Flut in Pakistan

12. August 2010 07:51; Akt: 16.08.2010 13:35 Print

Schweizer spenden kaum für Pakistan

von Ronny Nicolussi - Noch nie waren so viele Menschen von einer Katastrophe betroffen wie jetzt in Pakistan. Bis heute hat die Glückskette nur 800 000 Franken Spenden erhalten.

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Das Dorf Sarjani im Distrikt Thatta (28. August 2010). Dämme brechen bei der südpakistanischen Stadt Thatta . Bei Thatta (26. August 2010). Flüchtlinge stehen bei einer weggespülten Anlegestelle einer Fähre bei Thatta (26. August 2010). 2,3 Millionen Menschen flüchten allein in dieser Region vor dem Wasser (26. August 2010). Weite Gebiete in der Region sind überschwemmt (26. August 2010). Flüchtlinge bei Thatta (26. August 2010). Flüchtlinge bei Thatta (26. August 2010). 25. August: Die UNO meldet, dass 800 000 Menschen für Hilfslieferungen nur über den Luftweg erreicht werden können. Mindestens 40 Schwerlasthubschrauber seien nötig, «um die grosse Zahl zunehmend verzweifelter Menschen mit lebensrettenden Hilfsgütern zu versorgen». Bei Thul in der Provinz Sindh warten die Menschen auf Hilfe aus der Luft. Auch die afghanische Armee unterstützt die Hilfsaktionen mit Helikoptern und Personal. Aus einem afghanischen Helikopter werden Nahrungspakete über Thul abgeworfen. Ein Helikopter landet im Quba Saed Khan nahe Shadad Kot in der Provinz Sindh. Dutzende Bewohner wurden von der pakistanischen Armee auf dem Luftweg aus der isolierten Gegend evakuiert. 23. August: Flüchtlinge sitzen zwischen den Autostrassen in Peshawar. Schwimmend mit Hab und Gut durch Sukkur. Poulet, mit Fliegen überzogen: Schwieriges Essen im Flüchtlingslager in Nowshera. 19. August: Das Elektrizitätswerk in Muzaffargarh unter Wasser. Staatschef Zardari zeigt sich mit Überlebenden der Flutkatastrophe. Eine Farm wird zur Insel: Hochwasser in der Sindh-Provinz. 16. August: Eine pakistanische Familie in Shekarpur schützt sich vor dem Monsun-Regen. Sauberes Wasser ist ein knappes Gut in den zerstörten Gebieten, wie hier in Nowshera in der Provinz Khyber-Pakhtunkhwa. (16. August 2010) Wasserausgabe in Shikarpur: Die UNO warnte, dass 3,5 Millionen Kinder von Krankheiten bedroht sind, die durch verunreinigtes Wasser übertragen werden. In Sukkur und anderen Orten haben wütende Flutopfer Strassen blockiert, um gegen die zögerliche Hilfe der Regierung zu protestieren. Nach UNO-Angaben haben viele der betroffenen Menschen noch keinerlei Unterstützung erhalten. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln stellt die Helfer aus dem In- und Ausland immer noch vor grosse Probleme. Die UNO erklärte, wegen der Hochwasserkatastrophe drohe vielen Menschen Unterernährung. Wird Essen ausgegeben, kommt es regelmässig zu Verteilkämpfen, wie hier in Shekarpur. Hunger und Verzweiflung lässt die Menschen handgreiflich werden. Nahe der Stadt Dera Alayar werden Lebensmittel und Wasserflaschen über gestrandeten Flutopfern abgeworfen. Viele Überlebende können nur durch die Luft versorgt werden. Von der Überschwemmungskatastrophe in Pakistan sind 20 Millionen Menschen direkt oder indirekt betroffen. Hunderttausende leben unter prekären Bedingungen in Flüchtlingslagern wie hier in Pathan Wala. Flüchtlinge in einer Schule in Sukkar. Traurige Heimkehr: Flutopfer kommen in ihre zerstörten Häuser im Nowshera District in der Provinz Khyber-Pakhtunkhwa zurück. Ein zerstörter Schienenweg in In Sultankot, in der Provinz Sindh. Die Zerstörung der Infrastruktur Pakistans ist gewaltig. Die UNO rechnet damit, dass die Schäden in die Milliarden gehen. Ein Pakistani nutzt die defekten Schienen als Brücke in Sultan Kot Eine Familie im