Umfrage

12. Februar 2019 05:42; Akt: 12.02.2019 07:23 Print

Schweizer wollen einfacher in die Höhe bauen

Dem Nein zur Zersiedelungsinitiative zum Trotz: Eine Mehrheit will die Bauvorschriften lockern, um das verdichtete Bauen zu erleichtern.

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In Münsingen BE wollte ein Bauherr ein Wohnhaus von vier auf fünf Stöcke erhöhen. Das Projekt scheiterte: Die Mehrheit der Einwohner sprach sich im November des vergangenen Jahres gegen eine Änderung des Baureglements aus.

Solche Fälle sollte es nach Ansicht einer Mehrheit nicht mehr geben: So spricht sich in einer Umfrage von Tamedia eine Mehrheit von 61 Prozent dafür aus, dass einfacher in die Höhe gebaut werden kann – durch eine Lockerung der Bauvorschriften oder weniger Einspracherechte.

Während die Zersiedelungsinitiative, die einen Bauzonenstopp verlangte, bloss auf links-grüner Seite auf Sympathie stiess, kommt eine Liberalisierung der Bauvorschriften laut der Umfrage auch bei bürgerlichen Wählern an.

«Gewisse Gesetze müssen vereinfacht werden»

«Die Umfrage zeigt, dass die Bevölkerung nicht gegen eine Verdichtung der Quartiere gegen innen ist», sagt Luzian Franzini, Co-Präsident der Jungen Grünen. Tatsächlich seien die Bauvorschriften in vielen Kantonen und Gemeinden heute zu rigide: «Gewisse Gesetze müssen vereinfacht werden. Wir brauchen nachhaltige Quartiere mit höheren Ausnutzungsziffern.»

Ideal seien 5- bis 6-stöckige Wohnhäuser, wodurch das Ortsbild nicht verschandelt werde. Die demokratischen Mitspracherechte von Bevölkerung und Verbänden will er dagegen nicht einschränken: «Gute Projekte intelligenter Architekten, die auch bezahlbaren Wohnraum schaffen, finden eine Mehrheit.»

«Wird eigene Aussicht zugebaut, ändert man Meinung»

Auch Matthias Engel, Sprecher des Baumeisterverbands, sagt: «Verdichtetes Bauen muss einfacher werden. Solche Projekte haben immer wieder hohe Hürden zu nehmen.» Wolle man verdichtet bauen, sei dies vor allem eine Frage des politischen Willens, nicht der Mitspracherechte: «Um Bauverordnungen zu ändern oder Blockaden durch Einsprachen zu verhindern, muss das Umdenken in den Köpfen stattfinden.» Auch die Politik müsse mitspielen: «Gerade links-grüne Kreise bekämpfen immer wieder mustergültige Verdichtungsprojekte.»

Nick Raduner, der den Widerstand in Münsingen gegen die Aufstockung des Hauses organisiert hat, sagt zum Resultat: «In einer Umfrage kann man sich leicht für höheres Bauen aussprechen. Wird aber die eigene Aussicht zugebaut oder liegt der eigene Balkon plötzlich wegen eines hohen Gebäudes im Schatten, wird die Meinung schnell geändert.» In Münsingen etwa führe die Verdichtung dazu, dass insbesondere die Strassen-Infrastruktur nicht Schritt halten könne. «Unter der Verdichtung leidet die Lebensqualität. Darum ist es richtig, dass die Einwohner in jeder Gemeinde mitreden können.»

Zur Umfrage

10'162 Personen aus der ganzen Schweiz haben zwischen dem 8. und 10. Februar online an der Tamedia-Nachbefragung zur eidgenössischen Abstimmung vom Wochenende teilgenommen. Die Umfragen werden in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politikwissenschaftler Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 2,2 Prozentpunkten. Weitere Informationen zu den Tamedia-Umfragen gibts hier.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter M am 12.02.2019 06:32 Report Diesen Beitrag melden

    Klar doch wie in Zürich

    Da will man das avia Areal höher überbauen und es geht gleich eine Protestwelle los wegen möglichen Schattenwurf auf die Liegewiese. Höher bauen finden alle gut bis sie selbst davon betroffen sind.

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  • the Solutioner am 12.02.2019 06:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    welcome 2100

    A1 City, entlang der A1 Bauten hochziehen nach Dubai Vorbild! Doppelstöckige Autobahn mit hochgeschwindigkeits U- Bahn realisieren und dafür den Rest unseres Landes pflegen und hegen und die Natur belassen.

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  • Landei am 12.02.2019 06:38 Report Diesen Beitrag melden

    Bedenkliche Entwicklung

    Ich nenne dies Käfighaltung von Menschen in verkehrüberlasteten Ballungszentren. Gleichtzeitig verfallen ganze ländlichen Gegenden und dabei wird ihre Nutzung durch den Staat noch zusätzlich erschwert. Das ist krank, meine lieben Politiker von links bis rechts.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • gisco am 13.02.2019 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    Bin noch grün hinter den Ohren

    Bin noch grün hinter den Ohren, darum will ich auch nie Erwachsen werden. Hochhäuser sind zu hoch darum schau ich nur nur von unten nach oben

  • Till am 12.02.2019 21:48 Report Diesen Beitrag melden

    Hoch hinaus...

    Wir wollen hoch hinaus. Jetzt wo es manchen Orts langsam eng wird, müssen Hochbauten her, damit wir noch höher hinaus können. Mehr und mehr. Auch Infrastrukturen. Dabei stehen bereits unsere neuen Prestigezüge still. Neue Strassen brauchen wir. Kosten egal. Ja, wir wollen überall hoch hinaus. Auf immer neue Fallhöhen.

  • Verdichteter Bürger am 12.02.2019 18:22 Report Diesen Beitrag melden

    Wir lieben die Natur

    Wir Grünen lieben die Natur. Wir wollen Aber nicht Nähe an dem leben was wir lieben wie sonst üblich. Wir wollen in der Stadt leben, bequem und sauber. Und mit zersiedelung Ausrede

  • Mann der 1960er am 12.02.2019 17:43 Report Diesen Beitrag melden

    Ob sie wirklich zufrieden sind,

    Ob sie wirklich zufrieden sind, wenn ein Hochhaus oder mehre Hochhäuser hin gebaut werden wo Sie Wohnen. Nur sie können zu sich ehrlich sein

  • m.m am 12.02.2019 17:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja klar

    bis im quartier wo sie wohnen ein hochhaus gebaut werden möchte.