Verunsicherung

25. Januar 2020 20:07; Akt: 26.01.2020 08:07 Print

Schweizer in China wegen Coronavirus besorgt

von P. Michel - Im chinesischen «WeChat» teilen Auslandschweizer ihre Sorgen über das Coronavirus. Einige fühlen sich vom Aussendepartement ungenügend informiert.

Wuhan baut ein Spital für Infizierte, Opferzahlen und aktuelle Meldungen: Alles zum Ausbruch des Coronavirus. (Video: Tamedia)
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41 Tote, 1300 Ansteckungsfälle und 35 Millionen Menschen, die unter Reisebeschränkungen stehen: Das neuartige Coronavirus sorgt in China für den Ausnahmezustand. In der mittlerweile abgeriegelten Stadt Wuhan, wo der Virus ausgebrochen ist, befinden sich laut dem Eidgenössischen Aussendepartement (EDA) auch acht Schweizer. Insgesamt leben in China 1355 Auslandschweizer.

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In «WeChat»-Gruppen, dem chinesischen Whatsapp, ist die Krankheit ein vieldiskutiertes Thema der Expats. Die Auslandschweizer fühlen sich vom EDA ungenügend informiert. «Ich rief vor drei Tagen die Schweizer Botschaft an, weil ich keine Informationen des EDA zum Virus finden konnte», schreibt eine Person. Er sei dann auf die Website Safetravel.ch verwiesen worden. Der erste Eintrag zum Thema wurde dort jedoch erst am 22. Januar aufgeschaltet. «Es ist bedauerlich, dass die Schweizer Regierung unfähig ist, zu informieren», ergänzt jemand.

China informierte per SMS

Andere Nutzer wiesen deshalb auf chinesische Quellen hin. Die chinesischen Behörden raten, Massenansammlungen zu meiden, die Hände zu waschen, die Hände beim Niesen vors Gesicht zu halten sowie die Kleider regelmässig zu waschen. Auch das Tragen von Masken wird empfohlen. Ein weiterer Schweizer in China sagt: «Wir wurden per SMS gewarnt, nicht an belebte Plätze zu gehen und uns möglichst in den Wohnungen aufzuhalten. Die chinesische Regierung ist sehr vorsichtig.»

Da die Nachfrage nach Gesichtsmasken gross ist, rät ein Auslandschweizer seinen Landesgenossen auf «WeChat», lokale Spitäler oder auch Tierkliniken abzuklappern. «Schaut auch auf Onlineplattformen wie Alibaba oder Aliexpress.» Jemand bietet danach an, Masken aus Shanghai mitzubringen, für jene, die keine mehr bekommen konnten.

Am Freitagabend informierte das Schweizerische Generalkonsulat in Shanghai die Auslandschweizer dann per Mail. «Wir empfehlen Ihnen, sich vor Ort über die neuesten Massnahmen zu informieren und die Anweisungen der örtlichen Behörden zu befolgen.» Darunter folgen Links zu Safetravel.ch, zum Bundesamt für Gesundheit und zur Weltgesundheitsorganisation. «Bleiben Sie gesund», heisst es abschliessend.

«Esse kein Fleisch und Fisch mehr»

«Ich hoffe, die Abriegelungen der betroffenen Städte wirken», sagt Rolf Staubli, der seit 35 Jahren nach China reist und jeweils im Winter in Sanya wohnt. Angst sei ein schlechter Ratgeber. Trotzdem bleibe er wenn immer möglich in der Wohnung. «Ich war am Freitag nur kurz draussen im nahe gelegenen Dorf, um Gemüse und Eier einzukaufen. Fleisch und Fisch esse ich im Moment nicht.» Er habe ein Rückflugticket auf Mitte März gebucht.


Rolf Staubli lebt in Sanya im Süden Chinas.

Auf die Kritik einiger Auslandschweizer geht das EDA nicht ein. Auf Anfrage heisst es, dass man Reisende in Gesundheitsfragen nicht beraten könne, da man nicht über das medizinische Fachwissen und die entsprechende Zuständigkeit verfüge. «Grundsätzlich konzentrieren sich die EDA-Reisehinweise auf sicherheitsrelevante Informationen in den Bereichen Politik und Kriminalität», sagt Sprecher Georg Farago. Diese enthielten eine Einschätzung möglicher Risiken und würden gewisse Vorsichtsmassnahmen empfehlen. «Über die Verbreitung von Krankheiten und mögliche Schutzmassnahmen informieren hingegen Ärzte und Impfzentren.»