Muzaffargarh-Distrikt im Punjab ist mit ihren Habseligkeiten auf dem Weg in ein trockenes Gebiet. Überlebende im Muzaffargarh-Distrikt, Punjab. Flüchtlingscamp in Razzakabad. Eine Frau in Khangarh, nahe Multan, nutzt eine grosse Pfanne, um sich in Sicherheit zu bringen. Gemäss zahlen der UNO wurden Hektar Ernte vernichtet. Hier ein Bild des Überschwemmungsgebiet im Punjab nahe der Millionenstadt Multan. Und die pakistanischen Behörden befürchten weitere Überflutungen durch den Fluss Indus. In der Nähe von Multan sind ganze Dörfer verschwunden. Ein Helilandeplatz ist im Khyber-Pakhtunkhwa Gebiet unter Wasser. Binnenflüchtlinge in Sukkur erhalten rudimentäre medizinische Hilfe. 14. August 2010: Ein pakistanischer Soldat hält einen Sack mit Hilfsgütern im Helikopterflug über Jacobabad. Abwurf von Hilfspaketen über Jacobabad. Das Elend ist gross. Ein Mann mit seinen Habseligkeiten in Sukkar. 13. August 2010: Ein Mann sitzt auf den Trümmern seines Hauses in Aza Kheil in der Nähe von Peshawar. Exodus aus Muzaffargarh in der Nähe von Multan (13. August 2010). Nach Angaben der Regierung sollen 20 Millionen Menschen ihr Zuhause verloren haben. Die Jahrhundertflut hat in Pakistan grosse Not ausgelöst. Flüchtlingslager in Risalpur. Die USA haben Kriegsschiffe und Helikopter entsandt, um Hilfe ins Land zu bringen. Kreative Selbsthilfe in Shah Jamal. Zahlreiche Dörfer sind seit Tagen von ihrer Umwelt abgeschnitten. Die Bewohner können nur noch aus der Luft evakuiert werden. Die Zerstörung ist immens. Viele Pakistaner haben alles verloren. Jeder versucht zu retten, was er kann. Eine Nähmaschine... ...einen Fernseher... ... oder eine Kuh, wie Bauer Rasool Bux. Schätzungen der UNO zufolge sind mindestens 14 Millionen Menschen von den durch heftige Regenfälle ausgelösten Überschwemmungen betroffen. Es fehlt an allem, die Überlebenden sind auf fremde Hilfe angewiesen. 1800 Tote haben die verheerenden Überschwemmungen bereits gefordert. Essen und Trinken werden verteilt. Von Helikoptern aus aufgenommene Bilder des pakistanischen Fernsehens zeigten Menschen, die in ihren Dörfern auf den Dächern beschädigter Häuser Schutz vor den reissenden Fluten suchten. Luftaufnahmen zeigten, dass die Fluten ganze Dörfer weggespült hatten. Mit Militärhubschraubern und mehr als 100 Booten versuchten Rettungskräfte, zu rund 27 300 noch immer von Wasser eingeschlossenen Einwohnern der Provinz vorzudringen. Menschen, die sich mit ihren Habseligkeiten auf dem Rücken zu Fuss einen Weg durch die Wassermassen bahnten. Nach Angaben des UNO-Büros für humanitäre Hilfe in Pakistan konnten sich die Rettungskräfte noch immer kein klares Bild vom kompletten Ausmass der Flutkatastrophe machen. Viele Kommunikationswege sind zusammengebrochen. Die Behörden würden in Schulen Notunterkünfte errichten, um die Menschen mit Nahrungsmitteln und Medikamenten zu versorgen. Doch aufgrund schlechter hygienischer Verhältnisse steigt in den Massenunterkünften die Gefahr von Seuchen. Ärzte berichteten bereits aus Notlagern von Ausschlägen und Durchfallerkrankungen. Zudem gebe es Engpässe bei der Versorgung mit Lebensmitteln. Aus dem Distrikt Swat wurden mehrere Cholera-Fälle bekannt, wie der Informationsminister der Provinz, Mian Iftikhar Hussain, erklärte. Hussain sprach von der «schlimmsten Flut in Khyber Pakhtunkhwa in der Geschichte des Landes». Die Provinz Khyber Pakhtunkhwa grenzt im Nordwesten des Landes an Afghanistan. Viele Menschen dort wohnen in abgelegenen Bergdörfern. Mehr als 27000 Menschen waren am Sonntag noch immer von den Fluten im Nordwesten des Landes eingeschlossen, ... ... wo nach heftigem Monsunregen zahlreiche Flüsse über die Ufer traten.

