Global Drug Survey 2014

15. April 2014 07:09; Akt: 15.04.2014 15:05 Print

Schweizer trinken, kiffen und koksen

von Marco Lüssi - 65 Prozent haben schon gekifft, jeder Vierte hat Kokain oder Ecstasy konsumiert: Dies ist das Ergebnis einer Umfrage, an der 5000 Personen aus der Schweiz teilgenommen haben.

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Rund 80'000 Personen aus 40 Ländern haben sich online an der grössten Drogenumfrage der Welt, dem Global Drug Survey 2014, beteiligt – darunter auch 5133 Personen aus der Schweiz. Die nationalen Resultate der Befragung liegen 20 Minuten exklusiv vor. Die Umfrage ist zwar nicht repräsentativ, sie gibt aber ein detailliertes Bild darüber, welche Rauschmittel in der Schweiz wie oft konsumiert werden. Die Mehrheit der Befragten ist 20 bis 30 Jahre alt.

Bei den Umfrageteilnehmern ist der Konsum von verbotenen Drogen weit verbreitet: 81,5 Prozent gaben an, schon einmal Illegales genommen zu haben, 57,4 Prozent hatten dies in den letzten 12 Monaten, 44,7 Prozent im Monat vor der Befragung getan. Die Zahl jener, die angaben, ein bisher völlig drogenfreies Leben geführt zu haben – also ganz ohne legale und illegale Drogen –, liegt bei lediglich einem Prozent.

Cannabis vor Ecstasy und Kokain

Bei den illegalen Drogen gibt es einen klaren Spitzenreiter: 64,7 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, schon einmal Cannabis konsumiert zu haben. Auf Platz 2 und 3 in der Rangliste der illegalen Substanzen folgen der Ecstasy-Wirkstoff MDMA und Kokain mit 27,0 beziehungsweise 25,6 Prozent. «Das deckt sich mit unseren Beobachtungen im Nachtleben, wonach der Konsum von Kokain gegenüber jenem von MDMA derzeit rückläufig ist», sagt Alexander Bücheli von Safer Nightlife Schweiz.

Noch immer auf zweistellige Prozentzahlen kommen auch Magic Mushrooms (20,9 Prozent), Amphetamine (18,7), LSD (18,6) sowie Poppers (14,5). Mit GHB/GBL haben 5,4 Prozent schon Erfahrungen gemacht, mit Heroin 4,5 Prozent. Gespritzt hat es sich jedoch nur ein kleiner Teil davon: Lediglich 0,9 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, sich schon einmal eine Droge injiziert zu haben. «Dass dieser Wert so tief ist, ist sehr positiv – denn das Spritzen von Drogen birgt die Gefahr, Krankheiten zu übertragen», sagt Bücheli.

Deutlich weniger verbreitet als in den anderen europäischen Ländern ist in der Schweiz der Konsum von neuen psychoaktiven Substanzen, sogenannten Legal Highs, die vor allem im Internet bestellt werden. Auch der Missbrauch von verschreibungspflichtigen Medikamenten ist verhältnismässig gering. Allerdings geben 8,8 Prozent der Teilnehmer an, Ritalin genommen zu haben, 5,1 Prozent haben Erfahrungen mit Viagra.

14 Prozent trinken mindestens viermal pro Woche

Die mit Abstand am häufigsten konsumierte Droge ist Alkohol: 97,9 Prozent der Befragten gaben an, schon einmal getrunken zu haben. Oft bleibt es nicht bei einem oder zwei Gläsern: Knapp 35 Prozent der Umfrageteilnehmer trinken gewöhnlich drei oder vier Einheiten Alkohol, bei 15 Prozent sind es fünf oder sechs, fünf Prozent trinken jeweils gar sieben bis neun Einheiten Alkohol, rund vier Prozent zehn oder mehr. Über 15 Prozent gaben an, einmal pro Woche mehr als sechs Einheiten Alkohol zu konsumieren.

Die von der Weltgesundheitsorganisation festgelegten Limiten von zwei bis drei Stangen Bier würden viele offenbar gar nicht kennen, sagt Bücheli. Verbreitet sei weniger der regelmässige als der episodische Alkoholkonsum. «Dessen Gefahren werden unterschätzt.» Die grösste Gruppe der Befragten, 39 Prozent, trinkt zwei- bis viermal im Monat, 32 Prozent trinken zwei- bis dreimal in der Woche Alkohol, 14 Prozent mindestens viermal pro Woche.

Ärger mit der Polizei

Mit illegalen Drogen erwischt zu werden, ist ein Risiko, das jeder Konsument eingeht. In der Schweiz wird man deutlich öfter ertappt als in anderen Ländern: 19 Prozent der Kiffer unter den Schweizer Umfrageteilnehmern gaben an, in den letzten zwölf Monaten mit der Droge von der Polizei erwischt worden zu sein. Dies ist der höchste Anteil von allen Ländern – ähnlich hoch ist das Risiko nur in Frankreich und Belgien, in Ungarn liegt der Anteil derer, die mit Cannabis erwischt wurden, lediglich bei drei Prozent.

