Sexfilme

05. Dezember 2014 19:38; Akt: 05.12.2014 20:05 Print

Schweizer stehen auf Hausfrauen-Pornos

von Roland Schäfli - Die Schweiz konsumiert Pornos. Immer mehr, immer härter. Doch erlaubt ist längst nicht alles. Porno-König Patrik Stöckli steht deswegen ein Millionen-Prozess ins Haus.

Die Sex-Supermarktketten "Erotikmarkt" und "Magic X" haben unterschiedliche Auslegungen, was die Kundschaft will. (Video: Roland Schäfli/Lorenz von Meiss)
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Grossbritannien verbietet praktisch alles, was Sexfilm-Liebhaber erregt. Doch auch in der Schweiz haben Porno-Konsumenten nicht freie Hand. Ob Porno-Grossist Patrik Stöckli die «Grenzen des Erlaubten zu sehr ausgelotet hat», müssen jetzt die Gerichte klären. Denn Stöckli steht im Februar in zweiter Instanz vor dem Kadi, weil er Filme mit «gewaltverherrlichendem Inhalt» unter die Leute gebracht hat. Stöckli, früher unter Pseudonym auch sein eigener Porno-Produzent, würde sich vom Gesetzgeber klarere Richtlinien wünschen. «Wie soll ich wissen, ob es schon gewaltverherrlichend ist, wenn einer Frau der Popo versohlt wird?» Verteidigen lässt er sich vom Milieu-Anwalt Valentin Landmann. Verhandelt wird gemäss Stöckli eine Klage in sechsstelliger Höhe.

Grosse Grauzone

In Deutschland nimmt die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften Pornos unter die Lupe. Deren Urteil ist für die hiesige Szene ein Indikator, was sich gerade noch im Rahmen des Erlaubten bewegt. Denn eine ähnliche Prüfstelle fehlt in der Schweiz. In Stöcklis Fall befand ein Basler Zöllner bei der Einfuhr, besagter Sadomaso-Streifen sei «gewaltverherrlichend». Resultat: Razzia in Stöcklis Erotikmärkten. Er hat so viele Sexfilme im Sortiment, dass er die genaue Anzahl nicht kennt. Eine seiner Mitarbeiterinnen kann nur schätzen: «Es kommen wöchentlich 20 neue Filme dazu.»

Natursekt-Filme im Kommen

Der Mann, der landläufig als «Porno-König» bezeichnet wird, verdankt diesen Titel seiner Erotikmarkt-Kette: 18 Läden, 90 Mitarbeiter, 20 Millionen Umsatz. Der Jahresgewinn von 1,5 Millionen schwillt gerade wieder an. Denn seit in der Schweiz Pornos mit Körperausscheidungen, NS-Filme (Natursekt), wie sie der Connaisseur nennt, erlaubt sind, hat auch Stöckli diese Titel wieder in seinen Gestellen. Die Nachfrage bestimme das. Bei seinem direkten Konkurrenten, der «Magic X»-Kette, setzt man hingegen auf Selbstregulierung der Triebe: Hier sucht der Konsument den Natursekt vergeblich. Und hier kennt man auch die ungefähre Anzahl des Angebots: es müssen 3000 Titel sein. «Es drängen auch immer wieder neue Labels auf den Markt», erklärt Filialleiter Chris Brodmann, seit neun Jahren bei der Sex-Kette.

Für die Frau «ein Schuss Romantik»

Magic X betitelt sich als Schweizer Marktleader und wird auch intern gern als «Migros» des Sex-Konsums bezeichnet. Dank der Online-Verkäufe weiss man genau, was Kunden – und Kundinnen – wünschen: Momentan verlangen Männer vor allem nach Amateur-Videos, die den Anschein von Realität erwecken. Vor allem Streifen der deutschen «Tut sie es»-Serie sind gefragt, in denen «Hausfrauen von nebenan» auftreten. Die Frauen stellen für Magic X eine immer bedeutendere Zielgruppe dar. Spätestens seit dem «Fifty Shades of Grey»-Phänomen hat die Schweizerin den Sex entdeckt und weiss auch ganz genau, was sie will: «Filme mit einer Handlung und einem Schuss Romantik», sagt Brodmann, «aber ohne die in Hardcore-Filmen üblichen Grossaufnahmen von Genitalien». Kundinnen bevorzugen Porno-Produktionen des Labels «Playgirl». Die Sex-Supermärkte wollen einen Anstieg der DVD-Nachfrage festgestellt haben, weil es Konsumenten abtörnt, auf Internetportalen persönliche Angaben machen zu müssen.

Auch da unterscheidet sich Stöcklis Geschäftsdoktrin von der seiner Konkurrenz: für ihn ist die Porno-DVD schon ein Relikt der Vergangenheit, die Zukunft ist online. «Die DVDs sind doch nur noch für ältere Generationen wie meine, die noch nicht versteht, wie man einen Film downloaded.»