Vimentis-Umfrage

21. Februar 2011 10:01; Akt: 08.02.2012 14:59 Print

Schweizer wollen strengere Lehrer

von Lukas Mäder - Eine klare Mehrheit der Bevölkerung spricht sich gegen die Pauschalbesteuerung und Steuererleichterungen aus. Dafür soll in der Schule wieder mehr Disziplin herrschen.

Soll der Fokus in der Schule stärker auf die Disziplin gelegt werden?
Quelle: Vimentis

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Die Schweizer haben genug von hohen Managerlöhnen und Steuererleichterungen für die Reichen. Diesen Schluss legen die Ergebnisse der diesjährigen Vimentis-Umfrage nahe. Dabei sagen 65 Prozent der Befragten Ja zu einer Begrenzung der Löhne innerhalb eines Unternehmens. Dabei gibt es allerdings unterschiedliche Meinungen, wie hoch die Spanne zwischen tiefstem und höchstem Lohn sein darf. 33 Prozent sind für einen Faktor zwölf, wie ihn eine Volksinitiative der Jungsozialisten fordert. 15 Prozent wollen gar eine noch strengere Beschränkung, 17 Prozent eine lockerere. Nur gerade 27 Prozent finden, dass die Spanne zwischen Minimal- und Maximallohn unbegrenzt sein dürfe. Deutlich höher ist die Unterstützung für eine unbegrenzte Lohnspanne bei höheren Einkommen. Von den Teilnehmern, die über 12 000 Franken verdienen, sind 48 Prozent gegen eine Regulierung. Mit 51 beziehungsweise 38 Prozent ebenfalls klar gegen einen staatlichen Eingriff sind Sympathisanten von FDP und SVP.

Eine klar Mehrheit von über zwei Dritteln (71 Prozent) spricht sich in der Umfrage gegen die Pauschalbesteuerung aus, von der wohlhabende Ausländer ohne Einkommen in der Schweiz profitieren können. Nur gerade 22 Prozent wollen die vorherrschende Praxis der pauschalen Besteuerung beibehalten. Die Frauen sind dabei mit 76 Prozent stärker gegen die Bevorteilung von Ausländern als die Männer (64 Prozent). Aufgeschlüsselt nach Parteisympathie sind SP und Grüne mit 88 beziehungsweise 82 Prozent am deutlichsten gegen die Pauschalbesteuerung, während 38 Prozent der FDP-Anhänger den Status Quo bevorzugen. Regional betrachtet ist die die Unterstützung für die Pauschalbesteuerung in der steuerfreundlichen Innerschweiz (ohne Luzern) am höchsten (62 Prozent) sowie in den Kantonen Genf und Wallis (rund 60 Prozent).

Dass die Bevölkerung eine Bevorteilung Reicher in Steuerfragen klar ablehnt, zeigt schliesslich die Frage, ob die Steuersätze für gut verdienende Personen gesenkt werden sollen, damit diese in die Schweiz kommen. 82 Prozent sagen Nein. Nur gerade 12 Prozent sind dafür. Überdurchschnittlich ist die Zustimmung erneut bei den Gutverdienenden mit über 12 000 Franken Einkommen (25 Prozent), bei den Männern (17 Prozent) sowie bei den FDP-Anhängern (25 Prozent).

Soll die Schweiz die Steuersätze für gut verdienende Personen senken, damit diese in die Schweiz kommen?
Quelle: Vimentis

Alle Parteien für mehr Disziplin

Im Schulwesen fordert eine Mehrheit eine Rückkehr zu alten Zeiten. 78 Prozent wollen, dass in der obligatorischen Schule ein stärkerer Fokus auf die Disziplin gelegt wird. Die Unterstützung dafür steigt mit zunehmendem Alter, während beim Geschlecht nur ein marginaler Unterschied festzustellen ist. Von den SVP-Anhängern wollen 93 Prozent mehr Disziplin. Die Volkspartei hat in den letzten Jahren vermehrt die Bildungspolitik in den Fokus genommen und die Zustände an den Schulen beklagt. Gross ist der Wunsch nach mehr Disziplin aber auch bei den anderen bürgerlichen Parteien BDP (84 Prozent), FDP (85 Prozent) sowie CVP (82 Prozent). Selbst bei der SP ist noch eine klare Mehrheit mit 60 Prozent dafür.

