Fast 60 Meter

19. August 2015 16:57; Akt: 20.08.2015 15:06 Print

Schweizer holt Weltrekord im Klippenspringen

von R. Neumann - Lazaro Schaller (26) hat den Weltrekord im Klippenspringen geknackt: Aus 58,8 Metern Höhe stürzte er sich im Maggiatal in die Tiefe.

Lazaro Schaller bei seinem Sprung aus 58,8 Metern Höhe. (Video: Red Bull)
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Er steht konzentriert am äussersten Ende des Podests, 58,8 Meter über der Wasseroberfläche. Lazaro Schaller, Laso genannt, breitet die Arme aus – und springt. Er beschleunigt im freien Fall auf über 120 Stundenkilometer, taucht mit einem lauten Knall ins Wasser des Baches Riale Salto ein.

Kurz darauf erscheint sein Kopf an der Wasseroberfläche. Geschafft: Schaller hat laut Red Bull soeben den Weltrekord im Klippenspringen gebrochen. Fast 60 Meter legte der brasilianisch-schweizerische Doppelbürger in etwas mehr als 3,5 Sekunden zurück.

Der 26-jährige Athlet hat sich lange auf den Sprung vorbereitet. «Ich habe hart trainiert, um meinen Körper optimal darauf vorzubereiten», sagt er zu 20 Minuten. Vor vier Jahren war er für einen anderen Dreh an derselben Stelle und setzte sich in den Kopf, irgendwann diesen Sprung zu machen. «Es ging mir eigentlich gar nicht um den Weltrekord, sondern nur um diesen Sprung. Dass ich den Rekord geknackt habe, ist ein schönes ‹Goodie›», sagt er.

Lieber Salti als ohne Drehung

Sein Team hatte Tage zuvor ein Podest über dem Wasserfall Cassato del Salto bei Maggia gebaut. Schaller erklärt: «Hätte ich vom Felsen springen müssen, wäre es zu gefährlich gewesen.» Eine weitere Einschränkung waren die Felsen links und rechts des Bassins. «Ich musste in aufrechter Körperhaltung springen – mit mehr Platz hätte ich einen Salto gemacht.»

Damit hätte er mehr Kontrolle über seinen Körper in der Luft gehabt. Denn nur eine falsche Armbewegung bei einem aufrechten Sprung könne den Körper in Schieflage versetzen – was böse enden kann. «Das Worst-Case-Szenario war, dass ich mit dem Hintern oder Rücken aufschlage und mir schlimme Verletzungen am Becken zuziehe oder gelähmt bin», sagt Schaller.

Verletzungen beim Aufprall

Deshalb habe er die vergangenen Jahre damit verbracht, die Kontrolle über seinen Körper bei einem aufrechten Sprung zu trainieren. Füsse zuerst, etwas nach vorne gelehnt, die Arme zuerst ausgebreitet, am Schluss vor den Hüften gekreuzt. Beim Eintauchen sei der Oberkörper gespannt, um den Rücken zu schützen, die Beine nicht vollständig gestreckt, um den Aufprall abzufedern.

Nicht alles lief perfekt: Beim Weltrekordsprung sei das linke Bein perfekt eingetaucht, das rechte Bein hingegen habe es ihm weggezogen. «Ich habe mir das Hüftgelenk fast ausgerenkt und das Innenband am Knie ist angerissen», sagt Laso Schaller fast beiläufig. Eine Operation sei nicht nötig, aber die nächste Zeit humple er ein bisschen.

Vor dem Sprung hatten die Helfer sechs Sauerstoffflaschen, wie sie beim Tauchen verwendet werden, im Becken versenkt. Diese wurden voll aufgedreht, damit die Luftbläschen die Oberflächenspannung des Wassers durchbrechen – Schallers Aufprall aufs Wasser wurde so gedämpft. Mit grossen Steinbrocken wurde zuerst die Flugbahn getestet. Das Bassin, in das Schaller sprang, war nur acht Meter tief.