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Die Zahlen sprechen für sich. Obwohl die Glückskette bereits zwei Mal zur Spende aufgerufen hat, gingen bis am Donnerstag für die Opfer des Hochwassers in Pakistan erst Zahlungen in der Höhe von rund 800 000 Franken ein. Das ist fast hundert Mal weniger Geld als bei der Spendenaktion für die Erdbebenopfer auf Haiti im vergangenen Januar, als 65 Millionen Franken zusammenkamen. Bei der Sammlung für die Opfer des Tsunamis im indischen Ozean im Jahr 2004 waren es gar 227 Millionen Franken gewesen. Dabei sind von der Flut in Pakistan mit rund 14 Millionen mehr Menschen betroffen als beim Tsunami und den Erdbeben auf Haiti und in Kaschmir zusammen.

Priska Spörri, Mediensprecherin der Glückskette, sieht dafür mehrere Gründe. Im Gegensatz zum Erdbeben auf Haiti, wo das Ausmass der Katastrophe sofort ersichtlich gewesen sei, habe sich die Katastrophe in Pakistan langsam entwickelt. Erst mit der Zeit hätten die Menschen in der Schweiz auf Bildern gesehen, was wirklich passiert sei. Zudem habe die Glückskette erst am Dienstag ihre Kampagne mit Werbefilmen im Schweizer Fernsehen ausgebaut. «Nun sammeln wir täglich 200 000 Franken, Tendenz steigend», sagte Spörri.

Aber offenbar ist das immer noch zu wenig: Der UN-Chef für humanitäre Hilfe, John Holmes sprach davon, dass in den kommenden Wochen und Monaten Mittel in der Höhe von Hunderten Millionen US-Dollar dringend benötigt würden. Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF wies darauf hin, dass erst ein Drittel der Mittel, die alleine für die Soforthilfe benötigt würden, zur Verfügung stehe.

Militär, Taliban und Krieg

Barbara Gruner, Verantwortliche für die Humanitäre Hilfe beim Schweizerischen Arbeitshilfswerk (SAH), sieht den Grund für die tiefen Spendenzahlen darin, dass Pakistan in einer Region liegt, die wenig Sympathien geniesst: «Für andere Länder ist es bedeutend einfacher, Spenden zu sammeln.» Die Menschen könnten sich kaum mit Pakistan identifizieren. Dem pflichtet auch Glückskette-Sprecherin Spörri bei. Die geografische Nähe zum Katastrophenort spiele eine Rolle. «Es gibt aber auch Leute, die sagen, Pakistan ist eine Atommacht, denen muss man nicht helfen. Und wieder andere sehen, wenn sie an Pakistan denken, nur Militärs, Taliban und Krieg», so Spörri.

Aber nicht nur in der Schweiz, auch in der übrigen westlichen Welt hält sich die Spendierfreudigkeit derzeit in Grenzen, wie die Aufrufe der Vereinten Nationen zeigen. Mitgliedsorganisationen des Bündnisses «Aktion Deutschland Hilft» stellten zudem fest, dass ihre Vorräte vor Ort aufgebraucht sind, Geld für neue Hilfsmittel aber kaum zur Verfügung steht. Seit Beginn der Katastrophe wurden dem Bündnis, dem zehn renommierte Organisationen angehören, lediglich 146 000 Euro gespendet.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin Loboc am 12.08.2010 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    Pakistan etc. etc.

    Pakistan muss sich selber helfen, eine Atombombe zu entwickeln kostet hunderte von Millionen, Pakistan erhält von den USA Unterstützung und die fliesst zum Teil nach Afganistan wo der Pakistanische Geheimdienst die Aufständischen unterstützt. Was hat das mit den Opfern einer Flut zu tun? Mit einer solchen Regierung ist die nächste Katasrophe vorprogrammiert, die Leute benötigen Waffen um das ganze Land "umzugestalten" helfen von aussen ist auf jeden Fall falsch so hart das ist.

  • Paul Härtle am 12.08.2010 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    bald pleite

    Wenn man immer und überall für alles spenden würde, arbeitete man bald umsonst. Bestes Beispiel ist St. Gallen... Zuerst irgendwelche Öko-Schnorrer, Bettler, Drögeler, Hilfswerke so und so, Infirmis etc. etc. alles auf ca. 100m Fussweg. Lieber man spendet für einen Verein, dafür aber so, dass es sich auch lohnt.