Der klare Wunsch nach mehr Disziplin erstaunt insofern, als dass 63 Prozent der Befragten finden, das Bildungsniveau sei heute gleich oder höher als noch vor 20 Jahren. Diese Einschätzung teilen auch ältere Semester: Von den über 65-Jährigen sind nur 39 Prozent der Meinung, das Niveau sei schlechter. Bei dieser Frage zieht sich jedoch ein Röstigraben durch das Land. Während in der Deutschschweiz der Glaube an eine gestiegene Bildung überwiegt, sind die Westschweizer Kantonen und das Tessin skeptischer. Im Kanton Waadt sind 63 Prozent, im Kanton Genf 58 Prozent der Meinung, das Bildungsniveau sei gesunken. Bei den SVP-Anhängern glauben immerhin fast die Hälfte (49 Prozent), dass sich die Bildung in den letzten 20 Jahren verschlechtert habe.

Romands für mehr Sprachunterricht

Ausser bei der Disziplin herrscht jedoch wenig Einigkeit, wie die Bildung verbessert werden kann. Eine Erhöhung der Schulstunden lehnt eine klare Mehrheit ab. Bei der freien Wahl der staatlichen Schulen sind die Lager der Befürworter und Gegner praktisch gleich gross, ebenso bei der Frage nach einem Leistungslohn bei Lehrpersonen. Einzig die Einführung einer Bewertung der Lehrer durch die Schüler findet mit 51 Prozent eine leichte Mehrheit. Die Unterstützung von privaten Schulen durch öffentliche Gelder findet keine Mehrheit. 58 Prozent sind dagegen.

Ebenfalls ein klarer Trend zeigt sich bei der Frage, welche Fächer an den obligatorischen Schulen gestärkt werden sollen. 46 Prozent sprechen sich dabei für zusätzlichen Sprachunterricht aus. Sozial- und Naturwissenschaften wollen nur 19 beziehungsweise 17 Prozent stärken. Bei dieser Frage zeigen sich deutliche regionale Unterschiede. Die Förderung von Sprachen befürworten die französischsprachigen und zweisprachigen Kantone mit Ausnahme von Genf deutlich stärker (Wallis: 64 Prozent).

Welches Fach soll in der obligatorischen Schule zukünftig stärker gewichtet werden?
Quelle: Vimentis

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Robo Bono am 21.02.2011 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Sackbahnhof

    Mehr Disziplin in den Schulen, mit den heutigen hochgepriesenen, von links entwickelten (ach, es sind ja alle so arme Kinder)Errungenschaften, nicht möglich. Das bedeutet, Disziplin muss vom Elternhaus her kommen. Geht ja auch wieder nicht, da unser Mulitkulit, nicht jeden als Gleichwertig anschaut. Also, das ganze endet so wieso in einem Sackbahnhof. Wer ist schuld?

  • DM am 21.02.2011 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Disziplin!

    Die Schüler müssen die Disziplin und den Notendruck von Anfang an lernen! Wie sonst sollen sie in der harten Arbeitswelt zurecht kommen? Kaum ist ein wenig Druck da, versagen die meisten Jugendlichen heutzutage! Und von Disziplin sind sie oft weit weg! Und das nur weil in der Schule immer nur Harmonie gepauckt wird. In der Arbeitswelt gibts es aber auch sehr sehr oft die Kehrseite von Harmonie.