Guinness-Buch muss Rekord noch anerkennen

Jörg von Dall'Armi ist Canyoning-Guide in Bayern und war beim Rekordsprung für die Sicherheit zuständig. Er sorgte dafür, dass beim Sprung, der von einem Filmteam begleitet wurde, alle Beteiligten und die Kameras gesichert waren.

Er ist froh, dass sich Schaller gut vorbereitet hat. «Er machte viel Krafttraining, damit sein Körper stabil genug ist für den Aufprall.» Da müsse jeder Muskel funktionieren, sonst könne es böse enden. Dall’Armi: «Das Gleichgewicht zu halten, ist das Schwierigste. Lasos Instrument sind die Finger. Damit hält er die Balance während des Fluges.»

Nun müsse das Guinness-Buch den Rekord noch anerkennen. «Aber wir haben sogar mit einem Geometer die Höhe gemessen, es sollte also kein Problem sein.»

Am 9. September um 22.45 Uhr strahlt SRF 2 im Rahmen der Sendung Sommerchallenge ein Film über den Weltrekordsprung aus.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sammy D.L am 19.08.2015 17:04 Report Diesen Beitrag melden

    Was für eine Wildsau

    Chapeau, echt crazy.................. Zur Nachahmung aber bestimmt nicht empfohlen. :-)

  • Milchbubi am 19.08.2015 17:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer extremer...

    und irgendwann werden GoPro und RedBull auch ihn auf dem Gewissen haben.

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  • 797 am 19.08.2015 17:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratulation

    Schon beim Zusehen machte ich in die Hose.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pickup Artist am 20.08.2015 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    Verständnis

    Ich verstehe jeden, der auf diesem Portal angemeldet ist, weil seine Partnerin nicht mehr will/kann. Deswegen braucht man noch lange kein Leben in Enthaltsamkeit zu führen.

  • Schimun am 20.08.2015 10:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte nicht nachmachen...

    Ich habe auch einen Weltrekord zu vermelden: Ich kann meinen rechten Zeigefinger 61 Tage an die Stirne halten. Ohne Medienrummel, damit niemand auf die Idee kommt es mir nachzumachen und mich überbietet.

  • erich b. am 20.08.2015 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    Spinner Typ

    Vollhohler Arsch, wenn es dann Schiefgeht soll in dann auch noch die Rega Holen ? Die müssen dann Wohl noch Ihr Lebe riskieren wegen einem solch Kranken Typen ! Ich würde den nicht suchen oder holen, soll Liegen bleiben wo Er ist.

    • Seefahrer am 20.08.2015 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Und wäre er gelähmt gewesen, müssten wir das noch mitfinanzieren.

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  • T. Beier am 20.08.2015 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Ruhm

    Wofür soll das gut sein? Macht man sowas nicht dann, wenn man sonst nichts kann? Ähnlich wie die Seiltänzer etc. Ruhm scheint wichtig.

    • Pascal am 20.08.2015 14:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Immer die Besserwisser

      Kennen Sie die Person? Wissen Sie was die Person sonst beruflich ausübt? Also bevor man einfach mal irgendwas behauptet, zuerst informieren. Ich kenne Laso persönlich und weiss, dass er sehr wohl auch beruflich was auf dem Kasten hat ;) sämtliche Risiken waren ihm bewusst, und nein es ging ihm nicht um irgendwelches Geld von RB. Der Sprung wurde weit vorher einstudiert.

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  • Marco am 20.08.2015 10:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt tolle Alternativen

    Hoffentlich sehen das viele Leute und trinken weiter RB den es verleiht ja Flügel. Aber wie viele Leute tot sind das verschweigt der Diktator aus Österreich. Aber ruhig weiter die Brühe trinken,dann er weiter seinen teuren Hobbys fröhnen.

    • Roland K. am 20.08.2015 10:31 Report Diesen Beitrag melden

      Doku

      "Die dunkle Seite von Red Bull" - diese Doku ist ein Muss

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