  • Peter Fürst am 12.08.2010 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Eigentlich nicht so verwunderlich!

    Dass sich die Spendierfreudigkeit der Leute in Europa für Pakistan eher in Grenzen hält ist eigentlich nicht sonderlich verwunderlich! Zum Einen haben wir selber alle Probleme uns wegen der Finanzkrise mit eigenen Mitteln über Wasser halten zu können, zum Anderen haben sich die Muslime dort nicht wirklich beliebt mit ihren Hetztyraden gegen den Westen gemacht, so dass eine solche Konsequenz eigentlich das Naheliegendste überhaupt ist.

Die neusten Leser-Kommentare

  • peace am 25.08.2010 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    denken

    Seit Jahren alimentiert der Westen die korrupten und selbstherrlichen Eliten des Landes, die sich übrigens jetzt keinen Deut um ihre Landsleute scheren. Der Westen, das ist in Entwicklungs- und Schwellenländern nicht synonym mit Menschenrecht, Demokratie und Stabilität, ganz im Gegenteil. Der Westen, das ist das Geld, mit dem die korrupte, inkompetente Oberschicht Pakistans am Leben erhalten wird. Der Westen, das ist dort, wo die Fussbälle und Skalpelle hinverschifft werden. Der Westen, das ist das, was Afghanistan verheert hat. Und mit dieser Politik die Taliban als Inkarnation des Antiwesten

  • peace am 25.08.2010 13:35 Report Diesen Beitrag melden

    ?????????????????????

    In diesem Zusammenhang unerwähnt bleibt natürlich auch, dass die Komplizen Abdul Kadir Khans, des Vaters der pakistanischen Atombombe Mitteleuropäer waren, Deutsche und Schweizer zum Beispiel. Ein gutes Argument gegen Spenden beim nächsten Oderhochwasser, muss man sich merken.

  • peace am 24.08.2010 10:58 Report Diesen Beitrag melden

    kinderarbeit (auch CH-Firmen) in pakista

    Jedes fünfte chirurgische Handinstrument aus Pakistan Die Bedingungen, unter denen dies geschieht, prangert der britische Chirurg Mahmood Bhutta jedoch als äußerst unsauber an. Skalpelle, Scheren und anderes OP-Besteck werden in Sialkot in kleinsten Werkstätten hergestellt, weil die örtlichen Produzenten so viele Arbeitsschritte wie möglich an Subunternehmer vergeben: Schmieden, Feilen, Schleifen, Spanen, Galvanisieren und Wärmebehandlung. Nur chemische Reinigung, Politur und Qualitätskontrolle übernähmen die Hersteller noch selbst, hat Bhutta vor Ort in Sialkot beobachtet. Nur rund zwei

  • Susanna am 20.08.2010 15:04 Report Diesen Beitrag melden

    und saudi arabien spendet 100 mio

    nur für all diejenigen,die behaupten es würde nur der westen spenden. nein, es spenden ALLE. ausser die, die kein herz haben

  • Schweizer Bauer am 18.08.2010 20:36 Report Diesen Beitrag melden

    Taliban spendet 20 Millionen? (@Susanna)

    Wenn das stimmt, na dann prima! Wo ist das Problem? Das heisst, dass nun jeder in Not geratene Pakistani mehr als eine Million bekommt. Mir spendet leider niemand eine Million.

    • susanna am 20.08.2010 10:20 Report Diesen Beitrag melden

      kannst du nicht rechnen

      20 mio geteilt durch 20mio gibt eiene million.??? what the xxx?? ich empfehle dir mal einen grundkurs in mathematik zu belegen

    • @ Schweizer Bauer am 25.08.2010 13:40 Report Diesen Beitrag melden

      mmhh

      So reden sie, die sich keinerlei Gedanken darüber machen, wer hier in Wahrheit wen unterstützt. Sie tippen solche Kommentare in Laptops, die für den Gegenwert einer Pfandflasche irgendwo in China für sie zusammengeschraubt wurden. In ihrem Garten spielen derweil die Kinder mit Fußbällen, die andere, gleichaltrige Kinder am anderen Ende der Welt in Sklaverei zusammengenäht haben. Und wenn ihr Herz kurz aussetzt oder sie einen Unfall haben, dann werden sie wieder zusammenoperiert mit Skalpellen, die andere Kinder aus Sialkot (Pakistan) für sie zusammengedrechselt haben.

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