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  • chef am 21.02.2011 13:07 Report Diesen Beitrag melden

    schüler > lehrer

    und wie wäre es wenn der lehrer einem schüler mal eine strafe aufgibt ohne dass er von den eltern und anwälten angegriffen wird? ohne dass gleich z.b. das wort "rassist" fällt? dass die eltern mal merken, dass sie ihr kind auch erziehen müssen und nicht alles von alleine oder wegen dem lehrer geht?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ein Lehrer am 18.11.2011 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    Alle müssen an einem Strick ziehen !

    Lehrer sind nicht diejenigen Personen, welche alle Defizite und Versäumnisse in der Sozialisation von jungen Menschen korrigieren können. Im Elternhaus werden die Grundlagen für den späteren Erfolg gelegt. Also nützt es rein gar nichts, strengere Lehrer zu fordern, wenn das dann von Lehrmeistern oder Eltern nicht mitgetragen wird. Es wäre wohl gescheiter, von potentiellen Eltern einen "Familienführerschein" zu verlangen, als immer alles auf die Schule abzuschieben.

  • Nathan Ackermann am 11.11.2011 23:37 Report Diesen Beitrag melden

    Auch Lehrmeister einbeziehen

    Erziehung ist wichtig, das wurde hier schon dutzende Mal genannt. Wenn wir aber von der Jugend sprechen, so ist auch ganz zentral, dass Lehrlingsbetreuer ihre Verantwortung wahrnehmen und mit der Berufsschule kooperieren. Viele Lehrbetriebe nützen Jugendliche als billige Arbeitskräfte aus und kümmern sich nicht um Noten. Die Folge davon: Nach drei Jahren Lehre (z.B. Detailhandel) fallen die Lernenden durch die Prüfung (und schaffen es oftmals auch im zweiten Anlauf nicht). Die Betriebe hatten drei Jahre eine billige Arbeitskraft und die Lernenden stehen ohne Perspektive auf der Strasse!

  • Marlis am 23.02.2011 20:01 Report Diesen Beitrag melden

    VORDERUNG VON STAATL. GANGZTAGS-SCHULEN

    soltte für alle,d.h. für Arme + Reiche zum Olbligatorium erklärt werden, damit die Erziehung + Schule unter einem Dach gewährleistet ist, und die Eltern so auch einer geregelten Arbeit nachgehen können

  • ein lehrer am 23.02.2011 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Grundlegende Kulturtechniken vermitteln

    Einige Beiträge in dieser Rubrik bringen es auf den Punkt. Erziehung beginnt daheim in einer richtigen Familie. In der Schule muss Disziplin, Anstand, Leistungsbewusstsein etc. gefordert und durchgesetzt werden können ... aber neben der Hauptaufgabe, junge Menschen mit den gängigen Kulturtechniken und Fächern Lesen, Schreiben, Rechnen, Sprachen, Informatik, Geschichte, Geographie etc. ! Weniger Sozialschmus und weniger Fächervermischung - um die Welt zu verstehen, braucht es zuerst eine saubere Auslegeordnung des Wissens und der Fertigkeiten. Back to basics. Ganz im Sinne unserer Kinder.

    • Herbert-ch am 23.02.2011 21:12 Report Diesen Beitrag melden

      Zurück auf unseren Boden!

      Ich gehe mit Ihrem Standpunkt durchwegs einig! Zu lange hat man in unserer Gesellschaft die sogenannt weichen bzw. verweichlichten Faktoren gepflegt, nicht nur im Bildungswesen, sondern in sämtlichen öffentlichen Bereichen und Institutionen. Die Folge: die Pforten wurden angelweit geöffnet für Orientierungslosigkeit, Wischiwaschi und eine total überbordende Permissivität mit einhergehenden gesellschaftlichen Fehlentwicklungen und Missbräuchen.

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  • Hans am 22.02.2011 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    So ein Blödsinn

    Kommt nach Zwillikon, hier sind super Leher, super Schüler und super Eltern. Weiss gar nicht was ihr habt.