03. März 2008 10:21; Akt: 03.03.2008 20:22 Print

Schweizer sind Sprachtalente - Englisch holt auf

Die Schweizer Bevölkerung beherrscht im Durchschnitt zwei Fremdsprachen. Damit steht sie europaweit an dritter Stelle - hinter Luxemburg und den Niederlanden. In der Deutschschweiz und im Tessin ist die Fremdsprachenkompetenz grösser als in der Romandie.

Fehler gesehen?

Deutschschweizer und Tessiner sprechen im Durchschnitt 2,2 Fremdsprachen, die Westschweizer im Durchschnitt 1,7. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Nationalen Forschungsprogrammes NFP 56 «Sprachenvielfalt und Sprachkompetenz in der Schweiz», wie der Nationalfonds am Montag mitteilte.

Erwartungsgemäss beherrscht die Bevölkerung die jeweils andere Landessprache am besten: In der Deutschschweiz rangiert Französisch- von 71% der Befragen genannt - vor Englisch (67%). In der Westschweiz liegen Hoch- und Schweizerdeutsch (47%) vor Englisch (43%), im Tessin Französisch (74%) vor Deutsch (65%) und Englisch (42%).

Englisch in, Italienisch out

Bei der Frage nach der nützlichsten Fremdsprache steht hingegen das Englische klar an der Spitze. In der Deutschschweiz nannten 92% der Befragten Englisch als nützlichste Fremdsprache, in der Romandie waren es 88% und im Tessin 77%.

Englisch gilt zudem als die prestigeträchtigste Sprache - vor Französisch, Deutsch und Spanisch. Anlass zur Sorge gibt laut den Sprachforschern der Status des Italienischen. Dessen Wertschätzung ist selbst im Tessin gering: Nur sechs Prozent der dortigen Bevölkerung bezeichnen ihre Muttersprache als prestigeträchtigste Sprache.

Schule prägt, Reisen motiviert

Bemerkenswert ist laut der Studie die Motivation, die für das Erlernen einer Sprache genannt wird: für 53 Prozent der Befragten war es die eigene Zufriedenheit, 50 Prozent wollen sich in den Ferien im Ausland besser verständigen können und 39 Prozent möchten Menschen aus anderen Kulturen besser verstehen.

35 Prozent nannten den Beruf als Motivation, eine Fremdsprache zu beherrschen, 34 Prozent möchten Menschen aus anderen Ländern kennenlernen. Prägend für das Erlernen der ersten Fremdsprache ist für die Mehrheit der Befragen aber die Schule.

Europäer: im Schnitt 1,14 Sprachen

Im Europavergleich sind die Schweizer tatsächlich Sprachtalente: besser schneiden nur die Luxemburger mit drei und die Niederländer mit 2,2 Fremdsprachen ab. Zum Vergleich: der EU-Durchschnitt lag bei 1,14 Sprachen - diese Zahl war jedoch noch vor der Osterweiterung ermittelt worden.

Für die Schweizer Sprachkompetenzen-Studie befragte das Forscherteam um den Berner Universitäts-Professor Iwar Werlen 600 Personen in der Deutschschweiz, 400 in der Romandie und 200 im Tessin.

Wie viele Fremdsprachen sprechen Sie?

Carina Dietiker (32), Dagmersellen LU
Spanisch und Portugiesisch sind meine Muttersprachen. Ich spreche aber auch noch Italienisch, Französisch und Deutsch. Da ich in der Schweiz aufgewachsen bin, fällt mir Schweizerdeutsch aber am leichtesten.

Nicki Schärrer, (22), Basel
Ich spreche Französisch und Englisch. Französisch habe ich so einigermassen in der Schule gelernt. Englisch studiere ich und kann es deshalb relativ gut. Diese Sprache interessiert mich, weil sie eine Weltsprache ist.

Vincenza Barzasi, (30), Thalwil ZH
Ich spreche fliessend Italienisch – mein Vater stammt aus Bergamo. Daneben kann ich mich gut in Englisch verständigen und habe Grundkenntnisse in Französisch. Bald gehe ich nach New York und verbessere mein Englisch.

Marcel Gerber, (38), Bern
In meinem Beruf als Taxifahrer sind Fremdsprachen wichtig. Ich kann mich auf Deutsch, Französisch, Englisch und Italienisch verständigen. Manch andere Chauffeure sprechen leider nicht einmal richtig Deutsch.

Corina Scheitlin, (18), St.Gallen
Neben Deutsch kann ich mich in Englisch und Französisch verständigen. Für mich ist die englische Sprache sehr wichtig. Mit dieser kommt man auf der ganzen Welt durch. Zudem ist sie einfacher zu lernen als andere.

(sda)