dialog Ethik nehme das Vorgehen der Widerspruchslösung eine gravierende Persönlichkeitsverletzung in Kauf: «Man geht das Risiko ein, jemanden Organe zu entnehmen, der dies gar nicht gewollt hat.» In einem demokratischen Staat sollte der Staat die Integrität seine Bürger eigentlich schützen. Mit der Widerspruchslösung passiere aber genau das Gegenteil. «Grundsätzlich lässt sich ein solches Vorgehen nicht mit den schweizerischen Grundwerten vereinbaren.»

Es werde immer wieder versucht, mit Regeländerungen die Möglichkeiten der Organentnahme zu erweitern. Dabei würden auch rote Linien überschritten. Dass laut Umfrage eine Mehrheit der Schweizer trotzdem hinter einer Änderung geltender Regelungen steht, ist für sie besorgniserregend. Viele würden es nicht bemerken, wenn ihre Selbstbestimmungsrechte Stück für Stück unterlaufen würden. «Menschenrechte bedeuten ‹Würde statt Nutzen›, heute wird der Nutzen der Menschen zunehmend über ihre Würde gestellt», sagt Baumann.

«Angehörige kennen Willen des Verstorbenen nicht»

Franz Immer, Direktor von Swisstransplant, äussert sich hingegen erfreut über die Ergebnisse der Umfrage: «Ich bin positiv überrascht, dass sich die Befragten nicht von der Angstmacherei der Kritiker beeinflussen liessen.» Schliesslich sei der Begriff «automatische Organspende» irreführend, weil er impliziere, dass jemandem ohne Einverständnis die Organe entnommen werden.
«Mit der Möglichkeit, der Organspende zu widersprechen, würde die Situation für jeden Einzelnen und für die Angehörigen ungleich klarer als heute», sagt Immer.

Denn auf 100 Personen, die eigentlich ihre Organe spenden wollten, fänden die Ärzte nur etwa fünf Spenderausweise. Bei den restlichen 95 entscheide dann die Familie. Da diese den Willen des Verstorbenen in mehr als der Hälfte der Fälle nicht kennen würden, sprächen sie sich mehrheitlich gegen eine Organspende aus. «In vielen Fällen entspricht das wahrscheinlich nicht dem Willen des Toten.»

(dk/ak)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Res Zaugg am 31.05.2018 06:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein, nein.....

    ..und nochmals nein! Solange Menschen darüber entscheiden, ob ein potentielle Spender tot ist oder nicht, solange bin ich strickt dagegen, akzeptiere aber auch, dass ich als eventueller Organempfänger ganz unten oder gar nicht auf der Liste stehe.

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  • Feiveline am 31.05.2018 07:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das geht zu weit

    Wer dass möchte kann ja ein Organspenderausweis haben. Aber nicht umgekehrt, dass man von Gesetzeswegen verpflichtet werden kann. Jeder kann wohl über seinen Kôrper entscheiden und nicht ein Dritter.

  • 1 Tap am 31.05.2018 06:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Entscheiden

    Ich bin eher dafür, dass es Pflicht sein sollte Angaben zu machen ob man möchte oder nicht. Viele machen sich gar keine Gedanken drum.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • h.p. am 31.05.2018 20:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Grund

    Ich finde die Widerspruchslösung aus einem Grund besser; man MUSS sich mit diesem Thema beschäftigen, was momentan eher wenige tun.

  • Da Pidi da Brindisi am 31.05.2018 20:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sorry, ausdrücklich NEIN !

    Ich möchte einen Ausweis, auf dem steht, dass mir ausdrücklich keine Organe entnommen werden dürfen. Gründe: Das Leben ist endlich, Organhandel auch in Europa, Profit und Kosten.

  • Logiker am 31.05.2018 20:02 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn schon, dann bitte aber konsequent

    So lange der Staat nicht automatisch die Vermögen reicher Verstorbener beschlagnahmen und nach eigenem Ermessen an Arme umverteilen darf, sehe ich irgendwie auch nicht ein, weshalb dies mit Organen geschehen soll.

  • Kurt am 31.05.2018 19:35 Report Diesen Beitrag melden

    Missbrauch Tür und Tor geöffnet

    Wenn man grundsätlich allen die Organe rauben kann, dann kann man auch die Wiederrufe einfach mal so verschwinden lassen. Hatte nichts dabei also darf man seine Organe nehmen. Im Umkehrfall muss man einen Spendeausweis finden und vorweisen.

  • Kurt am 31.05.2018 19:28 Report Diesen Beitrag melden

    Ich nicht

    Denn die Organe halten nicht lange wegen der Abstossung. Man sollte mehr Geld in die Forschung stecken um Organe mit eigenen Genen nach zu züchten wie man es mit Nase, Ohren und Haut bereits kann.