Dass der Drogen- und Alkoholkonsum problematisch sein kann, ist den Umfrageteilnehmern bewusst. 43,3 Prozent gaben an, in den letzten zwölf Monaten über den Konsum eines Freundes besorgt gewesen zu sein. Am häufigsten war dies bei Alkohol der Fall, am zweithäufigsten genannt wurde Cannabis.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • NoModern am 15.04.2014 08:32 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Genussmensch

    Was gibt es schöneres als an einem schönen Sommerabend ein Bierchen zu trinken? Wie wunderbar ist es, in einem Moment wo es einem Wirklich gut geht eins zu Kiffen? Natürlich alles im Maas. Was ist schöner als beim Angel eine Zigarette zu rauchen?

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  • Claudia am 15.04.2014 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    gibt schlimmeres

    aha... ich persönlich findes es viel schlimmer wieviele Personen irgendwelche Tabs einwerfen müssen.. zum aufwachen, zum schlafen, zum Nerven beruhigen, zum aktiv werden... geht denn nichts mehr ohne die Pharmaindustrie? DAS finde ich besonders krass!!!!

  • Kari Madh am 15.04.2014 11:39 Report Diesen Beitrag melden

    Der Naiven Politik zu Verdanken.

    Die Gesetze gegen Cannabis sind Total Unsinnig, weil wer Kifft der weis wie Einfach es ist an Gras zukommen und wie viele Leute überhaupt Kiffen. Das kann sich jemand der nicht Kifft gar nicht vorstellen. Wenn ich das alles sehe denk ich mir einfach wie Naiv die Politik und die Polizei ist, den die haben den Krieg gegen die Drogen total Verloren und wollen das einfach nicht wahr haben. In jeder Stadt kommst du so einfach an Gras wie auch an Koks. Und das schlimmste ist das manchen Dealern, aber zum Glück nicht allen egal ist wie Alt der Konsument ist, Hauptsache Geld dabei.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • AndyR am 15.04.2014 18:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das erklärt einiges

    Ob Alkhol, Gras, Pillen oder was auch immer... Dem gesunden Verstand hilft's garantiert nicht sondern entreisst einem nur temporär der Wirklichkeit. Trotzdem, legalisiert doch den Stoff einfach und dann sehen wir ja wohin es führt.... Cheers

  • Redhead am 15.04.2014 17:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Normal ? Frau 48

    Eh ... Ich rauche nicht, hab noch nie irgendwelche Drogen etc ausprobiert und trinke vielleicht max 2 Gläser Wein pro Woche. Hat mich irgendwie nie gereizt dass Zeugs auszuprobieren. Komme mir fast schon nicht normal vor. ( ok ok ich geb's zu, wenigstens hat mich meine Tochter zu Video Games und Mmo's verführt ) huch ich werd gleich rot :)

  • Kerstin Sörst am 15.04.2014 17:04 Report Diesen Beitrag melden

    Soll man darauf stolz sein

    Was gibt es Schöneres, als völlig frei von Drogen zu sein. Egal ob das nun Alkohol, Tabak, indischer Hanf oder eine andere natürliche oder synthetische Droge ist. Solange es im Mass bleibt, mag es nicht so schlimm sein, allerdings passiert es in sehr vielen Fällen, dass 'das Mass' wächst und wächst und wächst. Die wenigsten Raucher bezeichnen sich als abhängig, das Gleiche gilt für sehr viele Alkoholiker - ich rede hier aus Erfahrung.

  • Jm am 15.04.2014 16:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Legalize Cannabis!

    Leider beobachte ich immer mehr im Freundeskreis, dass nicht mehr Alk oder Cannabis konsumiert wird sondern diverse Designerdrogen aus dem Labor, die Leute sind total neben den Schuhen werden Agressiv oder total gleichgültig. Man darf schon froh sein, wenn nur Kokain Heroin eingenommen wird. Cannabis gehört nicht in diese Kategorie, es ist die Medizin, die am wenigsten Schaden anrichtet. Einstigsdrogen gibt es nicht! Sucht kommt von Unzufriedenheit! Wer süchtig ist, hat ein psychologisches Problem. Dabei ist es nicht relevant auf was man Süchtig ist! Konsumsucht, Sexsucht,Spielsucht.....

  • Dr. S. Cooper am 15.04.2014 15:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer bestimmt über legal oder illegal!?

    Ich bin ein mündiger, erwachsener Schweizer. Ich kann und will, für mich nicht akzeptieren, dass mir irgendein System verbietet, eine Substanz zu mir zunehmen. Solange ich es mir leisten kann und keinem Dritten damit schade. Auch die meisten Ärzte, sind heute nichts mehr anderes, als legalisierte Drogendealer, für die Pharmaindustrie. Am lustigsten ist aber, wie die Leute ihre "Drogen" wehement verteidigen und gleichzeitig die anderen diffamieren.