Bluttat in Bangkok

27. Juli 2014 20:28; Akt: 27.07.2014 21:24 Print

Schweizer erschiesst Ehefrau und begeht Suizid

Tragödie in der High Society von Bangkok: Ein Schweizer soll seine Ehefrau, eine wohlhabende thailändische Geschäftsfrau, erschossen und sich danach das Leben genommen haben.

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Die Leiche der 48-jährigen Geschäftsfrau Kritaya L.* wurde laut thailändischen Medien am späten Freitagabend in ihrem Schlafzimmer in einer luxuriösen Wohnanlage in Bangkok gefunden – sie wies eine Schusswunde am Kopf auf. Neben ihr lag, mit einer tödlichen Schussverletzung im Gesicht, ihr Schweizer Ehemann Reto C.* (54).

Im Raum sollen drei Pistolen gefunden worden sein, eine habe C. noch in der Hand gehalten. Die Hausangestellte sagte der «Bangkok Post», das Paar sei an diesem Tag vom gemeinsamen Velofahren nach Hause zurückgekehrt und habe noch zusammen gegessen. Als die Bluttat passiert sei, sei sie damit beschäftigt gewesen, Kleider zu bügeln.

Reto C. soll psychisch krank gewesen sein

Ein ermittelnder thailändischer Polizeibeamter sagt zum Fall, Reto C. habe als Computeringenieur gearbeitet, seinen Beruf aber wegen einer psychischen Erkrankung aufgegeben. Die Tragödie führt die Polizei nach ersten Erkenntnissen auf einen häuslichen Konflikt zurück, bei dem der Mann die Nerven verloren und erst seine Ehefrau, dann sich selber getötet habe.

Die 14-jährige Tochter des Ehepaars war zu diesem Zeitpunkt nicht zuhause. Der Sicherheitschef der Wohnanlage sagte, als er an diesem Abend mit seinem Pickup vorgefahren sei, habe er beobachtet, wie Reto C. vom Balkon mehrere Schüsse abgefeuert habe, eine Kugel habe sein Fahrzeug getroffen.

Ehefrau stammte aus wohlhabender Familie

Die verstorbene Kritaya L. gehörte einer Familie an, die in Thailand zur High-Society zählt. Sie hatte in den USA studiert und arbeitete als Direktorin für die Versicherung Muang Thai Insurances, bei der schon ihr Vater als Vice-Chairman tätig gewesen war. Angehörigen war laut thailändischen Medien nicht bekannt, dass das Paar Konflikte hatte, sie wussten jedoch von den psychischen Problemen des Gatten.

Die Wohnanlage, in der das Paar lebte, ist streng gesichert, und Aufnahmen von Überwachungskameras zeigen laut der Polizei, dass zum Zeitpunkt der Tat kein Fremder in die Anlage eingedrungen sei.

Die Ermittler glauben daher nicht, dass eine Drittperson für den Tod des Paares verantwortlich ist, auch wenn sie einen anderen Tatablauf als eine Tötung der Frau mit darauffolgendem Suizid des Mannes noch nicht gänzlich ausschliessen wollen. Reto C. soll wegen seiner psychischen Probleme in ärztlicher Behandlung gewesen sein. Laut der Zeitung «The Nation» gehörten die Pistolen, die in der Wohnung gefunden wurden, Kritaya L., die eine leidenschaftliche Schützin gewesen sei.

EDA: Abklärungen laufen

Reto C., der seit 1995 in Thailand lebte, hatte eine Leidenschaft für Armbanduhren. Im Internet betrieb er ein Forum, in dem Uhrensammler sich untereinander austauschen. Bei den Nutzern ist die Erschütterung über das Drama um ihren Sammlerkollegen riesig, wie die jüngsten Einträge zeigen. Unter anderem heisst es: «Jetzt sollten wir alle unsere Energie dafür aufwenden, für seine Tochter zu beten.»

Beim Schweizer Aussendepartement EDA heisst es, man habe noch keine Informationen zum Fall. Sprecher Pierre-Alain Eltschinger sagt zu 20 Minuten: «Abklärungen sind im Gang.»


*Namen der Redaktion bekannt.

(lüs)